Der Joker sticht: Niclas Füllkrug rettet DFB-Elf gegen Spanien einen Punkt

Deutschland hat eine Reaktion auf die Niederlage gegen Japan gezeigt und am 2. WM-Spieltag dank Niclas Füllkrug ein Unentschieden gegen Spanien geholt. Ein Bericht aus Katar.

Niclas Füllkrug (v.) glich für die DFB-Auswahl spät zum 1:1 aus.
Niclas Füllkrug (v.) glich für die DFB-Auswahl spät zum 1:1 aus.dpa/Christian Charisius

Am Ende hätte es gut und gerne auch ein Sieg für Deutschland werden können. Aber auch das 1:1 (0:1) gegen Spanien lässt das DFB-Team bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft weiter hoffen. Am Ende beklatschten die Spieler die diesmal deutlich engagierteren Fans, und die beklatschten die Spieler.

Der eingewechselte Bremer Niclas Füllkrug hatte zuvor die erhofften Jokerqualitäten präsentiert und seiner Mannschaft in einer dramatischen Schlussphase noch den Ausgleich geschenkt. Das genauso wichtige Tor für Deutschland war aber schon mittags gefallen, als Keysher Fuller den einigermaßen sensationellen Siegtreffer für Costa Rica gegen Japan erzielte

Dank dieser Schützenhilfe stand bereits vor dem Anpfiff um 22 Uhr Ortszeit gegen Spanien fest, dass das DFB-Team nicht historisch früh schon nach dem zweiten Vorrundenspiel bei einer WM ausscheiden könnte. Der letzte Spieltag der Gruppe E wird die Entscheidung bringen.

Und es dürfte spannend werden. Denn durch das Unentschieden sieht die Ausgangslage für die deutsche Mannschaft vor dem Abschlussspiel gegen Costa Rica am Donnerstag (20 Uhr/ARD) nun so aus: Spielen Spanien und Japan im Parallelspiel unentschieden, müsste die DFB-Auswahl mit zwei Toren Vorsprung gewinnen, um sicher als Gruppenzweiter hinter Spanien weiterzukommen.

DFB-Keeper Manuel Neuer (2.v.l.) lenkt diesen Schuss von Dani Olmo (nicht im Foto) an die Latte.
DFB-Keeper Manuel Neuer (2.v.l.) lenkt diesen Schuss von Dani Olmo (nicht im Foto) an die Latte.IMAGO/PRESSIN

DFB-Elf kommt gegen Spanien nach kurzer Findungsphase gut ins Spiel

Bei einer Niederlage Japans würde jeder noch so knappe Sieg genügen. Gewännen die Asiaten, bräuchte Deutschland einen Kantersieg gegen Costa Rica, um noch an Spanien vorbeizuziehen – die hatten die Mittelamerikaner im Auftaktspiel 7:0 geschlagen.

Hansi Flick hatte zwei nicht ganz unerwartete personelle Änderungen vorgenommen, an denen ein kleiner Rattenschwanz hing: Der zuvor sichtbar unzufriedene Leon Goretzka rückte neben Josua Kimmich ins Mittelfeld, Ilkay Gündogan eine Position vor auf die Zehn, Thomas Müller gab dafür statt Kai Havertz den Mittelstürmer.

Hinten musste Nico Schlotterbeck weichen. Thilo Kehrer durfte rechts verteidigen, Niklas Süle diesmal innen. In dem zu rund drei Vierteln gefüllten Al Bayt Stadion - mit den spanischen Fans in der Überzahl - sah es auch auf dem Feld zunächst so aus, als seien die Passmaschinen aus Spanien in der Mehrzahl.

Die ersten zehn Minuten lang spielten sie Katz und Maus mit den Deutschen. Die hatten sich dann aber bald gut sortiert und arbeiteten intensiv gegen den Ball. Das war genau das, was der Bundestrainer sehen wollte. Aber es brauchte schon eine Weltklasseparade von Manuel Neuer, um einen gewaltigen Schuss von Dani Olmo gegen die Latte zu lenken (7.). 

