BerlinWenn Gespräche derzeit auf deutsche Stürmer fallen, sind die Namen häufig die üblichen: Timo Werner, Kai Havertz, Leroy Sané und Serge Gnabry. Selten fällt der Name Luca Waldschmidt, auch wenn der 24-Jährige nun schon zum wiederholten, um genau zu sein zum vierten Male von Bundestrainer Joachim Löw für die deutsche Fußballnationalmannschaft nominiert wurde.

Dabei hat gerade der gebürtige Siegener derzeit die spannendste Geschichte der deutschen Angreifer zu erzählen. Liefert er doch seit diesem Sommer den eindrucksvollen Beweis dafür, dass für junge deutsche Profis nicht nur der FC Bayern, Borussia Dortmund und die englische Premier League als einzige Karriereoptionen infrage kommen. Waldschmidt startet beim portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon durch.

Der 37-fache Meister, mit mehr als 250.000 Mitgliedern hinter den Münchnern der zweitgrößte Fußballklub der Welt, war bereits im Sommer 2019 am früheren Freiburger interessiert, doch ein Wechsel scheiterte zunächst. Erst als Portugals einstige Mittelfeldlegende und aktuell Benficas Sportdirektor Rui Costa im Frühjahr plötzlich in Freiburg auftauchte, um Waldschmidt noch einmal persönlich von den „Águias“ (Adlern) zu überzeugen, sagte der Nationalspieler schließlich zu.

Neustart mit Jorge Jesus

Bei Benfica herrschte zu diesem Zeitpunkt Aufbruchstimmung. Nach einem enttäuschenden Jahr ohne Titel holten die Hauptstädter Erfolgstrainer Jorge Jesus aus Brasilien zurück, der dort mit Flamengo Rio de Janeiro zuletzt die Copa Libertadores gewinnen konnte. Jesus sah die hängende Spitze Waldschmidt zunächst noch als perfekte Ergänzung zum baumlangen und massigen Brasilianer Carlos Vinícius, der dann allerdings zu Tottenham nach London wechselte. Doch auch mit Haris Seferovic, den Waldschmidt noch aus früheren Frankfurter Tagen kennt, läuft es bestens, die beiden kommen schon jetzt auf zehn Treffer (Seferovic sechs, Waldschmidt vier).

Der Schweizer leistet auch bei der Integration des 24-Jährigen ganze Arbeit, ebenso wie beim einstigen BVB-Profi Julian Weigl, den es bereits im vergangenen Winter nach Lissabon zog. „Manchmal fühlt es sich hier wie Urlaub an. Als Deutscher bist du so viel Sonne nicht gewohnt. Es ist eine neue Lebensqualität, wenn man an freien Tagen mal eben an den Strand gehen oder in der traumhaften Stadt durch die engen Gassen schlendern kann“, erklärte der zuletzt der „Sport Bild“.

So fiel Waldschmidt der Start bei Benfica leicht. Gleich im ersten Spiel erzielte er einen Doppelpack. „Ich habe Luca zur Halbzeit gesagt, dass ein Tor nicht reicht. Da hat er noch eins gemacht. Guter Junge!“, flachste Weigl später über das Traumdebüt des Torjägers. Er weiß auch, was den portugiesischen Traditionsklub so attraktiv für Waldschmidt und andere junge deutsche Talente macht: „Es ist alles auf dem modernsten Stand. Bei diesem Umfeld hat man die besten Voraussetzungen, sich weiterzuentwickeln. Und man muss sich mal anschauen, wie das hier abgeht, wenn Titel gewonnen werden. Die Fans sind total verrückt.“

Für Waldschmidt kommt noch ein ganz pragmatischer Grund hinzu: das internationale Geschäft. „Nach Freiburg wollte ich zu einem großen Verein mit internationalen Ambitionen. Benfica hat mir von Anfang an das richtige Gefühl gegeben“, erklärt er seinen Wechsel. Mit dem Hauptstadtklub ist die jährliche Teilnahme an der Champions League eigentlich Pflicht, die an der Europa League nur ein Trostpreis. Beste Voraussetzungen also, um sich weiter ins Blickfeld von Joachim Löw und in das der deutschen Fußballfans zu spielen. 

Dass in diesen Razzien bei Benfica stattfinden, um nach Beweisen für den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Unterschlagung im Zusammenhang mit Spielertransfers zu suchen, wirft noch ein anderes Bild auf den Verein. Waldschmidt wird sich weiterhin auf das Sportliche konzentrieren. Und versuchen, auch in der Nationalmannschaft noch mehr auf sich aufmerksam zu machen.