Berlin - Es waren drei Minuten, in denen die Eisbären das Spiel bei den Fischtown Pinguins (5:1) für sich entschieden haben. Und sie waren zugleich beste Werbung, um zu zeigen, dass es sich lohnt, jungen deutschen Eishockeyprofis eine echte Chance in Form von Eiszeit zu geben. Sebastian Streu, 21, schoss beim zwischenzeitlichen 3:0 sein erstes DEL-Saisontor, Haakon Hänelt, 17, gelang beim 4:0 der erste Pflichtspieltreffer für die Berliner überhaupt. „Das ist sehr befreiend. Ich habe es wirklich gebraucht, den Puck endlich reinzumachen“, sagte Hänelt. „Ich hatte ja schon genug Chancen, und jetzt war er halt einfach mal drin.“

Ein Kandidat für die NHL

Die Verantwortlichen wird dieses Premierentor darin bestätigen, den Weg mit dem gebürtigen Neuwieder zu gehen. Schon lange halten sie große Stücke auf Hänelt, der sich zuletzt in der Nachwuchsmannschaft von RB Hockey entwickelte. „Er hat ein sehr gutes Eishockey-Verständnis“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee, „er kann sehr schnell umsetzen, was die Trainer von ihm erwarten.“ Und natürlich erinnert der Stürmer, der sein Gesicht noch mit einem Gitter schützen muss, an Lukas Reichel, 18, der ja bekanntlich beim vergangenen NHL-Draft in der ersten Runde von den Chicago Blackhawks ausgewählt wurde. „Es ist ein komisches Jahr für die Jungs“, so Lee, „weil die Scouts viel weniger unterwegs sind. Aber wenn es so weitergeht, ist er sicher ein Kandidat für drüben.“ Beim Heimspiel am Sonntag gegen die Iserlohn Roosters (17 Uhr, Magentasport) kann Hänelt sein Können erneut unter Beweis stellen.

Für die Eisbären ist es natürlich wichtiger, welche Rolle sie aktuell einnehmen. Und in Bremerhaven machten die jungen Angreifer die verletzungsbedingten Ausfälle von Mark Zengerle, Pierre-Cédric Labrie und Giovanni Fiore vergessen. Nino Kinder, 20, bereitete Hänelts Treffer zum 4:0 vor und sammelte damit seinen ersten Scorerpunkt in der Liga. „Sie waren hervorragend“, lobte Trainer Serge Aubin die Talente. „Wir haben gesehen, dass es entscheidend ist, Tiefe im Kader zu haben.“

Aubin hat das richtige Händchen für aufstrebende Jungprofis

Offensichtlich hat der Kanadier selbst ein feines Gespür im Umgang mit jungen aufstrebenden Eishockeyprofis. Denn während mancher Profi bestimmt enttäuschend darauf reagiert hätte, nach dem Draft noch ein weiteres Jahr in der DEL zu spielen, hat Reichel sich enorm weiterentwickelt. Mit seiner Zuarbeit zum 1:0 sammelte er bereits seinen 18. Scorerpunkt in dieser Saison. „Der Trainer hat hier einen super Job bei Lukas gemacht“, sagt Lee. „Er hat ihm klargemacht, dass er nur vorwärtskommt, wenn er hart an sich arbeitet.“ Und gleichzeitig ist er für Kollegen wie Hänelt das beste Beispiel, wohin der Weg führen kann.