Kingsley Coman jubelt mit Serge Gnabry über seinen Treffer zum 1:0.
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Berlin/LissabonKingsley Coman schrie seine Freude heraus, und beinahe wirkte es so, dass seine Lockenpracht nicht deswegen wackelte, sondern noch wegen seines platzierten Kopfballs kurz zuvor. Joshua Kimmich hatte geflankt, und als die Bayern kurz darauf Coman in den Arm schlossen, herzte auch Ivan Perisic den 24 Jahre alten Franzosen, der in Paris geboren und bei Paris Saint-Germain ausgebildet wurde, ehe er 2015 von Juventus Turin zum FC Bayern gekommen war.

Am Ende reichte Comans Tor aus der 59. Minute zum 1:0 (0:0)-Sieg des FC Bayern gegen PSG im Finale der Champions League und damit zum zweiten Triple der Vereinsgeschichte nach 2013. Paris mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel verpasste dagegen in Lissabon das angestrebte Quintuple. Und das durch jenen Münchner aus Paris, den Trainer Hansi Flick in die Erfolgself rotiert hatte.

Viel war vorm Finale debattiert worden, ob Flick auf die jüngsten defensiven Lücken reagieren sollte. Der Münchner Trainer hatte zwar nach dem teils wackeligen 3:0 gegen Lyon im Halbfinale derartige Überlegungen anklingen gelassen. Grundlegende Neuerungen aber, das hatte er bekräftigt, werde es nicht geben. „Wir haben unsere Philosophie in den letzten zehn Monaten durchgesetzt, das war unsere Erfolgsgarantie – und wir werden da nicht groß was ändern“, sagte Flick. Pässe zum pfeilschnellen Offensivtrio Neymar, Kylian Mbappé und Ángel Di María gelte es aber zu verhindern. „Es wird Räume geben, die man finden kann“, hielt Tuchel dagegen.

In seiner Aufstellung fürs Finale nahm Flick nun tatsächlich eine Änderung vor, allerdings geriet diese eher noch einen Tick offensiver als zuletzt. Nicht den im Spiel gegen den Ball robusten Perisic bot der 55-Jährige vorne links auf, sondern Coman. „Das ist sein Heimatverein“, begründete Flick seine Entscheidung für den Franzosen, „wir versprechen uns davon, dass er noch ein bisschen mehr motiviert ist.“ Einbringen solle Coman vor allem „seinen Speed“. Seine Kopfballstärke war bisher weniger bekannt.

Ein Offensiv-Spektakel hatten viele Experten prognostiziert, doch zunächst überwog die Vorsicht. Auch bei den Bayern, die zwar gewohnt früh störten und Bälle eroberten, das ganz große Risiko in den anschließenden Offensivaktionen aber noch scheuten. Paris war anfangs vor allem damit beschäftigt, sich dem Pressing zu entziehen, was zunächst eher selten überzeugend gelang. Allein schon deshalb hatten die Bayern leichte Vorteile, die aber nach und nach schwanden.

Dafür sorgte auch die erste Chance, die Paris mit einem Schnellangriff kreierte. Mbappé schickte Neymar, dessen Abschluss Manuel Neuer parierte. Direkt danach wehrte Bayerns Torwart Neymars Versuch ab, den Abpraller zurückzulegen auf Di María. Die Münchner antworteten mit Robert Lewandowskis Rechtsschuss aus der Drehung an den Pfosten (22.). Kurz darauf schoss Di María aus guter Position über Neuers Tor. Nun erfüllte das Finale, was man sich von diesem versprochen hatte. Aus Jérôme Boatengs Sicht galt das jedoch nicht. Der Innenverteidiger, bereits gegen Lyon mit muskulären Beschwerden ausgewechselt, musste Mitte der ersten Halbzeit für Niklas Süle angeschlagen runter und sah, wie Keylor Navas Lewandowskis Kopfball mit einem Reflex parierte.

Völlig offen wirkte das Finale nun und so, dass das erste Tor den Ausgang entscheidend vorzeichnen könne. Wohl auch deshalb blieb es bei beiden Mannschaften vorerst dabei, in den Offensivaktionen die defensive Absicherung zu betonen, um bei Ballverlusten nicht überrumpelt zu werden. Das hatte aus Sicht der Bayern den Vorteil, dass Bälle in den Rücken ihrer Abwehrkette meist vermieden werden konnten. Allerdings fehlte vorne noch ein wenig die gewohnte Wucht.

Großen Anteil daran hatte Paris, das sehr kompakt auftrat und einen Nachweis lieferte, über die beste Defensive dieser Saison in der Champions League zu verfügen. Die Münchner offenbarten auch kaum Defizite, abgesehen von David Alabas Fehlpass, durch den Mbappé abschließen konnte, allerdings genau auf Neuer. Auf der Gegenseite entwischte Coman Thilo Kehrer, dessen leichter Griff auf die Schulter aber nicht für einen Elfmeter reichte.

Es blieb auch in der zweiten Halbzeit ein enges, ziemlich ausgeglichenes Finale mit zwar mehr Ballbesitz für die Bayern, ohne dass diesen allerdings die entscheidende Zuspitzung gelang. Bis zu Comans Kopfball gegen die Laufrichtung von Torwart Navas. Schnell kamen die Bayern zu weiteren Chancen, doch am Ende reichte Comans Tor zum Triple, auch weil Neuer gegen Marquinhos rettete.