DFB-Präsiden Fritz Keller möchte beim Kampf um Zuschauer durch Demut überzeugen.
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BerlinDer Eintrag im Online-Terminkalender der Bundeskanzlerin ist vage. „Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Coronakrise“, will Angela Merkel am Donnerstag bei der Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten erörtern. Wenn es nach den Fußball-Bossen geht, ist die Frage einer Zuschauer-Rückkehr in die Stadien drei Wochen vor dem Bundesliga-Start immens wichtig. Deshalb haben Verbände wie Klubs zuletzt mächtig Druck gemacht. Mit ausgefeilten Plänen und beharrlicher Lobbyarbeit will der Fußball bei der Politik punkten.

Die (über-)eifrigen Versuche, Fakten zu schaffen, gingen bisher allerdings schief. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) musste seinen Zuschauer-Plan für das Nations-League-Spiel der Nationalmannschaft am 3. September in Stuttgart gegen Spanien verwerfen. Bundesligist Union Berlin ist zurückgerudert und wird am 5. September doch kein Testspiel vor 3000 Fans bestreiten. Auch aus der Partie des Ligarivalen Schalke 04 gegen den Zweitligisten Würzburger Kickers vor geplanten 730 Besuchern in Tirol wurde aufgrund eines Coronaf-Falls bei den Königsblauen nichts.

All diese Rückschläge ändern allerdings nichts an den ehrgeizigen Vorhaben der Fußball-Protagonisten, an deren Spitze sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Triple-Gewinner Bayern München gestellt hat. „Der Fußball braucht für seine Kultur Zuschauer“, sagte Rummenigge bei Bild live: „Deshalb müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass so zeitnah wie möglich Zuschauer wieder im Stadion zugelassen werden.“

Derzeit gilt die Entscheidung der Länder-Gesundheitsminister, die bis Ende Oktober keine Zuschauer zulassen möchten. Daran wird sich nach Einschätzung des Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann wohl auch nichts ändern. Obwohl der Fußball „auf Dauer die Leidenschaft“ braucht, werde es mit einer Rückkehr der Fans noch dauern. „Aber vielleicht noch vor Weihnachten in kleinen Schritten“, äußerte der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission bei Sky: „Vielleicht gibt es ja im November oder Dezember eine Möglichkeit, kleinere Kontingente von Zuschauern wieder zuzulassen.“

Für ein kleines Kontingent von 500 Zuschauern wollte der DFB in Stuttgart die Stadiontore öffnen. „Das wären systemrelevante Menschen gewesen“, äußerte DFB-Präsident Keller. „Aber die Uefa hat entschieden, gar keine Zuschauer zuzulassen. Sie will eine einheitliche Lösung. Dafür habe ich ein gewisses Verständnis.“

Ohnehin will der DFB laut Keller („Wir müssen an Systemen arbeiten, wie wir wieder Zuschauer in die Stadien kriegen“) durch Demut überzeugen. Sogar der bei den Profiklubs befürchtete Flickenteppich aufgrund regional unterschiedlicher Vorschriften stößt beim Verband auf Akzeptanz. „Wir haben eine unterschiedliche Pandemielage in den verschiedenen Bundesländern. Das macht die ganze Geschichte nicht einfacher“, äußerte Keller. „Man muss unterschiedlich reagieren, dafür haben wir großes Verständnis. Wir haben nie gefordert, sondern Lösungen vorgestellt. Das wollen wir so weitermachen.“

Eine ziemlich große Lösung, die aus deutscher Sicht die Bayern betrifft, hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) präsentiert. Der Supercup zwischen dem Gewinner der Champions League und dem spanischen Europa-League-Titelträger FC Sevilla soll am 24. September in der Budapester Puskas-Arena als „Pilotprojekt“ vor Zuschauern ausgetragen werden. Der Plan sieht vor, dass bis zu 30 Prozent der Stadionkapazität genutzt werden soll. Demnach dürften rund 20.000 Besucher in das Stadion. Allerdings ist Budapest nicht Berlin – und dahin richten sich am Donnerstag wieder einmal die Blicke.