Unions Trainer Urs Fischer hofft darauf, dass seine Mannschaft für den Pokalfight in Karlsruhe gut vorbereitet ist. 
Foto: Matthias Koch

BerlinEin Hauch von Normalität umwaberte die Alte Försterei vor diesem Wochenende, an dem mit dem Erstrundenpokalmatch in Karlsruhe (Sonnabend, 18.30 Uhr) für den 1. FC Union die Spielzeit 20/21 beginnt. Erstmals seit der Corona-Pause scharten sich die Reporter vor einem Spiel im Tribünengebäude des Köpenicker Stadions leibhaftig um Trainer Urs Fischer, der seine Gedanken zum bevorstehenden Match nicht virtuell über Datenleitungen in die Welt schleuderte, sondern in persona bei einer Pressekonferenz Rede und Antwort stand.

Dass es weiterhin seltsame Zeiten fern der Normalität sind, war dennoch offensichtlich. Das Gespräch fand nicht im kleinen Medienraum statt. Und wo sich sonst bis zu einem Dutzend Journalisten versammeln vor Begegnungen der Eisernen, saß nicht einmal die Hälfte an Wissbegierigen, die zudem von außen über die Tribünenaufgänge ins Gebäude geschleust worden waren. Auch die Abwesenheit der beliebten Mettbrötchen hatte weniger mit der Abwanderung des früheren Publikumslieblings Sebastian Polter zu tun, der ja ein bekennender Freund der Hackepeter-Schrippen ist, sondern ergab sich schlichtweg aus den Hygienebestimmungen, die nach wie vor in der Corona-Pandemie alles im Griff haben.

Wenigstens Fischer war leibhaftig er selbst vor dem Pokalauftritt, blieb höflich und bestimmt und bei allem, was von größerem Interesse war, ziemlich im Vagen. Auftaktspiele seien immer schwierig, man wisse nicht genau, wo man stehe. „Ich hoffe, wir sind gut vorbereitet. Dafür haben wir sieben Wochen trainiert, um eben bereit zu sein für die erste Aufgabe“, meinte der Schweizer, der dem Duell mit dem Karlsruher SC mit großem Respekt entgegenblickt. „Das wird schwierig, wenn man die Auslosung anschaut“, merkte der Schweizer Fußballlehrer ebenso nüchtern wie sachlich an. Denn im Lostopf waren ja auch 28 andere Teams, die nicht in der Zweiten Liga beheimatet sind.

Sie zeigen das Gesicht, das wir sonst zeigen.

Urs Fischer

Auch wenn die Köpenicker – ohne Max Kruse und den gesperrten Christopher Lenz – dem Spiel von Beginn an ihren Stempel aufdrücken wollen, weiß Fischer, was im Badischen auf seine Elf zukommt. „Karlsruhe ist eine sehr aggressive Mannschaft. Sie haben eine gute Größe, sind gefährlich bei Standards. Sie stehen sehr kompakt, versuchen, den Gegner anzulaufen und Balldruck zu bekommen. Sie sind so richtig eklig und zeigen auf dem Feld ein bisschen das Gesicht, was Union zuletzt gezeigt hat.“ So könnte Fischers Truppe ein bisschen von der Medizin verabreicht bekommen, die sie im Vorjahr in der Bundesliga den Kontrahenten selbst gern eingeholfen hat.

Dass Union dieses Jahr auch eine etwas andere Spielweise pflegen möchte, ist hinlänglich bekannt. Wobei Fischer von den Grundtugenden nicht in Gänze abweichen wird, sondern Stück für Stück andere Stilmittel mit einbauen möchte. Fischer nachdenklich: „Wenn man von Entwicklung spricht, wird das nie zu Ende sein. Das ist ein Prozess. Vor lauter Entwicklung aber, vergiss dein Tagesgeschäft nicht. Das bedeutet für mich Klassenerhalt, so viele Punkte wie möglich zu holen. Vor lauter Entwicklung darf man nicht vergessen, was man täglich machen sollte.“

13. Auswärtsspiel in Folge für Union

Das ist am Sonnabend der Einzug in Runde zwei. Um dann endlich mal wieder etwas zu erleben, was Union zuletzt im Dezember 2013 bejubeln durfte – ein Heimspiel. Karlsruhe ist jetzt das 13. Gastspiel im Cup in Folge. Runde zwei steigt unmittelbar vor Weihnachten. Vielleicht dann sogar wieder mit nennenswerten Zuschauerzahlen.

Die Eisernen und der Pokal sind in den letzten Jahren fast so etwas wie eine Liebesgeschichte geworden. Die Zeiten, in denen die Köpenicker in schönster Regelmäßigkeit in Runde eins die Segel strichen und schon bei der Auslosung quasi als Freilos gehandelt wurden, sind passé. Letztmals scheiterte Union 2015 gegen Viktoria Köln gegen einen unterklassigen Gegner. Seither brauchte es schon gestandene Spitzenklubs wie Dortmund oder Leverkusen, um die Eisernen aus dem Cup zu kegeln. In der Vorsaison war sogar erst im Viertelfinale Endstation.

Nun muss man nicht so vermessen sein, vom Cup-Sieg wirklich zu träumen – der ist in der Regel für die Bayern reserviert, und nur wenn die mal aus unerfindlichen Gründen nicht so richtig wollen, darf ein anderer mal für 12 Monate Hand an den Pott legen –, aber das Endspiel wäre wahrlich ein Ziel. Gerade weil es in der eigenen Stadt stattfindet – in der Spielstätte des Lokalrivalen, der Jahr für Jahr von einem Finale daheeme träumt. Zudem ist der Wettbewerb in Zeiten sinkender TV-Einnahmen – an die DFL-Vereine werden mit 1,4 Milliarden rund 240 Millionen Euro weniger ausgeschüttet als im ursprünglichen Vierjahresplan vorgesehen – höchst lukrativ. In der Vorsaison kassierte Unions Schatzmeister Oskar Kosche allein durch das Erreichen des Viertelfinales 2,632 Millionen Euro. Kein Pappenstiel, zumal ja coronabedingt kaum Zuschauereinnahmen zu erlösen sind. In Karlsruhe beispielsweise sind nur 450 Personen zugelassen.