BerlinIm Grunde genommen war es eine Situation, die es in jedem Basketballspiel unzählige Male gibt und deshalb keine Erwähnung wert ist. Die angreifende Mannschaft stellt ein paar Blöcke, um den Gegenspieler abzuschütteln, damit der Mitspieler Platz für einen freien Wurf hat. Körperkontakt ist in solchen Szenen vorprogrammiert und endet in 99 von 100 Fällen auch ohne größere Schäden. So gesehen wäre dieser Ulmer Angriff nach einem Einwurf unter dem Korb von Alba Berlin nach 164 Sekunden des zweiten Viertels nichts Besonderes gewesen. Wenn sie nicht Peyton Siva außer Gefecht gesetzt hätte. Ein Kontakt mit dem linken Oberschenkel am Knie des Gegners reichte aus und der Point Guard humpelte nur noch über das Feld.

Vor den Augen von Geschäftsführer Marco Baldi und Sportdirektor Himar Ojeda ging es nach dem nächsten Angriff auf die Bank und an diesem Abend nicht mehr aufs Feld. Noch schlimmer: Die Muskelverletzung könnte für den US-Amerikaner eine Pause von mehreren Wochen bedeuten. „Es ist unglaublich mit den Verletzungen und sehr schlecht für uns“, sagte Trainer Aito Garcia Reneses. Alba Berlins 93:83-Sieg gegen die bis dahin ungeschlagenen Ulmer wurde schnell zur Nebensache, weil der Trainer den nächsten personellen Rückschlag hinnehmen muss. Dabei wäre er mit seiner Mannschaft um ein Haar aus den vier Spielen in sieben Tagen in Euroleague und Bundesliga – mit einer Bilanz von drei Siegen und einer Niederlage sowie der Rückkehr von Simone Fontecchio – nahezu perfekt durchgekommen. Wenngleich den 74-Jährigen die sportliche Bilanz gar nicht so sehr tangiert: „In unserer aktuellen Situation versuchen wir einfach nur so gut wir können durchzukommen und achten dabei nicht auf Sieg oder Niederlage.“

Schon eine Woche zuvor hatte sich Reneses über den Nachrichtendienst Twitter irritiert über den Wochenplan gezeigt, der seine Mannschaft unter anderem von Belgrad nach Athen – mit einem Zwischenstopp in Frankfurt – führte. „Es gibt zu viele Spiele und zu viele Reisen, das wird sich zum Schlechten wenden“, schrieb er zudem am Donnerstag. Die Verletzung Sivas, deren genaues Ergebnis am Sonntag noch nicht feststand, bestätigt diese Einschätzung der Überbelastung von Spielern. Die vorherigen Verletzungen von Ben Lammers, Marcus Eriksson, Lorenz Brenneke und Simone Fontecchio direkt mit dem eng getakteten Spielplan in Verbindung zu bringen, ist hypothetisch. Fakt ist jedoch, dass die vielen Reisen und kurzen Abstände zwischen den Spielen kaum Zeit für Regeneration lassen. Auch nicht nach dem Sieg gegen Ulm. Am Montag fliegt Alba nach Madrid, um am Dienstagabend (21 Uhr) bei Real zu spielen. Vermutlich ohne Siva, aber zumindest mit Simone Fontecchio, dessen Comeback durch die eingangs beschriebene Szene beinah unterging.