Dancing on Ice: Sebastian Dahm folgt der Aufforderung der Fans – und tanzt.
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BerlinEisbären-Goalie Sebastian Dahm strahlt vor allem eines aus: Ruhe. Der 32-Jährige besticht geradezu durch seine entspannte und gut gelaunte Art. Dabei hat der Berliner Schlussmann in seiner kurzer Zeit beim DEL-Rekordmeister schon allerhand Kritik einstecken müssen. Damit kann Dahm allerdings gut umgehen, auch weil er selbst sein schärfster Kritiker ist. Und zur Not ist da immer noch die Familie.

Ihre Tochter hatte am Montag Geburtstag. Wie haben Sie gefeiert?

Ja, sie ist zwei Jahre alt geworden. Meine Eltern und die Eltern meiner Frau waren das Wochenende aus Kopenhagen hier. Da haben wir am Samstag und am Montagmorgen etwas gefeiert.

Hat sich die Familie gut in Berlin eingelebt?

Das war nicht schwer. Das Leben hier ist ähnlich dem in Dänemark. Berlin ist natürlich größer als Kopenhagen, aber wir kennen das Gefühl. Wir wussten vorher nicht, wie es hier für Kinder sein würde, doch auch da sind wir begeistert. So viele Spielplätze und Parks sind einfach perfekt.

Wo sind Sie denn untergekommen?

Wir wohnen in Stralau. Das ist nicht weit von der Arena entfernt und wir sind nah am Ostkreuz. Das macht die Anbindung perfekt und wir können mit der S-Bahn schnell überall hin. Außerdem wohnen noch drei, vier andere Spieler in der Gegend, das ist sehr angenehm.

Zur Person

Im Klub: Unmittelbar nach seiner Zeit als Nachwuchsspieler, die er in seiner dänischen Heimat bei Rodovre SIK und dem schwedischen Erstligisten Malmö Redhawks verbrachte, versuchte Sebastian Dahm sein Glück in Nordamerika. Wobei er bei den Syracuse Crunch in der Saison 2008/2009 dem Traum von einer großen Profikarriere wohl am nächsten war. Im Dezember 2010 kehrte er nach Dänemark zurück, spielte dort für EfB Ishockey und die Rodovre Mighty Bulls. 2015 wechselte er zu den Graz 99ers, um sich nach zwei Jahren dann den Iserlohn Roosters anzuschließen. Seit 2019 ist er Keeper der Eisbären Berlin.
Im Nationalteam: Sebastian Dahm, der am 28. Februar 1987 in Kopenhagen geboren wurde, war schon in den Jugendauswahlmannschaften bei diversen Großturnieren im Einsatz. Im Seniorenbereich stand er bislang bei fünf Weltmeisterschaften im Nationalmannschaftskader Dänemarks. 2017 und 2019 war er jeweils die Nummer eins seines Landes. Dahm besitzt wegen seiner deutschen Mutter auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Das hört sich so an, als ob Sie im Team Fuß gefasst haben.

Da läuft alles gut. Wir haben eine sehr harmonische Mannschaft und haben viel Spaß miteinander. Sportlich sind wir breit aufgestellt, jeder kann Tore schießen und alle tragen Verantwortung. Das habe ich schon ganz anders erlebt. So fängt man einander auf.

Im Tor sind Sie derzeit die Nummer Eins, haben Sie das erwartet?

Ich habe gehofft, dass es so kommt, wenn ich meine beste Leistung abrufen kann. Jetzt freue ich mich, dass ich diese Rolle einnehmen konnte. Ich glaube, ich habe mittlerweile meinen Rhythmus gefunden.

Zu Beginn der Saison gab es allerdings noch ein paar Probleme.

Man darf nicht vergessen, dass einige neue Spieler zum Verein kamen und das System für viele eine neue Situation dargestellt hat – genauso ist es für mich. Es dauert etwas, bis sich alle daran gewöhnt haben. Jetzt stehen wir auf Platz vier in der Tabelle und schauen weiter nach oben.

Wie gehen Sie mit der teils sehr lauten Kritik um?

So ist der Profi-Sport. Darüber rede ich nicht viel, sondern fokussiere mich auf mich selbst. Meine Kritik kommt meist früher als die von außen. Wenn ich nicht gut spiele, weiß ich das selbst. Man kann nicht immer perfekt sein, wichtig ist jedoch, dass man hart arbeitet, nach vorne schaut und versucht, sich zu verbessern.

