Münchens Ziel: In Benficas Lissabons Estádio da Luz wollen die Bayern das Endspiel der Champions League gewinnen.
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MünchenHansi Flick hatte es schon getan, Karl-Heinz Rummenigge, Herbert Hainer und Uli Hoeneß ebenso, und auch Spieler wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Robert Lewandowski oder Kingsley Coman. Sie alle sprachen zuletzt bereits vom erhofften Titelgewinn in der Champions League sowie vom zweiten Triple der Vereinsgeschichte nach 2013. Es verwunderte also nicht, dass der Münchner Champions-League-Sieger von 2001, Giovane Élber, nun als Markenbotschafter des FC Bayern in einer Videoschalte die Frage aus Nyon nach dem Triple eindeutig beantwortete. "Klar hoffen wir darauf", sagte der Brasilianer auf Portugiesisch, passend zum bevorstehenden Turnier der Champions League in Lissabon.

Die Auslosung am Freitag in Nyon hat dem FC Bayern etwas Gewissheit verschafft, wie die angestrebten Triple-Schritte beim Turnier der europäischen Eliteliga in Portugals Hauptstadt vom 12. bis 23. August aussehen könnten. Gesorgt wurde dabei auch für die Erkenntnis, dass dieser Weg kein leichter sein wird. Bei der WM 2006 hatte sich die deutsche Nationalmannschaft mit diesem Song des inzwischen sehr fragwürdigen Musikers Xavier Naidoo vom Kabinen-DJ Gerald Asamoah einstimmen lassen. Beim FC Bayern ziehen sie längst andere Klänge vor. Euphorische Textzeilen sind nach der Auslosung aber auch eher nicht angesagt vor dem Turnier, das wie eine Klub-EM daherkommt.

Im Viertelfinale würde Flicks Mannschaft am 14. August auf Neapel oder den FC Barcelona treffen, wobei Barça nach dem 1:1 beim SSC als Favorit ins Achtelfinal-Rückspiel geht. Sollten die Bayern weiterkommen, stünde danach im Halbfinale am 19. August der Vergleich mit Real Madrid, Manchester City, Juventus Turin oder Olympique Lyon an. Erst im Finale am 23. August könnten die Münchner auf RB Leipzig treffen, das es im Viertelfinale am 13. August mit Atlético Madrid zu tun bekommt und bei einem Erfolg im Halbfinale am 18. August auf den Sieger zwischen Atalanta Bergamo und Paris Saint-Germain träfe. Atlético sei als Bezwinger des Titelverteidigers FC Liverpool "ein schwieriger Gegner", sagte Markus Krösche, Trainer Diego Simeone habe das Verteidigen "perfektioniert". Aber RB-Coach Julian Nagelsmann werde für Leipzigs Viertelfinal-Premiere auch ohne den zu Chelsea gewechselten Stürmer Timo Werner "Lösungen finden", sagte der Sportdirektor bei Sky, "unser Ziel ist es definitiv, Atlético zu schlagen."

Wenngleich der Pfad durch den Turnierbaum auch für die Bayern Konturen annimmt und mögliche Wegmarken über Lionel Messis Barcelona und Pep Guardiolas Manchester City oder Cristiano Ronaldos Juve bis hin zu Thomas Tuchels PSG verlaufen, sind noch viele Konjunktive dabei. Zumal die Bayern erst ihr Achtelfinale erfolgreich abschließen müssen, was nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel beim FC Chelsea kaum in Frage steht. Das Rückspiel können sie am 8. August in ihrer Münchner Arena austragen. Auch die übrigen Achtelfinal-Rückspiele zwischen Barcelona und Neapel, City und Real (Hinspiel 2:1) sowie Juve und Lyon (0:1) sollen im jeweils vor der Pandemie-Pause vorgesehenen Spielort ausgetragen werden. RB hatte sich bereits gegen Tottenham (1:0/3:0) durchgesetzt.

Über die sehr wahrscheinliche Reise nach Lissabon wollten sich die Bayern am Freitag zumindest offiziell noch nicht äußern. "Wir sollten wie 2013 Schritt für Schritt gehen", wurde der Vorstandsvorsitzende Rummenigge auf der Internetseite des FC Bayern zitiert, "jetzt liegt der Fokus auf Chelsea, dann sehen wir weiter." Noch sei man nicht in Lissabon, sagte auch Müller, "das Kommentieren ungelegter Eier überlasse ich daher lieber anderen." Élber ließ zumindest schon etwas Optimismus in Bezug auf Barça anklingen, auch wegen der Querelen bei den Katalanen um Messi und Trainer Enrique Setién. Außerdem spiele die Mannschaft in dieser Saison "nicht so gut wie wir das von Barcelona gewohnt sind. Ich habe vorgestern das Spiel von Barcelona angeschaut (1:0 gegen Espanyol, d. Red.), das war grausam." Andererseits sei es halt Barcelona, zudem gebe es für die Münchner im Gegensatz zur Konkurrenz den Nachteil, "dass wir jetzt erstmal Pause haben und dann von 0 auf 100 da sein müssen".

Erschwerend hinzu kommt das Format in Lissabons Stadien von Sporting und Benfica mit jeweils nur einer K.-o.-Entscheidung statt mit den üblichen Hin- und Rückspielen. "Es ist ähnlich wie bei einer EM oder WM: Jedes Spiel ist eigentlich ein Finale", sagte Marketing-Vorstand Andreas Jung. Auf die Tagesform hatte zuletzt auch Flick hingewiesen, man müsse auf den Punkt da sein. Und zwar fürs Triple in allen drei K.-o.-Spielen des Viertel- und Halbfinals sowie des Finals in Benficas Estádio da Luz. Die Grundlage dafür soll, wie bei den Leipzigern, nach den Corona-Tests nach Ende des Kurzurlaubs vom 20. Juli an gelegt werden, zunächst im Cyber- und Kleingruppen-, dann im Mannschaftstraining. Zudem plant der FC Bayern noch ein Testspiel. Als möglicher Gegner wird Frankfurt genannt. Dafür aber darf die Eintracht nicht das Viertelfinale der Europa League erreichen. Das ist, nach dem 0:3 im Hinspiel gegen Basel, unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen und damit ein weiterer Konjunktiv.