Beim 1. FC Union ist Sebastian Polter jetzt außen vor.
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Berlin-KöpenickWenn eine Mannschaft etwas im Abstiegskampf so gar nicht vertragen kann, dann ist es Unruhe. Dass Sebastian Polter beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Union nur noch trainieren darf, aber nicht mehr spielen oder im Kader stehen wird, wird große Unruhe stiften. Die Nachricht ist dazu geeignet, schlimmste Befürchtungen hegen zu müssen. Es könnte der Schritt Richtung Abgrund sein, den keiner in Köpenick erleben möchte.

Allein schon die Tatsache, dass Union sich zu diesem Schritt genötigt gefühlt und ihn öffentlich gemacht hat, ist ein Indikator dafür, dass es um das Binnenklima bei den Eisernen derzeit nicht zum Besten bestellt ist. Da müssen schon schwerwiegende Gründe eine Rolle spielen für so eine Maßnahme. Macht man nur, wenn man Schaden eigentlich verhindern oder bereits eingetretenen bereinigen will.

Über die Details, warum das Tischtuch endgültig zerschnitten ist, kann nur spekuliert werden. „Unsolidarisches Verhalten“ nennt der Verein als Grund. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll Polter nicht bereit gewesen sein, eine gemeinsame Aktion der Vereins-Angestellten zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu akzeptieren. Im Januar hatte Polter gesagt: „Wir verdienen abnormal. Aber Fußball ist dafür da, Geld zu verdienen in der Zeit, die man als Profi hat. Wenn ich nicht muss, möchte ich nicht auf Geld verzichten.“

Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht.

Union-Präsident Dirk Zingler

Das Thema Gehaltsverzicht ist äußerst sensibel. Spielte verletzte Eitelkeit bei Polter eine Rolle, der sich nicht mehr gewürdigt fühlte und daher wenig Verständnis dafür aufbringt, dass er jetzt noch zurückstecken soll dafür? So dumm, dass er für sich eine Sonderrolle in Anspruch nimmt, kann er ja nicht wirklich sein, oder?

Wer da in Köpenick nun wirklich den schwarzen Peter zugeschoben bekommen muss, ist von außen ohne Detailkenntnis schwer zu beurteilen. Es ist aber auch unerheblich für Auswirkungen. Dass das Kabinenthema sein wird, ist jedem klar. Und damit ist es geeignet, die Konzentration auf die noch ausstehenden sechs Spiele empfindlich zu beeinträchtigen.

Unabhängig davon, ist es das vorzeitige Ende eines Märchens, das im Januar 2017 mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes begann und dann mit der Aufstieg im vergangenen Sommer ein glückliches Ende zu finden schien. Wobei unerheblich ist, dass der Publikumsliebling sportlich schon nicht mehr den Stellenwert hatte und seinen Abschied im Sommer bereits angekündigt hatte. Nun bleibt ein Makel. Den Schaden haben alle. Die Fans, Polter und der Verein.