Party mit Pott: Die Mannschaft der VSG Altgienicke feiert den Pokalsieg im Jahnsportpark.
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BerlinAls alles vollbracht war und die Spieler der VSG Altglienicke zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Berliner Pokal in die Höhe recken durften, Kanonen auf dem Rasen des Jahnsportparks Konfetti ausspuckten, brach die Freude über den bislang größten Erfolg des Regionalligisten aus allen Siegern heraus. Der Cup, den Kapitän Stephan Brehmer, von Beruf Feuerwehrmann, zuerst in die Luft stemmte, wanderte von Hand zu Hand. Beim 6:0 (1:0) hatte das Team von Cheftrainer Karsten Heine den Pokalverteidiger Viktoria 89 demontiert, was gut eine Stunde lang allerdings überhaupt nicht abzusehen war.

„Wir sind ein kleiner Verein“, sagte Heine, 65, unmittelbar nach dem Abpfiff, „wir sind alle sehr glücklich. Diesen Erfolg ordne ich auch für mich persönlich ganz weit oben ein.“ Und das will etwas heißen bei der Vita von Heine, der einst lange bei Hertha BSC und beim 1. FC Union gearbeitet hat und gerne als der erste „Gesamtberliner Trainer“ bezeichnet wird.

Einer der Matchwinner des Berliner Pokalfinales, der erst 20-jährige Johannes Manske, 1,92 Meter großer Angreifer der VSG Altglienicke, wurde bereits nach den ersten 45 Minuten beim Gang in die Kabine von seinen Teamkameraden und den Betreuern geherzt und gefeiert. Mit seinem Kopfballtreffer, Sekunden vor dem Halbzeitpfiff nach einem exzellenten Freistoß von Tim Häusler erzielt, hatte Manske den Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

„Das war eine einstudierte Aktion“, sagte Karsten Heine am Sonntag dieser Zeitung, „manchmal braucht man solch ein Tor als Dosenöffner.“ Bis dahin besaß Viktoria 89 mehr von dieser bis zu diesem Zeitpunkt umkämpften, teils ruppigen Partie, konnte zwei, drei gute Torchancen verzeichnen, darunter einen Lattenschuss durch Patrick Kapp, und zeigte technisch gepflegten Fußball. Altglienicke agierte im leeren Jahnsportpark, wo keine Zuschauer zugelassen waren, schnörkelloser, aber noch ohne großen Druck. Der Treffer von Manske, der noch in der Vorsaison für Viktoria spielte, sollte aber große Wirkung zeigen. „Wir waren lange das strukturiertere Team, aber uns fehlt die Effektivität. Wir treffen aus fünf Metern oft nur die Latte“, analysierte Viktoria-Coach Benedetto Muzzicato am Tag nach der Pleite.

Zwar versuchte Viktoria bis zur 60. Minute, zum Ausgleich zu kommen, geriet danach aber durch eigenes schwaches Abwehrverhalten und plötzlich entfesselt aufspielende VSG-Kicker unter die Räder. Als ein heftiger Regenschauer über das Stadion fegte, gelangen Altglienicke drei Treffer binnen sieben Minuten. Linus Meyer, starker Zugang aus Rödinghausen (63.), Patrick Breitkreuz (67.) und Christian Skoda (70.) entschieden das Finale. Die Tore von Manske (76.) und Uzan (89.) waren nur noch Zugabe gegen am Ende desolate Viktoria-Kicker.

Heine schwärmte am Tag nach dem Finale von Meyer. „Der hat beim 2:0 den Ball aus der Luft angenommen beinahe wie Neymar und dann Philipp Sprint im Viktoria-Tor lässig umspielt.“ Das erkannte auch Muzzicato neidlos an: „Meyer macht das Weltklasse, danach haben sich meine Spieler aufgegeben und die VSG hat ihre brutale Effektivität gezeigt. Das Spiel war ein Weckruf für uns alle im Verein.“

Linus Meyer, der einst im Oktober 2018 für den SV Rödinghausen im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München (1:2) einen Treffer gegen Manuel Neuer erzielte und es damit bis in die Sportschau schaffte, freut sich schon auf den kommenden Gegner der VSG in Runde eins des DFB-Pokals, den 1. FC Köln. „Das wird ein absolutes Highlight. Wir werden uns nicht verstecken.“

Das Finale im leeren Jahnsportpark hätte zahlreiche Zuschauer verdient gehabt. Ab dem 22. August sind im Berliner Fußball wieder Fans in den Stadien erlaubt – bis zu 1000 an der Zahl. Doch das strenge Hygienekonzept für das Endspiel war schon im Juni in Absprache mit dem Berliner Senat verabschiedet worden und angesichts der aktuellen Fallzahlen in der Corona-Krise wollte der Berliner Fußballverband (BFV) kein Risiko eingehen. So sahen nur je 25 Offizielle beider Vereine den Kantersieg von Altglienicke.

Trainer Heine denkt noch nicht an den prominenten Pokalgegner 1. FC Köln im September. „Wir spielen schon am Dienstag in der Meisterschaft bei Lichtenberg 47. Das wird ein schweres Spiel“, sagte Heine. Deshalb wurde die Feier nach dem Endspielsieg auch nicht sehr lange ausgedehnt. In Lichtenberg werden endlich auch Zuschauer im Zoschke-Stadion dabei sein. Der Gastgeber erwartet etwa 500.