Wie wichtig ist der Austausch mit Torwarttrainer Sebastian Elwing?

Ich bin sehr froh mit Elle. Wenn man neu zu einem Verein kommt, gibt es keine Garantie, dass es läuft. Mit ihm stimmt die Chemie und er findet immer wieder Möglichkeiten, um mit mir an den technischen Feinheiten zu arbeiten. Seit Beginn der Saison habe ich von ihm zwei oder drei Dinge gelernt, die mein Spiel enorm verbessert haben.

Zum Beispiel?

Ein Punkt ist, dass ich noch Potenzial beim Schlittschuhlaufen habe. Im Spiel habe ich manchmal zu viel verschoben. Sein Vorschlag war, meine Stärke auszunutzen und länger auf dem Schlittschuh zu sein, damit ich meinen Gegenüber mehr herausfordern kann. Jetzt habe ich im Spiel mehr Zeit, um zu reagieren. Es ist cool, wenn man in der späten Phase seiner Karriere noch etwas so positiv verbessern kann.

Am Sonntag gegen Wolfsburg brachte das allerdings nichts. Wie ist die Stimmung nach so einem Spiel?

So eine Situation hat immer zwei Gesichter. Selbstverständlich bin ich sehr ärgerlich und der Perfektionist in mir ist ernst, will sofort wieder in die Trainingshalle gehen und an sich arbeiten. Aber ich weiß durch meine Erfahrung, dass es wichtig ist, die Enttäuschung nicht überwiegen zu lassen. Wenn ich danach bei der Familie bin, bin ich der Mensch Sebastian und nicht mehr der Sportler.

Das ist wahrscheinlich nicht einfach.

Man sollte bei den Gefühlen immer die Mitte finden. Wenn etwas schlecht läuft, muss man schnell analysieren und nach vorn schauen. Genauso darf man sich nicht zu lange auf Erfolgen ausruhen. Man muss auf seine Ausgeglichenheit achten.

Eine Qualität, die Torhütern nicht unbedingt nachgesagt wird.

Das mag so sein. Ich kann auf dem Eis sehr intensiv sein, allerdings war ich schon immer eine frohe Person und das bin ich auch dort. Dann habe ich in der Arena und beim Training ein besseres Gefühl. Ich finde, das hilft genauso der Mannschaft, wenn sie sieht, dass ich entspannt bin und Kontrolle habe.

Gegen die Kölner Haie am Freitag wäre das sicher hilfreich.

Köln ist eine interessante Mannschaft. Das ist fast wie ein Spiegel, weil sie auf dem Eis ähnlich agieren wie wir. Alle Reihen machen viel Druck und können gut schlittschuhlaufen, da müssen wir in unserer Ausführung perfekt sein. Vor allem da Köln viel Selbstvertrauen aus den letzten Spielen mitbringt. Ich mag diese Topspiele, dann wird man richtig herausgefordert.

Wie im Spiel gegen Chicago?

Das war ein tolles Erlebnis. Gegen die Top-Teams kann man als Torwart der entscheidende Faktor sein. Das läuft nicht immer gut – wie zuletzt in Mannheim – aber wenn, dann ist die Zufriedenheit umso größer.

Nach dem Spiel gegen die Blackhawks haben die Berliner Fans schon einen Tanz von Ihnen auf dem Eis gefordert.

Diese Rolle ist eine Tradition, die ich aus Dänemark mitgebracht habe. Der Torwart aus der Mannschaft meines Vaters spielte in der dänischen Top-Liga und hat dort mehrmals die Meisterschaft gewonnen. Die Rolle hat er damals nach jedem Shutout gemacht. In Iserlohn wollte ich mich dann mit der Rolle bei den Fans bedanken.

Der Tanz auf dem Eis war also gar nicht geplant?

Nein, die Fans haben „Tanzen! Tanzen!“ gerufen. Ich habe spontan reagiert und etwas aus Spaß gemacht. Als ich dann hier in Berlin unterschrieben habe, war die erste Frage, ob ich hier genauso tanzen würde. Da konnte ich nicht nein sagen.

Zweimal kam es bereits dazu.

Das ist doppelt schön. Aber das ist einfach ein Dank an die Fans. Die machen so viel für uns und da nutze ich jede Möglichkeit etwas zurückzugeben. Es sind nicht nur viele Zuschauer, sie sind passioniert dabei. Was da in der Kurve passiert, ist beeindruckend.

Das Gespräch führte Carolin Paul.