Antonio Rüdiger (4.v.l.) trifft zum 1:0 für die DFB-Elf, stand aber im Abseits, weshalb das Tor nicht zählte.
Antonio Rüdiger (4.v.l.) trifft zum 1:0 für die DFB-Elf, stand aber im Abseits, weshalb das Tor nicht zählte.dpa/Tom Weller

Antonio Rüdiger erzielt Abseitstor für Deutschland gegen Spanien

Das DFB-Team kam zunächst mehr über Konter nach vorn, Gündogan machte einen guten Job, einmal spielte er Goretzka geschickt frei, aber Gnabry war bei Goretzkas Weiterleitung ins Abseits gelaufen. Chance vertan.

Bald darauf war es der auch in der Rückwärtsbewegung mit Monstergrätschen auffällige Jamal Musiala, der den bis dahin unsichtbaren Mittelstürmer Müller bediente, der schlau auf Gündogan durchsteckte. Doch Gündogan verhedderte sich im spanischen Abwehrgestrüpp.

Auf der anderen Seite brachte Neuers verunglückter Pass Unruhe, der aufmerksame David Raum rettete in höchster Not. Raum und die beiden Innenverteidiger Toni Rüdiger und Süle waren lange Zeit stets bei der Sache, einmal schoss Rüdiger bei einem Ausflug nach vorne in den dritten Stock. Wenig später machte der aufgerückte Abwehrchef es besser. Dachten jedenfalls die deutschen Fans und Spieler.

Aber sie jubelten zu früh. Rüdiger befand bei seinem wuchtigen Kopfballtor nach dem fein getunten Freistoß von Joshua Kimmich wenige Zentimeter im Abseits. Der Videoassistent entschied schnell. So ging es torlos in die Pause.

Alvaro Morata (l.) überwindet Manuel Neuer (r.) und trifft zum 1:0 für Spanien.
Alvaro Morata (l.) überwindet Manuel Neuer (r.) und trifft zum 1:0 für Spanien.ADP/INA FASSBENDER

DFB-Joker Niclas Füllkrug kontert Spaniens Angreifer Alvaro Morata

Die zweite Halbzeit begann das DFB-Team mit einer offensiven Anstoßvariante. Die Botschaft war klar: Spanien sollte mehr in die Defensive gedrängt werden als zuvor. Die Idee: Auch mal einen langen Pass zu spielen, um die hoch stehende spanische Abwehr zu übertölpeln.

Außerdem attackierten die Deutschen früher. Das DFB-Spiel sah jetzt selbstbewusster aus. Aus einer dieser Attacken resultierte in der 56. Minute eine Großchance durch Kimmich, die der spanische Keeper Unai Simon wettmachte.

Neuer hatte auf der anderen Seite nur Routinearbeit zu verrichten. Die Spanier zeigten Verschleißerscheinungen. Und trafen dann dennoch ziemlich aus dem Nichts zum 1:0. Da hatten es ihnen die Deutschen zu leicht gemacht. Jordi Alba bekam von Thilo Kehrer zu viel Raum, die Flanke vollendete der just eingewechselte Routinier Alvaro Morata nach einer guten Stunde. Süle kam zu spät.

Flick brachte im Dreierpack Mittelstürmer Niclas Füllkrug, Lukas Klostermann und Leroy Sané, die später allesamt am Ausgleich beteiligt waren. Der Druck sollte erhöht werden. Das passierte auch. Nach prächtiger Vorarbeit von Musiala scheiterte Füllkrug knapp. Danach Musiala, perfekt von Sané in Szene gesetzt, noch knapper.

Niclas Füllkrug (l.) schießt hier zum 1:1 für Deutschland gegen Spanien ein.
Niclas Füllkrug (l.) schießt hier zum 1:1 für Deutschland gegen Spanien ein.dpa/Federico Gambarini

Der Punkt lag in der Luft. Und dann war Füllkrug da, wo er hingehörte und drosch den Ball, den er zuvor Mitspieler Musiala geklaut hatte, aus zehn Metern zum 1:1 zwischen das Gebälk (83.). Der hochverdiente Schlusspunkt unter eine niveauvolle Partie, den Sané in der letzten Minute der Nachspielzeit noch hätte veredeln können.