Michael Mronz hat große sportliche Pläne mit der Rhein-Ruhr-Region.
imago-images

KölnEs riecht nach Aufbruch, hier, ein paar hundert Meter östlich des Müngersdorfer Stadions in Köln. Die kleine GmbH in einem unscheinbaren Gebäude an einer Einfallstraße ist gerade eingezogen. Das schlichte Allerweltsbüroambiente steht im Kontrast zu dem großen Traum, den der Unternehmer Michael Mronz von hier aus realisieren will. Der Geschäftsmann verfolgt den Plan, 2032 erstmals seit 1972 wieder Olympia in Deutschland auszurichten. Zwar plagt auch Mronz sich zur Zeit mit den Folgen der Corona-Pandemie herum und muss das Münchner Tennis-Turnier BMW Open absagen, das er veranstaltet. „Sehr bedauerlich“ findet er das, aber der frühere Ehemann von Guido Westerwelle hat das Glück, intensiv an einer Zukunft zu arbeiten, die weit jenseits heutiger Probleme liegt.

Mronz sprüht vor Begeisterung für Spiele in der Region Rhein-Ruhr zwischen Bonn, Dortmund, Aachen und Wuppertal. „Unsere Initiative versteht sich als Angebot aus der Mitte der Gesellschaft heraus“, sagt der 52 Jahre alte Kölner. Er schwärmt von einem „ökonomisch nachhaltigen Regionen-Konzept“, führt an, dass „knapp 90 Prozent der benötigten Sportstätten bereits heute vorhanden sind“, versichert, „zunächst ohne öffentliche Gelder auszukommen“.   Gewinner sollen die Menschen in Nordrhein-Westfalen sein.

Ein mitreißender Redner

Mronz ist einer dieser Redner, die Menschen mitreißen, gewitzt, selbstbewusst, offen für Kritik und andere Meinungen. Wer ihm zuhört, denkt bald, dass all das viel zu schön klingt um der Realität Stand zu halten. Doch warum sollte man diese großen Vorsätze und die Begeisterung schon in der Frühphase eines Projektes bremsen?

Den Hauch von Größenwahn, den jemand braucht, um ein solches Projekt mit nur ein paar Sponsoren anzuschieben, hat Mronz nicht zuletzt auf einer sechsmonatigen Reise durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten entwickelt. Nachdem er 2016 seinen Mann, den an Leukämie erkrankten früheren Außenminister Westerwelle, in den Tod begleitet hatte, machte er sich auf den Weg nach Amerika. Die Zeit der Trauer war voller schwerer Momente, nun sagt Mronz: „Ich nehme Dinge einfach bewusster wahr als ich das vor dem Tod von Guido gemacht habe.“

Aus seinem Unternehmen MM Promotion stieg er aus, gründete ein Start-Up, das inzwischen 80 Mitarbeiter beschäftigt: Gemeinsam mit Kai Diekmann, dem früheren Chefredakteur der Bild-Zeitung und dem ehemaligen stern.de-Chef Philipp Jessen betreibt er die Agentur Storymaschine. Journalisten arbeiten dort mit Werbefachleuten und Datenanalysten an Social Media-Kampagnen. Für Kunden, die meist ungenannt bleiben. Laut Magazin Spiegel betreute das Unternehmen Ursula von der Leyen auf dem Weg ins Präsidentenamt der Europäischen Kommission. Dieses Geschäft macht Mronz finanziell unabhängig. „Ich muss mein Geld nicht im Sport verdienen“, sagt er.

Das Olympia-Projekt präsentiert er seit Monaten auf zahlreichen Veranstaltungen als große Herzenssache, das einem ganzes Bundesland zu einer besseren Zukunft verhelfen soll. Und bisher hat fast alles geklappt, was Mronz anpackte. Als 21-Jähriger veranstaltete der Sohn eines Architekten und einer Galeristin sein erstes Tennisturnier. Bruder Alexander spielte damals als Profi auf der Tour und war eine Zeit lang mit Steffi Graf liiert. Hinter Stefan Raabs Bundesvision Song Contest zog Mronz die Fäden, an Heidi Klums Finale von Germany’s Next Topmodel wirkte er mit, ebenso wie bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Und beim internationalen Reitturniers CHIO in Aachen ist er bis heute geschäftsführender Gesellschafter.

Serie

Der Sport ist kein Perpetuum mobile, das sich aus Selbstzweck dreht. Ein Virus lehrt uns das. Nehmen wir uns also die Zeit: Für Geschichten, die oft hinter dem Offensichtlichen zurückstehen.

