Der FC Bayern schlägt Barcelona mit 8:2. Ein Ergebnis für die Ewigkeit?
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Lissabon/BerlinErinnern Sie sich an das 7:1 der deutschen Fußballnationalmannschaft im WM-Halbfinale 2014 gegen Gastgeber Brasilien? Blöde Frage, natürlich erinnern Sie sich daran. Weltweit hat das noch immer utopisch anmutende Ergebnis Sportgeschichte geschrieben. In Brasilien gilt der Ausspruch "sete-um" ("sieben-eins") seither als Metapher für eine vernichtende Niederlage.

Eine solche Ehre wird das 8:2 des FC Bayern gegen den FC Barcelona vom Freitagabend nicht erfahren. Nicht, dass es dieses ebenfalls sagenhafte Ergebnis nicht verdient hätte, dass man sich auf ewig daran erinnert. Viel mehr sind es die Umstände, die dazu führen, dass der deutsche Rekordmeister sein vielleicht großartigstes Europapokalergebnis eingefahren hat und die Welt dennoch nicht stillstehen will. Schuld ist - mal wieder! - das Coronavirus.

Es hätte alles so episch sein können, hätte dieser zauberhafte Märchensieg vor einem vollbesetzten Stadion, mitten in der Saison stattgefunden. Stattdessen trafen die Münchner lange nach Saisonende in der „Blase“ von Lissabon auf ein Team, das inmitten der Corona-Krise, die in Spanien besonders schwer wütet, gerade die Meisterschaft an Erzfeind Real Madrid verloren hat. Ein Team, bei dem die Covid-19-Erkrankung von Verteidiger Samuel Umtiti ausgerechnet am Tag des Viertelfinalspiels öffentlich bekannt wurde. Ein Team, das noch nicht weiß, wie es weitergeht, wenn sich die Neuinfektionen, die in Barcelona gerade massiv ansteigen, nicht eindämmen lassen. Kaum zu glauben, dass die Katalanen vollends fokussiert in diese Partie gegangen sind.

Und selbst beim FC Bayern weiß keiner, wie dieser Kantersieg nun einzuordnen ist. Die Zukunft von Doppeltorschütze Coutinho liegt, das bekräftigte Karl-Heinz Rummenigge zuletzt, nicht in der bayrischen Landeshauptstadt, die von Ivan Perisic, der ebenfalls traf, ist noch unklar. Weil Neuzugang Leroy Sané außerdem noch nicht mitwirken durfte, ergeben sich aus dem 8:2 keine rechten Erkenntnisse für die kommende Saison. Wenn die überhaupt pünktlich angepfiffen wird.

Optimisten mögen anmerken, dass diese Umstände vielleicht helfen könnten, dieses fabelhafte Ergebnis ausnahmsweise mal als ein solches anzunehmen, ohne gleich Rückschlüsse und Analysen anzuhängen, wie es im Fußball, ja, im Sport so üblich ist. Doch: Ein 8:2 in einem Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona hätte mehr Aufregung verdient.