Berlin - Julian Nagelsmann zeigte sich ausgesprochen spielfreudig, als er einige Minuten vor seinen Stars den Trainingsrasen für die finale Einstimmung auf den zweiten Akt in der Champions League betrat. Der 34-Jährige kickte voller „Begeisterung“ mit seinen Co-Trainern – daran änderte auch ein hart geführter Zweikampf nichts. „Ich habe zähe Sprunggelenke, alles in bester Ordnung“, scherzte Nagelsmann. „Ich wäre bereit, falls mich einer braucht.“

Das gilt auch für das Gros seiner Spieler. Nach der Rückkehr der schon wieder aufgebotenen Fußball-Nationalspieler Serge Gnabry und Jamal Musiala mischt auch Kingsley Coman nach einem operativen Eingriff zur Freude von Nagelsmann wieder im Teamkreis auf dem Platz mit - wenngleich der Franzose für das erste Münchner Königsklassen-Heimspiel der Saison am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) gegen Dynamo Kiew noch nicht zum Team gehören wird. „Es geht ihm gut. Er ist sehr froh, dass die Thematik vorbei ist, er wieder frei auftreten und spielen kann“, sagte Nagelsmann. „Er ist für Kiew noch keine Option.“ Coman hatte sich einem kleinen Eingriff am Herzen unterziehen müssen, zumindest teilweise kann er schon wieder mit der Mannschaft trainieren.

Kingsley Coman wird Zeit gegeben, um auf 100 Prozent zu kommen

Man wolle ihn zwei Wochen auftrainieren und ihm die Zeit geben, um wieder auf 100 Prozent zu kommen, sagte der Bayern-Trainer. Außer dem Flügelspieler fehlen am Mittwoch gegen Kiew nur Sven Ulreich und Corentin Tolisso. Ersatzkeeper Ulreich (Knieverletzung) muss noch länger pausieren, Tolisso (Wadenprobleme) macht laut Nagelsmann Fortschritte. Der Trainer kann gegen den Meister aus der Ukraine fast auf seinen kompletten Kader zurückgreifen.

„Wir wollen gerne sechs Punkte haben und in der Gruppe Tabellenführer sein und bleiben“, sagte Nagelsmann zwei Wochen nach dem perfekten Start beim 3:0 gegen den FC Barcelona. In der Frage nach dem Favoriten der noch jungen Königsklassen-Spielzeit verwies der 34-Jährige darauf, dass das auf dem Platz zu zeigen sei. „Am Ende geht es darum, zu bestätigen, dass wir vielleicht einer der Favoriten sein können. Wer das Ding gewinnen will, muss am Ende die meisten Spiele gewonnen haben – und das versuchen wir.“

Zwei Wochen nach dem imponierenden 3:0-Signal im Camp Nou war dem Ensemble um die gegen Barca treffsicheren Robert Lewandowski und Thomas Müller in der Einheit am Dienstag die Vorfreude auf den nächsten Flutlicht-Abend in Europa deutlich anzumerken. Kein Wunder – nach acht wiederholt klaren Pflichtspielsiegen des deutschen Fußball-Rekordchampions am Stück.

„Es ist viel Spielfreude und Selbstbewusstsein dabei“, sagte Gnabry. „Wir sind happy, wir haben eine super Stimmung. Wir haben Megabock und sehr viel Hunger auf Erfolg. Wir wollen die Champions League wieder gewinnen und ich denke, wir haben definitiv eine Mannschaft, mit der wir das schaffen können.“

Gnabry, der zuletzt von Rückenbeschwerden und einem grippalen Infekt gebremst worden war, dürfte in die Startformation zurückkehren. „Er muss Freiräume haben und dieses Straßenkicker-Gen auf den Platz bringen können“, sagte Nagelsmann. Der formstarke Leroy Sané könnte auf der anderen Seite den Vorzug vor Musiala erhalten, der nach einer Kapselverletzung am Sprunggelenk wie Gnabry in Fürth als Joker zurückkehrte. 

Der dauerbelastete Müller, der sich beim 3:1 in Fürth mit seinem 218. Bayern-Tor auf Rang drei des Club-Klassements vorschob, will gegen Kiew im ersten Münchner Europapokal-Heimspiel vor Zuschauern seit bald zwei Jahren eine besondere Tor-Marke erreichen. Sein nächster Treffer wäre der 50. in der Champions League – das glückte nur sieben Stars und noch keinem deutschen Profi. „Die Ergebnisse stimmen, deswegen hat keiner etwas zu meckern“, sagte Müller.

Niklas Süle findet zu alter Stärke zurück

Spannung verspricht die aufgebotene Abwehrformation, aus der Nagelsmann dem wiedererstarkten Niklas Süle Zugehörigkeit zum „europäischen Top-Regal“ attestierte. Neuzugang Dayot Upamecano überzeugte ebenfalls, dazu drängt Weltmeister Lucas Hernández in die Formation. Zuletzt ließ Nagelsmann sehr variabel verteidigen. Nur in der Königsklasse kann er aktuell auf den in der Liga für zwei Spiele gesperrten Benjamin Pavard zurückgreifen.

Nach dem Ende seiner Rekordjagd in der Liga beim Spiel in Fürth, als Lewandowski nach 15 Partien mit mindestens einem Tor die Bestmarke von Gerd Müller (16) nicht knacken konnte, strebt der Weltfußballer in Europa nach weiteren Topwerten. In seinen vergangenen 17 Einsätzen in der Champions League war der Pole an 27 Toren direkt beteiligt.