Halle (Saale)/BerlinBeim Halleschen FC kippt derzeit die Stimmung. Nach einem so überraschenden wie umjubelten 2:0 zum Saisonauftakt im Derby gegen den 1. FC Magdeburg hagelte es in den drei folgenden Partien in der Dritten Liga drei Niederlagen bei 0:8 Toren, ehe es zuletzt mit zwei Siegen gegen den SV Meppen (4:1) und den VfB Lübeck (3:2) wieder bergauf ging. Am Sonnabend laufen die Rot-Weißen im heimischen Erdgas-Sportpark gegen die SpVgg Unterhaching auf, allerdings vor leeren Rängen, wie die Stadt Halle am Donnerstag verordnete. „Die Motivation ist dennoch hoch“, erklärte HFC-Trainer Florian Schnorrenberg vor der Partie.

Dem 43-Jährigen ist sehr daran gelegen, dass die laufende Saison nicht wieder zu einer solchen Achterbahnfahrt verkommt, wie die vergangene. Nach der Hinrunde waren die Chemiker unter Schnorrenbergs Vorvorgänger Torsten Ziegner auf dem besten Weg in die Zweite Bundesliga, am 13. Spieltag gar noch Tabellenführer, ehe in der zweiten Saisonhälfte ein beispielloser Absturz, verbunden mit der Trennung von Ziegner und später auch von dessen Nachfolger Ismail Atalan, beinahe in die Regionalliga führte. Erst unter Schnorrenberg straffte sich die Truppe und rettete sich am Ende doch relativ souverän in den Klassenerhalt.

Doch es zeigte sich das alte Problem in der Saalestadt: Der HFC spielt seit vielen Jahren immer wieder richtig guten Fußball, wenn keiner etwas von der Mannschaft erwartet, verfällt jedoch in eine regelrechte Schockstarre, wenn sich anbahnt, dass daraus mehr werden könnte. Besser lief es für die Hallenser, wenn die Ansprüche gering waren und die Mannschaft die Gegner überraschen konnte. Und da sind die Voraussetzungen derzeit ziemlich optimal.

Denn der Aderlass, den der Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt in der Sommerpause hinnehmen musste, war durchaus immens. Mit Pascal Sohm, Sebastian Mai (beide Dynamo Dresden) und Bentley Baxter Bahn (Hansa Rostock) verließen drei der vier Schlüsselspieler das Team, dazu kamen, neben anderen Abgängen, auch noch Kapitän Jan Washausen und Ex-Unioner Björn Jopek. Lediglich Stürmer Terrence Boyd blieb „Chemie“ treu. „Es wäre mein allergrößter Wunsch, dass Terrence bleibt. In einer guten Verfassung ist er Unterschiedsspieler“, hatte Trainer Schnorrenberg zuvor beim MDR gehofft und durfte kurz darauf aufatmen.

Wirtschaftliche Einbußen und ein Corona-infizierter Präsident

Doch dass überhaupt so viele Spieler Halle verließen, hatte auch eine wirtschaftliche Komponente. Aufgrund der Corona-Pause konnte der HFC seinen Etat nicht wie geplant von 7,2 auf 7,7 Millionen Euro erhöhen. „Wir arbeiten intensiv daran, einen soliden Etat aufzustellen, Steigerungen werden da vorerst aber nicht drin sein“, erklärte Präsident Jens Rauschenbach damals der „Mitteldeutschen Zeitung“. Rauschenbach selbst traf es gar persönlich: Er infizierte sich bereits in der ersten Welle mit dem Corona-Virus, litt unter Husten, Fieber, Kopfschmerzen und zeitweiligem Geschmacksverlust.

Der HFC nahm so ziemlich jede Krise in der vergangenen Saison mit, die möglich war. Kein Wunder also, dass die Salzstädter bewusst keine Zielstellung für das Spieljahr 2020/21 ausgaben. Als Ersatz für die abgewanderten Schlüsselspieler holten die Hallenser vornehmlich nicht überaus namhafte Profis, aber hungrige Profis wie den Ex-Regensburger Julian-Maurice Derstroff, den einstigen Freiburger Fabian Menig oder Laurenz Dehl vom 1. FC Union. Von ihm schwärmte Trainer Schnorrenberg schon vor der Saison: „Laurenz ist ein Riesentalent. Er hat sich in jeder Trainingseinheit extrem auffällig präsentiert.“

In sechs Partien traf Dehl, der den abgewanderten Bahn ersetzt, bereits zweimal, legte dazu einen Treffer auf und scheint vor allem mit Spaßvogel Boyd bestens zu harmonieren. „Die Stimmung im Team ist gut“, bestätigte Trainer Schnorrenberg vor dem Spiel gegen Unterhaching. Dass die Chemie stimmen muss, wissen sie beim HFC nur zu gut. Man darf gespannt sein, was daraus im Laufe der Saison noch entsteht. Denn gefährlich ist der Hallesche FC immer dann, wenn keiner etwas von ihm erwartet.