Ramon Gehrmann ist Trainer der Stuttgarter Kickers und sorgte für Fairness.
Foto: Imago/Hansjürgen Britsch

StuttgartDie Stuttgarter Kickers gewannen am 12. Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg das Spitzenspiel vor 500 Zuschauen im GAZi-Stadion auf der Waldau gegen den FC Nöttingen mit 4:1 (2:1). Das Sturmduo Mijo Tunjc und Cristian Giles traf jeweils in beiden Halbzeiten für die Degerlocher. Nicht unbedingt eine Nachricht, die bei Fußballfans außerhalb von Stuttgart eine emotionale Reaktion auslösen würde. Wäre da nicht eine Szene kurz vor der Halbzeitpause gewesen, die zu einem großen Moment der Fairness wurde.  Und dem Trainer Ramon Gehrmann bundesweite Aufmerksamkeit beschert. 

Auf der Homepage des ehemaligen Fußball-Bundesligisten heißt es, „ein Parade-Beispiel für ‚Fair geht vor‘ hat Kickers-Cheftrainer Ramon Gehrmann abgeliefert“. Der Hintergrund wird auf der Homepage auch erzählt: „Das 2:0 kurz vor dem Seitenwechsel für die Kickers entstand aufgrund einer fragwürdigen Szene. Die Nöttinger hatten wohl den Ball ins Aus gespielt, weil ein Spieler verletzt war, was allerdings nicht eindeutig zu erkennen war. Cristian Giles erzielte das 2:0 – und dann griff Ramon Gehrmann ein. Er ordnete ein Eigentor an, um den alten Ein-Tore-Vorsprung wieder herzustellen.“

„Viele meiner Spieler hatten den Eindruck, der Ball sei versprungen und gar nicht absichtlich ins Aus gespielt worden“, sagte Gehrmann. „Ich habe mich dann kurz mit dem gegnerischen Trainer und dem Schiedsrichter besprochen. Der meinte, der Ball sei wohl schon absichtlich rausgespielt worden.“ Deshalb bat der Kickers-Coach sein Team, den Ball ins eigene Tor zu schießen - Lukas Kling führte den Auftrag noch vor der Pause aus.

„In der Halbzeit hatte nicht jeder Verständnis für die Aktion“, sagte Gehrmann, dessen Team später noch zweimal ins gegnerische Tor traf. „Hätten wir nicht gewonnen“, gestand der 46-Jährige schmunzelnd, „wäre ich wohl nicht so locker drauf.“

Später nannte er noch einen weiteren Grund, warum er die Anweisung an seine Mannschaft gegeben hat. „Ich bin ja katholisch und da oben gibt es ein Konto, und da kann man abheben und einzahlen“, erklärte Gehrmann nach der Partie: „Am Mittwoch gegen Ravensburg haben wir in der letzten Minuten einen Pfostenkopfball gegen uns gehabt. Da haben wir was abgehoben vom Konto. Heute war es wahrscheinlich so, dass wir damit wieder eingezahlt haben und vielleicht wieder Guthaben vorliegt.“