Urs Fischer hat Respekt vor Eintracht Frankfurt
Matthias Koch

Berlin-Köpenick - Eine alte Fußballweisheit lautet: „Die Tabelle lügt nicht“. Urs Fischer würde vermutlich kontern: „Sie holt auch keine Punkte im Abstiegskampf“, weshalb der Trainer des 1. FC Union ein Verfechter des Nicht-aufs-Tableau-Schauens ist. Zu sehr verleite der Blick auf die Konkurrenz, den Fokus auf die eigenen Leistungen zu verlieren. Schon unter der Woche erklärte der 54-Jährige deshalb: „Wenn die anderen Teams für uns mitspielen, ist das schön, aber es interessiert mich nicht. Wir haben nur unsere Aufgaben zu erledigen.“

Vor dem Auswärtsspiel am Montag in Frankfurt (20.30 Uhr, live auf DAZN) lohnt daher ein Blick auf eben diese unmittelbar bevorstehenden Aufgaben. Nach dem Duell mit der Eintracht erwarten die Eisernen den VfL Wolfsburg und reisen dann, nach dem Pokalviertelfinale bei Bayer 04 Leverkusen, was an dieser Stelle mal ausgeklammert werden soll, zum SC Freiburg.

Drei Spiele, in denen sich die Köpenicker vorentscheidend vom Tabellenkeller absetzen und den anvisierten Klassenerhalt fast schon klarmachen könnten. Auch weil alle drei Kontrahenten derzeit mit ihren ganz eigenen Befindlichkeiten zu kämpfen haben. Für die sich im Niemandsland der Tabelle befindende Eintracht ist das Duell mit Union nur das Sandwich-Spiel inmitten der finanziell und sportlich weitaus attraktiveren Europa-League-Partien mit Red Bull Salzburg, weil jedes europäische Kräftemessen das vorerst letzte für Frankfurt sein könnte.

Der VfL Wolfsburg kämpft indes schon die komplette Saison über mit massiven Leistungsschwankungen. Und dem SC Freiburg, der Überraschungsmannschaft der Hinrunde, gelangen seit der Winterpause nur noch zwei Siege.

Für die mannschaftlich gefestigten Eisernen, die gerade bei der 2:3-Niederlage am vergangenen Spieltag gegen Leverkusen ihre beste Saisonleistung zeigten, sind das nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Zumal die Mannschaft trotz der verlorenen Punkte laut Trainer Urs Fischer auch gegen Leverkusen mächtig Selbstbewusstsein tankte. „Auch der Sieg in Bremen spielt da mit rein. Aber ob es uns gelingt, dieses Selbstbewusstsein auch in den kommenden Spielen aufrechtzuerhalten, wissen wir nicht. Wir hoffen es.“

Als besonderer Anreiz könnte auch die Statistik dienen. Mit sieben Punkten aus den kommenden drei Partien hätten die Eisernen 33 Punkte. In den letzten zehn Saisons hätten allein die viermal zum Klassenerhalt gereicht. Gewinnt Union dann nur noch eines der verbleibenden neun Spiele, steigert sich diese Zahl sogar auf sieben von zehn Spielzeiten.

Schlotterbecks Einsatz ist fraglich

Im ersten Schritt gilt es, dafür aber zunächst einmal bei den formstarken Frankfurtern zu bestehen. „Ein 5:0 gegen den FC Augsburg und ein 4:1 gegen Red Bull Salzburg − das muss man erst mal hinbekommen“, sagte Fischer. Deshalb wird er sich auch am Main vornehmlich auf die defensive Stabilität seines Teams verlassen müssen. „Wir wollen auch in Frankfurt wieder kompakt stehen und Druck gegen den Ball bekommen“, erklärte der Schweizer, der bei diesem Unterfangen womöglich auf Verteidiger Keven Schlotterbeck (Infekt) verzichten muss. Als Alternative stünde Florian Hübner bereit. Der weiß aus der Aufstiegssaison noch ganz genau, wie man fleißig Punkte hamstert.