Der Unaufgeregte: Wie Urs Fischer den 1. FC Union mit seiner Art beflügelt

Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union, ist so wie er ist. Im Gegensatz zu all den anderen Trainern, die glauben, einem gewissen Bild entsprechen zu müssen und sich dementsprechend verstellen. Die sich nicht nur bei der Wortwahl vor und nach einem Spiel, sondern auch beim Coaching während eines Spiels an Typen wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola orientieren – und letztlich dabei doch nur allerlei Hinweise auf ihre Austauschbarkeit liefern. Der Schweizer Fischer, und vielleicht ist das seine größte Stärke, ist glaubwürdig, in seinem Wirken nach innen und nach außen. Er ist kein Showman, obwohl er durchaus über einen guten Wortwitz verfügt, sondern ein Basisarbeiter. Ein Profi durch und durch, der übrigens auch den Journalisten das Gefühl gibt, dass er sie und ihre Fragen (auch hier im Gegensatz zu dem einen oder anderen Kollegen) ernst nimmt.

Das war auch am Freitagmittag in der Pressekonferenz zum Spiel in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals bei Germania Halberstadt (Sonntag, 15.30 Uhr) zu beobachten. In den Grenzen, die einem Trainer bei der Öffentlichkeitsarbeit gegeben sind, gab der 53 Jahre alte Fußballlehrer fast zwanzig Minuten lang Auskunft über die aktuellen Themen. Über die anstehende Auseinandersetzung mit dem Regionalligisten aus Sachsen-Anhalt zuvorderst, wobei er noch mal betonte, dass man dem unterklassigen Gegner doch bitte mit Respekt begegnen müsse, um letztlich seiner Favoritenrolle gerecht werden zu können.

Die Systemfrage? Nicht so wichtig

Und ja, man habe in der Vorbereitung auf die „heikle Aufgabe“ den Gegner mehrmals beobachtet, habe das Bildmaterial aus den drei Partien, welche die Halberstädter bis dato in dieser Spielzeit absolvierten, ausführlichst gesichtet. Mit der Erkenntnis, dass das Team von Trainer Sven Körner grundsätzlich eher seine Stärken in der Vorwärtsbewegung habe. „Ich bin mir aber grundsätzlich nicht sicher“, fügt Fischer schleunigst noch an, „ob sie gegen uns so spielen werden wie in der Regionalliga.“ Er selbst werde jedenfalls ein Team aufs Feld schicken, das in weiten Teilen mit der Elf aus dem Testspiel gegen Celta Vigo vom vergangen Sonnabend übereinstimmen werde. Trotz der 0:3-Niederlage habe er aus der Begegnung mit dem spanischen Erstligisten nämlich viele positive Schlüsse gezogen. Und für die Position in der Innenverteidigung gebe es an der Seite von Keven Schlotterbeck trotz der Personalsorgen allerlei Optionen (siehe Text unten). Also: kein Problem.

Und wie geht man denn nun aus taktischer Sicht als Bundesligaaufsteiger eine derart unliebsame Herausforderung an? Ja, sagt Fischer erst einmal, nimmt sich etwas Zeit, um eine Antwort vorzubereiten, die über den Pflichtspielauftakt hinausgeht. „Für mich ist die Systemfrage eigentlich gar nicht so wichtig. Denn nicht das System ist doch letztlich entscheidend, sondern wie man dieses System interpretiert und über welche individuelle Klasse deine Spieler verfügen“, erklärt Fischer, um mit einer weiteren kurzen Sprechpause seine Pointe einzuleiten: „Tja, und dann gibt es halt da auch noch einen Gegner, der dir leider gern mal im Weg steht.“

Die Kadergröße? Kein Problem

Es ist schon erstaunlich, mit welchem Geschick Fischer das aus sportlicher Sicht zweifellos spannendste Kapitel der eisernen Klubgeschichte bis dato moderiert. So sagt er, dass die größte Überraschung für ihn die nahezu reibungslose Integration der elf Sommerzugänge wäre, hat aber doch einen wesentlichen Anteil daran, dass dieses Unterfangen allem Anschein nach tatsächlich ohne größere Brüche vonstatten geht. Die größte Gefahr besteht ja für einen Aufsteiger mitunter darin, dass der Teamgeist bei einem Relaunch beziehungsweise einer Erweiterung des Kaders Schaden nimmt. Fischer sagt: „Ich glaube, schlussendlich ist das doch immer noch eine Leistungsgesellschaft. Und dabei geht es halt immer gerade mal um elf Plätze. Ein Vorteil ist dabei sicher, dass man ab dieser Saison zwei Spieler mehr in den Kader nehmen kann. Ich glaube aber auch, dass Union in Sachen Kadergröße nicht die große Ausnahme ist.“

Ja, manche Trainer geben gern mal den Unaufgeregten, sind es aber nicht. Urs Fischer ist es, was im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben für den 1. FC Union als ganz großes Plus gewertet werden darf.