Unter den Wolken muss die Dummheit wohl grenzenlos sein...
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BurnleyTut Dummheit weh? In manchen Fällen sollte sie das. In Fällen von Rassismus wie beim Spiel des FC Burnley gegen Manchester City am Montagabend. Jenem 0:5 des Außenseiters gegen den Tabellenzweiten der Premier League, das als einseitige Garnitur für ein einfältiges Spektakel herhalten musste. Kurz nach Anpfiff war nämlich ein Flugzeug mit einem Banner mit der Aufschrift „White Lives Matter - Burnley“ über das Etihad-Stadion geflogen.

Weiße Leben zählen, das war eine Provokation. Benjamin Mee, Kapitän des Klubs aus dem Osten der Grafschaft Lancashire hat sie angeekelt, er hat sich bestürzt geäußert. „Ich schäme mich und bin peinlich berührt“, sagte der 30-Jährige im englischen TV-Sender Sky. „Diese Leute müssen im 21. Jahrhundert ankommen und sich bilden.“ Mee meinte: „Ich hoffe, es passiert nicht noch einmal. Ich schäme mich, dass das mit meinem Verein in Verbindung gebracht wird. So etwas wollen wir im Spiel nicht sehen.“ Vielleicht muss es erst richtig wehtun, muss erst eine empfindliche Strafe verhängt werden. Vielleicht.

Die Stumpfsinnigkeit vom Montagabend widersprach allen Bemühungen in der Premier League, sich mit dem von Polizisten ermordeten Afroamerikaner George Floyd zu solidarisieren. Black Lives Matter, Schwarze Leben zählen, ist der Slogan, der auf den Trikots aller Teams die Namen der Profis ersetzt. Auch der deutsche Nationalspieler Leroy Sané trug den Schriftzug bei seinem Comeback. Er, seine Teamkollegen von Manchester City und die Profis des FC Burnley knieten vor dem Anpfiff nieder, um gegen Rassismus und Gewalt gegen Schwarze zu demonstrieren. Dann kam der Spruchpilot.

Der FC Burnley reagierte noch noch während der Begegnung und verurteilte die Aktion. „Wir möchten klarstellen, dass diese Leute bei uns nicht willkommen sind. Dies ist in keiner Weise das, wofür der Burnley Football Club steht, und wir werden eng mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen zu identifizieren und lebenslange Verbote zu erlassen“, teilte der Verein mit.

In den Stadien selbst dürfte es nicht schwierig sein, die Übeltäter zu entlarven. Die Arenen der Premier League sind mit Kameras bestückt wie ein Filmstudio in Hollywood. Und auch den Piloten auszumachen, der sich über dem Etihad-Stadion in ein schlechtes Licht rückte, wird kein Problem gewesen sein. Wie drastisch die Strafe ausfallen muss, um die Fehlgeleiteten von ihrem Tun abzubringen, ist allerdings unklar. Bisher waren sie offenbar nicht drastisch genug.

Die Premier League hat immer wieder mit rassistischen Vorfällen zu tun. Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger wurde mehrfach Oper von Schmähungen. Der Verteidiger des FC Chelsea beschwerte sich im Dezember über Affenlaute aus der Fankurve der Tottenham Hotspurs. Diese Beschwerde leitete er über den Kapitän des FC Chelsea, César Azpilicueta, an den Schiedsrichter weiter. Eine Stadionansage sollte für Ordnung sorgen. 

Der 26-Jährige schrieb danach auf Twitter. „Es ist eine Schande, dass es 2019 immer noch Rassismus gibt. Wann hört dieser Unsinn auf?“ So schnell offenbar nicht.

Rüdiger kämpft schon seit längerem gegen Rassismus. Und er verweist darauf, dass er  nicht nur die Premier League betrifft. Nach einer Gewalttat im Februar in Hanau hat er vor schlimmen Folgen des alltäglichen Rassismus gewarnt. „Erst Torunarigha“, hat Rüdiger mit Blick auf den unlängst in der Arena auf Schalke diffamierten Hertha-Profi gesagt, „dann Kwadwo, dann gibt's Tote.“ Rüdiger beobachtet die Vorgänge in deutschen Fußballstadien sehr genau. Rassistisch motivierte Bluttaten seien „das Endprodukt“.

Jürgen Klopp treibt das Thema ebenfalls um. Der Trainer des designierten Meisters FC Liverpool hat in einer Videokonferenz gesagt: „Natürlich: Black Lives Matter! Aber lasst uns hoffen, dass es das letzte Mal ist, dass wir das äußern müssen.“ Der 53-Jährige findet es „unglaublich“, dass über die für ihn selbstverständliche Gleichheit aller Menschen immer wieder debattiert werde, „aber wir müssen es tun. Es geht darum, für alle klarzumachen, dass es ein paar Idioten gibt. Aber nicht so viele, wie wir glauben. Wenn sie nicht so machtvoll sind, können wir die Welt verändern.“

Jürgen Klopp sagte das in der vergangenen Woche.