Präsident Josep Maria Bartomeu (l.) und Sportdirektor Eric Abidal (r.) präsentieren mit Quique Setíen einen Nachfolger für Trainer Ernesto Valverde.
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Berlin/BarcelonaXavi mag nicht! Deutlicher lässt sich die aktuelle Misere des FC Barcelona kaum ausdrücken. Unbedingt wolle er eines Tages den Klub trainieren, bei dem er viele Jahre im Mittelfeld spielte, hat Xavi oft gesagt, doch als ihm der Job nun angeboten wurde, lehnte er ab. Möglich, dass sich der 39-Jährige nach nur einem halben Jahr Trainererfahrung beim katarischen Verein Al-Sadd, wo er bis zum Sommer seine Spielerkarriere ausklingen ließ, noch nicht reif fühlt für diese Aufgabe. Wahrscheinlicher, dass er der augenblicklichen Verfasstheit des FC Barcelona, der Ratlosigkeit des Führungspersonals, dem Präsidenten Josep Maria Bartomeu sowie der Befindlichkeit und Zusammensetzung der Mannschaft nicht traut. Abgesagt hatte auch Ronald Koeman, der sich gute Chancen ausrechnet, mit den Niederlanden Europameister zu werden, was blieb nach dem Rauswurf von Ernesto Valverde, war eine kleine Lösung. Neuer Trainer des FC Barcelona ist Quique Setién, zuletzt tätig bei Betis Sevilla.

Die Verpflichtung des 61-Jährigen, der noch keinen großen Klub betreute, war der Schlusspunkt eines Schauspiels, das Xavis früherer Mittelfeldgenosse Andrés Iniesta aus dem japanischen Kobe, wo er inzwischen spielt, „ein bisschen hässlich“ nannte. Ausgerechnet nach der nicht unbedingt verdienten 2:3-Halbfinalniederlage gegen Atlético Madrid vorige Woche beim merkwürdigen spanischen Supercupturnier in Saudi-Arabien brach hektischer Aktionismus aus. Ungeniert wurde an Valverde vorbei ein neuer Trainer gesucht, eine Delegation reiste zu Xavi nach Katar, und nach dessen und Koemans Absage wurden Unmengen Kandidatennamen in die Runde geworfen, die für völlig verschiedene Fußballstile standen. Nicht zu erkennen war ein Konzept.

Von Messi gestützt

Ernesto Valverde ist der erste Barça-Trainer seit Louis Van Gaal im Jahr 2003, der während der Saison entlassen wurde. Abgelaufen war die Zeit von El Txingurri (kleine Ameise), wie er seit seiner Zeit als Spieler bei Athletic Bilbao genannt wird, schon länger. Dass er überhaupt den Sommer überstand und die neue Saison in Angriff nehmen durfte, galt als Sensation, nachdem Barcelona im Halbfinale der Champions League trotz eines 3:0-Hinspielsiegs gegen den FC Liverpool ausgeschieden war und danach auch noch das Pokalfinale gegen den FC Valencia verlor. Gegen große Widerstände im Klub setzte Bartomeu die Weiterbeschäftigung durch, auch weil die mächtigen Veteranen in der Mannschaft wie Lionel Messi, Piqué, Luis Suárez oder Sergio Busquets den Trainer stützten.

Unter einem guten Stern hatte die Amtszeit Valverdes von Anfang an nicht gestanden. Vor allem Neymar spielte ihm zweimal übel mit, zuerst als er kurz nach der Verpflichtung des Coaches seinen Wechsel zu Paris St. Germain durchsetzte, dann als er vergangenen Sommer plötzlich zurück nach Barcelona wollte, was beträchtliche Unruhe im Kader stiftete und die Vorbereitung auf die Saison empfindlich beeinträchtigte.

Vertrag bis 2022

Positiv wurde Valverde angerechnet, dass er Real Madrid national auf Distanz hielt und zwei Meistertitel gewann. Doch wie Pep Guardiola vor einigen Tagen aus Manchester anmerkte: Meister werden reicht nicht in Barcelona. Das große Ziel ist der letztmals 2015 in Berlin gewonnene Titel in der Champions League, den ausgerechnet Real Madrid danach gleich dreimal holte. Seit dem Fiasko an der Anfield Road, wo ein furchtsames und taktisch ausmanövriertes Barcelona dem Ansturm von Jürgen Klopps Liverpoolern hilflos gegenüberstand, war Valverde ein Coach auf Bewährung. Zumal ihm Ähnliches schon im Jahr zuvor widerfahren war, als sein Team im Viertelfinale nach einem 4:1 im Nou Camp beim AS Rom mit 0:3 unterging.

Sonderlich beliebt bei den Fans war Valverde nie, dafür sorgte sein nüchterner, pragmatischer Fußball, der selten begeistern konnte. Als diese Saison trotz knapper Tabellenführung eine erschreckende Unbeständigkeit hinzukam, reifte bei den Verantwortlichen die Gewissheit, dass die Champions League, wo im Achtelfinale der SSC Neapel wartet, mit Valverde kaum zu gewinnen wäre. So genügte ein relativ läppischer Anlass wie die Supercup-Niederlage gegen Atlético zum Trainersturz.

Kurioserweise verpflichtete Bartomeu, dessen Regime eigentlich als Gegengewicht zur starken cruyffistischen Strömung im Klub gilt, mit Quique Setién nun ausgerechnet einen glühenden Verehrer von Johan Cruyff und dessen Ballbesitzfußball. Sein Vertrag läuft bis 2022, doch wie lange er wirklich bleibt, wird sich in den nächsten Monaten vor allem in der Champions League entscheiden. Und irgendwann dürfte auch Xavi bereit sein für den Job bei seinem Lieblingsklub.