Wirtschaftlich haben all seine Projekte gut funktioniert, weshalb der Unternehmer verkündet: „Wir werben mit unserem Konzept bei den Menschen um Vertrauen und hoffen, dass sie uns dieses Vertrauen entgegenbringen, weil sie sagen: Dort wird ein Weg begangen, der ökonomisch und ökologisch nachhaltig ist und weil das Team einhält, was es zusagt.“ Mronz’ Botschaft lautet: Wir sind besser als die Funktionäre aus den Sportverbänden und die ehemaligen Politiker, die mit ihren Olympia-Bewerbungen von Berlin, Leipzig, Hamburg oder München scheiterten. Die Initiative Rhein Ruhr City agiert bislang außerhalb dunkler Schatten, die über den großen internationalen Verbänden und den mit Großprojekten oftmals überforderten Kommunen liegen.

Aber Mronz will mehr als nur ein zweiwöchiges Sportfest. Am Ende soll ein ganzes Bundesland aufblühen. „Unser Ansatz ist, diesen Stichtag 2032 zu nutzen, um notwendige Infrastrukturprojekte durch Olympia voranzutreiben.“ Die Spiele sollen den Ausbau der Verkehrsnetze und die Digitalisierung der Schiene beschleunigen. Das Olympische Dorf ist als Projekt gegen den Wohnungsmangel konzipiert, der Unternehmer sieht für die einwohnerstärkste Region Deutschlands eine einzigartige Chance.

In Momenten der Begeisterung zieht Mronz Vergleiche zwischen seiner Vision für NRW und dem größten Innovationslabor des Planeten: „Wir tun immer so, als sei das Silicon Valley ein Ufo aus dem All, aber eigentlich sind die Unternehmen dort auch nur Ausgründungen von klugen Frauen und Männern mit Geschäftsideen.“ Nordrhein-Westfalen habe „die Chance, zur modernsten Metropolregion Europas zu werden“, und Olympische Spiele sollen dazu beitragen, diese Idee zu verwirklichen. Wer so hoch fliegt kann allerdings auch krachend scheitern.

Kritiker halten die Vision von einer goldenen Zukunft für das abgewirtschaftete Ruhrgebiet für überambitioniert, und wer die trostlosen Straßenzüge in Gelsenkirchen oder Herne kennt, braucht tatsächlich viel Fantasie, um Mronz zu folgen.

Freude als Antrieb

Treibt ihn also Geltungsbedürfnis? Schließlich bewegt dieser Mann sich in einer Welt, wo Eitelkeiten weit verbreitet sind. Es wäre naheliegend, wenn auch er zu diesem Menschen gehören würde, die darauf hinarbeiten, irgendwann mal mit einem großen Lebenswerk assoziiert zu werden. So wie die Bürgermeister, die das neue Stadien in ihrer Stadt als eine Art Denkmal des eigenen Wirkens betrachten. Mronz aber sagt: „Ich brauche für meine persönliche Vita nirgends stehen haben: Michael Mronz hat dazu beigetragen, die Olympischen und Paralympischen Spiele nach Deutschland zu holen.“

Das Geld ist es auch nicht, der gelernte Betriebswirtschaftler erhält für seine Geschäftsführer-Tätigkeit Null Euro. Aber was treibt ihn dann? „Freude“, antwortet er. „Ich komme aus dem Sport, ich liebe die Metropolregion, es würde mich total faszinieren, wenn wir das vorhandene Potenzial der Region durch Olympia 2032 als Katalysator vorantreiben könnten!“ Es geht um die Menschen in einer Region, die traditionell eine starke Industrie hat, die aus der Perspektive Bayerns, Baden-Württembergs oder Hamburgs aber stets als proletarisch und weniger kultiviert wahrgenommen wurde. In der Zukunft, wo die wertvollste Ressource Deutschlands viele gut ausgebildete Menschen seien, habe NRW, enorme „Chancen, sich im internationalen Wettbewerb entsprechend zu positionieren“, sagt Mronz. „Hier leben 500 000 Studierende, das gibt es in Europa sonst nirgends.“

Die Kommunen und die Landesregierung sind längst überzeugt, sogar die Grünen ziehen mit. Offen ist allerdings, wie überzeugt sich auch der DOSB auf so ein Wagnis mit einem Mann einlässt, der die alten Pfade der Sportpolitik verlassen hat.