Wer es nicht ganz so gut meint mit Damir Kreilach, könnte behaupten, dass der 28-Jährige das Erlebte verdrängt hat. Wer ihn besser kennt, der weiß: Unions Mittelfeldspieler hat das Geschehen verarbeitet. Und abgehakt. Aber natürlich gibt es neugierige Journalisten, die in der Vergangenheit wühlen. Wann er zuletzt an die Partie in Düsseldorf gedacht habe? „Jetzt“, lautet die knappe Antwort. „Bisher habe ich überhaupt nicht dran gedacht.“

Stattdessen erinnert er sich an das 3:0 aus der Saison davor. Negative Gedanken haben bei Damir Kreilach keine Chance. Entsprechend optimistisch sieht Unions Allzweckmittelfeldspieler dem erneuten Schlagabtausch mit dem momentanen Tabellenführer am Sonntag (13.30 Uhr) entgegen.

Flexi-Spieler im Mittelfeld

Seit mehr als vier Jahren ist der Kroate nun ein Eiserner, als Union ihn 2013 holte, um die wackelige Defensive zu stabilisieren, war das ein Wagnis. Kreilach war ein 24-Jähriger, der erstmals ins Ausland wechselte. Zuvor hatte er nur für seinen Heimatverein HNK Rijeka gespielt. Doch einmal das Union-Trikot übergestreift, gab er eigentlich nie Anlass für Zweifel. Und jetzt, in seiner fünften Saison, ist er wichtiger denn je. Nicht etwa Kapitän Felix Kroos ist der Flexi-Spieler im Mittelfeld, mit dessen Hilfe Trainer Jens Keller das Team je nach Gegner oder Spielsituation justiert. Mehr Offensive? Kreilach hinter die Spitze, so wie gegen Nürnberg. Mehr Kopfballhoheit vor der Abwehr? Kreilach nach hinten, so wie gegen Bielefeld. Kreilach ist der wandernde Fixpunkt.

Nie verletzt, sechsmal gesperrt

Längst ist aus dem Kämpfer, der die Löcher stopfen sollte, ein Gefahrenproduzent höchster Güte geworden, einer, der Räume öffnet und immer für ein Tor gut ist. Nicht zufällig ist er inzwischen mit 32 Toren auf zehn Treffer an Unions erfolgreichsten Zweitligaschützen Torsten Mattuschka herangerückt. „Ich bin als Sechser gekommen und habe mich dann immer mehr nach vorne geschoben. Ich fühle mich einfach sehr wohl dabei, viele Aktionen im Strafraum zu haben und am Ende die Tore zu schießen und so der Mannschaft zu helfen.“

Den bislang letzten Leistungsschub verpasste ihm Jens Keller. „Seit letztem Jahr spielen wir komplett anders Fußball“, sagt der ehemalige Kapitän und jetzige Anführer. Das Keller-Pressing kommt ihm gelegen. „Jeder Spieler hat in den eineinhalb Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Auch ich. Ich mache viel mehr Sprints, schieße häufiger und führe mehr Zweikämpfe als vor zwei Jahren.“

Dem Trainer sei Dank. Das ist eine Seite der Medaille, die andere: Jeder Coach ist froh, einen Mann, der im Mittelfeld alles kann, in seinen Reihen zu wissen. Ein Grund, wieso er seit seiner Ankunft in jeder Ligapartie auf dem Platz stand. Nur sechsmal fehlte er gesperrt, verletzt war er nie. Kaum einer in der Mannschaft ist fitter und im Training motivierter. Wären alle Spieler wie Kreilach, ein 15er-Kader würde für eine Saison problemlos ausreichen.

Leistner zurück, Skrzybski fehlt

Da aber manch einer doch verletzungsanfälliger ist, hat Union vorgesorgt. Weshalb Kreilach sicher ist, dass sich niemand sorgen muss aufgrund des sicheren Ausfalls von Innenverteidiger Marc Torrejón (muskuläre Probleme in der Wade) und des wahrscheinlichen Fehlens von Außenangreifer Steven Skrzybski (Reizung der Achillessehne).

Der zuletzt durch Achillessehnenschmerzen zur Pause gezwungene Toni Leistner kann gegen Düsseldorf wohl in die Abwehr zurückkehren, und der zuletzt ebenfalls verletzte Akaki Gogia ist rechtzeitig wieder in bester körperlicher Verfassung, um für Skrzybski einzuspringen. „Wir haben so einen starken Kader, dass jeder den anderen ersetzen kann. Jeder Konkurrent pusht den anderen Spieler. Deshalb sind wir als Mannschaft sehr gut“, sagt Kreilach.

Beim letzten Ausflug nach Düsseldorf war ihm ein Eigentor unterlaufen, das Union zwei Punkte kostete. Es war das zweite innerhalb einer Woche. Deshalb die Nachfrage der Journalisten, ob ihn nun Alpträume plagen. Aber war es wirklich der Anfang vom Ende? Die vertane Aufstiegschance? Nein, es war ein kleines Missgeschick auf Damir Kreilachs stetem Weg nach ganz oben. Eines aus dem er gelernt hat, sich niemals aus der Ruhe bringen zu lassen.