MünchenDer unerwartet holprige Neustart mit den altbekannten Problemen trieb sogar den sonst so besonnenen Hansi Flick auf die Palme. „Ich kann auch laut werden, kein Problem, man lernt ja mit den Jahren dazu“, sagte der Trainer von Bayern München über seine feurige Kabinenpredigt, die den nachlässigen Triple-Gewinner zum Comeback-Rekord getrieben hatte.

„Es gehört dazu, dass man mal ganz klar sagt, was Sache ist“, berichtete der für gewöhnlich ruhige Flick mit einem Schmunzeln. Beim turbulenten 5:2 (0:2) gegen den frechen Außenseiter FSV Mainz 05 sei das in der Halbzeit der Fall gewesen. Die schlampigen Bayern lagen zum achten Mal (!) in Serie in einem Bundesliga-Spiel hinten, kamen aber auch zum achten Mal (fünf Siege, drei Remis) zurück - beides Rekord. Doch Flick dürfte sich gefragt haben: Wie lange kann das gut gehen?

Gegen starke Mainzer rettete seine Umstellung die anfälligen Bayern: Flick beorderte Mittelfeld-Boss Joshua Kimmich nach rechts hinten und stabilisierte mit Leon Goretzka das wacklige Zentrum. „Wichtig ist, dass man nicht einfach in den Wald schreit, sondern den Spielern was an die Hand gibt, um es besser zu machen“, sagte der Trainer-Vulkan über seinen seltenen emotionalen Ausbruch.

Nach der abermaligen Aufholjagd standen für Flick keine ganz neuen Erkenntnisse: Die Münchner Mentalität ist unschlagbar, auf die Achse mit Manuel Neuer, Startelf-Rückkehrer Kimmich und Doppelpacker Robert Lewandowski ist Verlass - auch in geänderter Formation. Und: Die „fahrlässige“ Zweikampfführung war erneut „nicht das, was man sich von einer Spitzenmannschaft vorstellt“, wie Flick streng anmerkte. Kapitän Neuer musste die Schwächen erneut mit Glanzparaden ausbügeln.

Trainer Flick lobt Joshua Kimmich

„Es ist ein überragendes Gefühl zu wissen, dass wir jedes Spiel drehen zu können“, sagte Kimmich, der für den formschwachen Benjamin Pavard in die Viererkette gerückt war. Der Nationalspieler habe „gezeigt, wie man einen Außenverteidiger interpretiert“, lobte Flick - zugleich eine Watschn für Weltmeister Pavard. Kimmich gab zu, er sei diesmal hinten „wertvoller“ gewesen als auf der Sechs: Als Flügelmann traf er zum 1:2 (50.) und bereitete den Ausgleich durch Leroy Sané (55.) vor.

Sorgenkind Sané zeigte sich verbessert und war selbst „zufrieden“, Flick aber nahm ihn erneut in die Pflicht: „Er weiß, dass er in jedem Spiel gefordert ist.“ Sogar in sein Lob für Weltfußballer Lewandowski, der den Sieg nach dem 3:2 durch Niklas Süle (70.) mit seinen Saisontreffern Nummer 18 und 19 (76., Foulelfmeter, 82.) abgesichert hatte, mischte Flick Kritik. Der Pole lehne sich nie zurück, „aber es ist trotzdem so, dass jeder Einzelne Luft nach oben hat“. Also auch Lewandowski. Noch viel stärker gilt das für die vier Last-Minute-Zugänge, die noch immer keine echten Verstärkungen sind.