Die Eisbären haben derzeit viel Spaß bei der Arbeit.
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BerlinBis auf die Schwenninger Wild Wings, die aufgrund des NHL-Besuches der Chicago Blackhawks erst im kommenden Jahr zum Nachholspiel nach Berlin kommen, haben die Eisbären gegen alle Teams der DEL ein Duell bestritten. Mit der Partie in Ingolstadt am Freitagabend (19.30 Uhr) startet die Liga also in das zweite Viertel der Saison. Das ist die Gelegenheit, um den Tabellensechsten einem Check zu unterziehen.

Kader: Dass die Mannschaft an Qualität gewonnen hat, zeigt sich dieser Tage besonders. Seit der Verpflichtung Landon Ferraros ist ein Spieler pro Match überzählig und muss zusehen. Und dabei „kann es wirklich jeden treffen“, wie Jonas Müller weiß, der zusammen mit Marcel Noebels und Leo Pföderl ins Nationalteam berufen wurde, das Anfang November beim Deutschland-Cup mal wieder zusammenkommt. Bislang traf es je einmal Florian Kettemer und Constantin Braun. In Ingolstadt wird es nun wahrscheinlich zum ersten Mal einen Stürmer treffen, wie Trainer Serge Aubin durchblicken lässt. Diese ungewohnte Situation sorgt für eine gesteigerte Trainingsintensität: „Man merkt, dass jeder noch mehr Gas gibt, wenn einer sitzen muss“, sagt Müller.

Diese Rotation ist aber nur ein Grund für den Aufwärtstrend, fünf der letzten sechs Spiele gewannen die Eisbären. „Wir haben uns nach einem mäßigen Start ganz gut gefangen, die letzten Spiele haben wir weitgehend so gespielt, wie wir das wollen“, sagt Noebels. 23 Treffer in den vergangenen sechs Spielen zeigen, dass die Reihen immer besser harmonieren, alle vier kreieren Chancen. Auch die Verteidiger haben nach dem Umbruch im Sommer das neue System verinnerlicht. Müller sagt: „Wir mussten lernen, uns richtig zu vertrauen.“

Neuer Zusammenhalt

Special Teams: Der Zusammenhalt ist insbesondere beim Unterzahlspiel zu erkennen. Seit dem Showmatch gegen Chicago verzeichnen die Eisbären ein perfektes Penalty Killing. Den Gegnern gelang in sechs Spielen kein einziger Treffer im Powerplay. Auch in 3:5-Unterzahl wehrten die Berliner jegliche Angriffe ab. Dass der EHC trotz dieser 100-Prozent-Ausbeute auf Platz sechs der Unterzahlstatistik rangiert (84,75 Prozent), offenbart die Schwäche zum Saisonstart. Beim Powerplay hingegen läuft es noch nicht ganz so rund, ligaweit sind nur zwei Teams uneffektiver als die Eisbären mit einer Quote von zwölf Prozent. Es fehlt noch die Durchschlagskraft von der Blauen Linie, erst vier Tore gingen auf das Konto der sieben Verteidiger.

Trainer: Man kann nicht gerade sagen, dass Trainer Serge Aubin von den Fans freudig empfangen wurde. Als ehemaliger Bandenchef in Hamburg zählt er eben zu der alten Freezers-Connection um Sportdirektor Stéphane Richer, der nach wie vor argwöhnisch betrachtet wird. Dennoch hat Aubin Wort gehalten, als er versprach, ein attraktives Hockey spielen zu lassen. In der heimischen Arena gelingt das schon regelmäßig. Fünfmal genossen die Berliner Heimrecht, jedes Mal gingen sie als Sieger vom Eis − bei nur einem Punktverlust gegen Köln.

Dass Nachwuchsspieler jetzt mehr Eiszeit bekommen, hat natürlich auch mit der Regel zu tun, dass zwei deutsche U23-Spieler im Kader stehen müssen. Lukas Reichel und Fabian Dietz große Verantwortung zu übertragen, sie in Über- und Unterzahl einzusetzen, spricht aber doch für das Vertrauen, das Aubin diesen Spielern schenkt.

Busch fehlt

Fitness: Bis auf den krankgeschriebenen Florian Busch, der nach offiziellem Sprech an einer Oberkörperverletzung leidet, sind alle Spieler einsatzfähig. Im Vergleich zum Vorjahr, als zwischenzeitlich bis zu zehn Spieler fehlten, sind das derzeit luxuriöse Arbeitsbedingungen. Die Ursachen dafür sind in einer Häufung von schweren Verletzungen in der letzten Saison zu finden, die nicht mit einem falschen Training oder einer Fehlbelastung zu erklären sind. Dennoch hat es den Anschein, dass die Mannschaft von einem veränderten Fitnessprogramm profitiert. Im Sommer wurden den Spielern deutlich intensivere Einheiten abverlangt, auch jetzt scheucht Aubin sein Team über das Eis. Was sich auszahlt: Die Eisbären können über die volle Distanz hohes Tempo gehen, die Intensität lässt auch gegen Spielende nicht nach. Den Beweis lieferte der vergangene Sonntag, als sie gegen Nürnberg drei Tore in den letzten 69 Sekunden schossen.