Berlin - Vor dem Topspiel gab es eine herzliche Umarmung, danach hätte die Stimmungslage bei Julian Nagelsmann und Christian Streich unterschiedlicher kaum sein können. Während ein gelöster Nagelsmann nach dem engen 2:1 (1:0) seines FC Bayern „sehr froh über einen wichtigen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten“ war, ärgerte sich sein Kollege vom SC Freiburg über die verpasste Überraschung beim Rekordmeister - und über Fragen nach der Champions League.

Diese Fragen seien „vollständiger Blödsinn“, sagte Streich mit finsterer Miene. Und überhaupt: „Wir haben verloren, darüber freue ich mich selten.“ Er sei mit der Leistung zwar „zufrieden. Mehr können wir nicht machen“. Dennoch: „Ich hätte schon mal sehen wollen, wenn wir das Tor ein paar Minuten früher gemacht hätten.“

FC Bayern baut seine Tabellenführung aus

Hat der SC aber nicht: So blieb es in einem abwechslungsreichen Gipfel auf Augenhöhe beim späten Treffer durch Janik Haberer - und für die Liga bei der Erkenntnis, dass die Bayern in dieser Saison auf dem Weg zur zehnten Meisterschaft in Folge kaum zu stoppen sein werden.

„Das war heute ein Topspiel. Wir sind dafür da, diese Spiele zu gewinnen. Das haben wir gemacht“, sagte Leon Goretzka trocken. Der Nationalspieler hatte die Bayern in Führung gebracht, Robert Lewandowski mit seinem bereits 13. Saisontor für die Entscheidung gesorgt.

Durch Dortmunds Niederlage in Leipzig baute der FC Bayern seine Tabellenführung auf vier Punkte aus. Entsprechend beschwingt ging Nagelsmann in die Länderspielpause: „Meine Mannschaft hat alles reingeworfen, Kompliment!“

Streich lobt Nagelsmann als Naturtalent

Der 34-Jährige zog entsprechend nach knapp einem Drittel der Saison ein positives Zwischenfazit. Seine Spieler um Kapitän Manuel Neuer, der den Bayern-Erfolg in der Schlussphase einmal mehr festgehalten hatte, seien „unheimlich charakterstark, aber auch sehr demütig“.

Und dazu habe der FC Bayern einen Trainer, „der ein Naturtalent ist, eine außergewöhnliche Erscheinung. Das gibt es nicht oft, gerade in diesem Alter. Er wird die nächsten Jahrzehnte bestimmen“, hatte Streich (56) schon vor dem Spiel gesagt. Er habe solche Weltklassespieler nie trainiert, „die musst du dazu bringen zu verteidigen. Und das schafft Julian“.

Nagelsmanns Luxusproblem

Zumal die Münchner Neuer im Tor haben. „Wenn man auf den Platz geht und er vorneweg geht, dann gibt das Vertrauen und Kraft. Er ist wie eine Maschine. Wenn er keine Fehler machen darf, macht er keine Fehler“, lobte Goretzka seinen Kollegen.

Dazu kommt die Auswahl im Kader. Gegen Freiburg saßen Serge Gnabry, Jamal Musiala oder Weltmeister Benjamin Pavard auf der Bank. „Das ist dann keine Entscheidung gegen einen Spieler, sondern für einen anderen“, betonte Nagelsmann: „Das ist ein Luxusproblem.“