Im Gespräch mit der Nummer 1: Torwart Manuel Neuer und Bayern-Trainer Hansi Flick arbeiten noch am Mindestabstand von zwei Metern.
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MünchenBeim FC Bayern wurden die Planungen gerade durch eine bemerkenswerte Schelte von Alfons Hörmann angereichert. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes fiel schon mehrfach mit sehr eigenen Wahrnehmungen auf und wurde dafür kritisiert, bei gescheiterten deutschen Olympiabewerbungen oder Dopingthemen. Nun schaltete er sich in die Debatte um Manuel Neuers Vertragspoker ein.

„Wenn einzelne Spieler sich im Moment um 20 Millionen Euro Jahresgage und um die Anzahl der Jahre Gedanken machen und sich dann falsch behandelt fühlen, wenn solche Verträge derzeit nicht sofort geschlossen werden, dann sehe ich das als ein beängstigendes Signal“, sagte Hörmann bei Sky. Für die vom Nationaltorwart bereits relativierten Forderungen fehlt Hörmann „schlichtweg das Verständnis“. Sein Appell: „Kommt gedanklich und moralisch in der Krise an.“

Flick hat die Wahl im Tor

Beim FC Bayern versuchen sie gerade eher, sich gedanklich aufs Ende des Shutdowns im Fußball einzustellen und auf all jene Themen, die damit verbunden sind. Dazu zählen auch die Debatten um Neuers Vertragsverlängerung, den zur kommenden Saison verpflichteten Alexander Nübel und den bisherigen Ersatztorwart Sven Ulreich. „Wenn man den deutschen und internationalen Markt sieht, war es von unserem Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine sehr gute und strategisch kluge Entscheidung, Alexander Nübel zu holen, zudem noch ablösefrei“, sagte Trainer Hansi Flick dem Magazin kicker, „wenn du den besten deutschen Nachwuchstorhüter verpflichten kannst, dann musst du es tun. Das hat Hasan wirklich super gemacht.“

Unbenommen von seinem Lob verweist Flick derweil auf seine Entscheidungshoheit in sportlichen Fragen. Nübel werde „das gleiche Vertrauen und die gleiche Wertschätzung wie alle anderen Torhüter und Spieler in unserer Mannschaft bekommen“, sagte Flick, „allerdings ist auch klar, dass beim FC Bayern der Leistungsgedanke zählt – sogar noch extremer als woanders. Und zurzeit macht Sven Ulreich seine Sache wirklich hervorragend.“

Automatisch wird Nübel demnach nicht zum ersten Vertreter von Neuer. Dieser sei „eindeutig unsere Nummer 1, daran wird sich auch in der kommenden Saison nichts ändern. Alexander Nübel weiß das auch.“ Von Zusagen über eine Anzahl von Einsätzen, die Salihamidzic dem Schalker in Aussicht gestellt haben und dies auch gegenüber Neuer formuliert haben soll, hält Flick nichts: „Wer letztendlich spielt, ist immer Sache des Trainers.“

Interesse an Dest

Zunächst aber geht es für Flick gerade ums Training. Aufgestockt wurden die Kleingruppen auf sieben Profis. Nach anderthalb Monaten hält Flick aber ein längeres Teamtraining für erforderlich, um für mögliche Geisterspiele gewappnet zu sein. Mindestens zwei Wochen veranschlagt er dafür. Stürmer Robert Lewandowski stünde nach Bruch der Schienbeinkante wieder voll zur Verfügung, zudem soll Ivan Perisic nach seinem Knöchelbruch bald integriert werden. Vorerst nicht eingeplant werden können neben Niklas Süle (Aufbau nach Kreuzbandriss) Barcelonas Leihspieler Philippe Coutinho (Beschwerden am Sprunggelenk) und Corentin Tolisso nach seiner jüngsten Knöchel-OP.

Letzterer gilt trotz seines Vertrages bis 2022 als Verkaufskandidat, auch wegen der angedachten Transfers von Kai Havertz (Leverkusen), Leroy Sané (Manchester City) oder Timo Werner (Leipzig) sowie Sergiño Dest (Amsterdam). Der Rechtsverteidiger könnte ebenso wie ein Innenverteidiger zum Thema werden, wenn sich der Fortgang der Coronakrise besser abschätzen lässt. Derzeit sind Zukäufe zwar „erst einmal auf Hold gestellt“, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte. Doch es ist wohl wie mit Zweikämpfen und Mannschaftstraining: Auch an die Transferaktivitäten tasten sie sich beim FC Bayern wieder heran.