Jaz Elle hat sich etwas zu viel zugemutet. Gleich nach der Schule ist sie ins Tanzstudio und hat dort bis spät abends trainiert. Vier Jahre lang ging das so. „Das war hart“, hat Steffi Graf neulich der Zeitschrift Gala erzählt. Und das war offenbar auch schon die aufregendste Geschichte, mit der die ehemals weltbeste Tennis-Spielerin aufwarten konnte. Ihr Privatleben schirmt Steffi Graf, 49, gegenüber der Öffentlichkeit größtenteils ab. Ihr Leben in Las Vegas mit Tochter Jaz Elle, 14, Sohn Jaden Gil, 16, und Ehemann Andre Agassi, 48, der ebenfalls früher einmal ein erfolgreicher Tennisprofi war. Keine Skandale, keine Eskapaden, schon gar keine Fälle von Suff und Zoff.

Durchhaltevermögen und Disziplin

Steffi Graf wirkt wie eine große Ausnahme angesichts skandalträchtiger Auftritte nach Art des früheren Radprofis Jan Ullrich. Auch das Fußballgeschäft gibt Anlass zur Besorgnis: Die internationale Spielergewerkschaft Fifpro hat unlängst ermittelt, dass rund 19 Prozent der aktiven Profis ein Alkoholproblem haben, was der gesamtgesellschaftlichen Quote allerdings sehr nahe kommt. Bei den ehemals aktiven Spielern sind es sogar rund 30 Prozent.

Die Unterhaltungsbranche Fußball erscheint besonders anfällig angesichts des enormen Drucks, der auf ihren Hauptdarstellern lastet. Andere Sportarten mögen bessere Zahlen vorweisen können. Die große Mehrheit der Athleten zumindest ist frei von Sucht. Dass Steffi Graf dennoch aus der langen Liste der Normalfälle heraus sticht, liegt an der verströmten Harmonie, die an familiäre Anomalie grenzt.

Die einschlägige Fachpresse von Gala bis Bunte muss schon den irgendwann einmal anstehenden Auszug von Sohn Jaden Gil zu „dramatischen Veränderungen“ umdeuten, um eine Schlagzeile hinzubekommen. Dass der Filius erwägt, den Beruf eines Baseballspielers zu ergreifen, ist ungefähr genauso skandalträchtig. Öffentliche Auftritte erfüllen oft eine geschäftliche Funktion für die Familie Graf-Agassi, deren Vermögen mit rund 400 Millionen Euro veranschlagt wird. Am Rande der French Open in Paris spielten sich beide unlängst ein paar Bälle zu, um das von einer Uhrenmarke gesponserte Jugendturnier zu bewerben.

Erwachsen in der Erwachsenenwelt

Bei der Gelegenheit gewährte Steffi Graf einen der seltenen Einblicke in die Privatsphäre und erläuterte, was sie aus der Zeit als prominente Berufssportlerin mit ihren 22 Grand-Slam-Titeln fürs Leben danach mitnahm: „Durchhaltevermögen. Disziplin war sowieso essenziell. Menschenkenntnis und Geduld habe ich ebenfalls gelernt und alleine Entscheidungen zu treffen.“

Steffi Graf ist in einer Erwachsenenwelt rasch erwachsen geworden. Sie erlernte Vernunft. Der hohe Druck hat sie resistent werden lassen. Sie hat geschafft, woran andere Sportler scheitern, im schlimmsten Fall zugrunde gehen. Vielleicht war ihr der Charakter dabei eine Hilfe. Und vielleicht hat sie ihn vererbt. Jaz Elle jedenfalls nimmt sich eine Auszeit. Sie tanzt nur noch ab und zu.