BerlinDer SV Tasmania Berlin bleibt Negativ-Rekordhalter in der Historie der Fußball-Bundesliga, der FC Schalke 04 ist der Negativ-Rekordhalter der Herzen. Dass es zu mehr nicht reichte, ist die Schuld von Matthew Hoppe mit drei Treffern und Amine Harit mit einem Tor. Sie haben die Schalker an diesem Sonnabend zum ersten Erfolg nach 30 sieglosen Begegnungen in Folge geführt. 31 sieglose Begegnungen können die Tasmanen aus der Spielzeit 1965/66 vorweisen, dieses Allzeittief schafften sie in nur einer Saison. Die Gelsenkirchener hätten für ihre Best-Schlecht-Marke die Vorsaison zur Hilfe nehmen müssen. Es wäre also ohnehin nicht das Gleiche gewesen.

Das Torverhältnis der Berliner von 15:108 ist sogar für den FC Schalke 04 nicht mehr zu schaffen. Der entfaltet dafür seine Stärken auf einem ganz anderen Gebiet: Zwischenzeitlich war er der erste Bundesligist, der genauso viele Trainer auf der Gehaltliste hatte wie Punkte in der Tabelle. Christian Gross ist nach Huub Stevens, Manuel Baum und David Wagner der vierte Fußballgelehrte in dieser Saison bei den Königsblauen, er soll deren Abstieg abwenden.

Vier gewinnt. Ein Spiel gegen ein ebenfalls kriselndes Hoffenheimer Team. Wie Gross den Klassenerhalt sicherstellen soll mit einem mäßig ausbalancierten Kader, schienen bislang nicht mal die Schalker selbst zu wissen. Sportchef Jochen Schneider hat angesichts drückender Schulden wenig finanziellen Spielraum für Verstärkungen. Immerhin hat er Sead Kolasinac vom FC Arsenal auf Leihbasis zurückholen können. Der 27 Jahre alte Linksverteidiger ist das, was gemeinhin als durchsetzungsfähiger Führungsspieler bezeichnet wird. Er ist vor allem ein Schalker Eigengewächs.

Darin liegt eine Tragik des Vereins. Der FC Schalke 04 hat eine hervorragende Jugendarbeit: Manuel Neuer, Leon Goretzka, Leroy Sané, Thilo Kehrer – die Liste ließe sich weiter fortsetzen und würde eine Nationalelf ergeben. 2018 noch spielten die Schalker in der Champions League. Sie wurden mit 63 Punkten Zweite in der Deutschen Meisterschaft. Hinter dem FC Bayern und vor Hoffenheim übrigens.

Die Schalker im Januar 2021 befinden sich auf dem Weg in die Zweitklassigkeit, wenn auch jetzt ein wenig gebremst. Absteigen würden sie als Tasmanen der Herzen. Die echten Tasmanen spielen immer noch in Berlin: Oberliga, 21 Punkte, Tabellenplatz eins, für ihre Verhältnisse sehr erfolgreich.