Berlin - Der Weltsport hat sich gegen Russland und nun auch gegen Wladimir Putin persönlich gewandt: Während erste Athleten seines Riesenreichs von Wettbewerben ausgeschlossen, Hymnen und Flaggen bei Siegerehrungen verboten wurden, wandte sich der Judosport am Sonntag publikumswirksam von seinem wohl prominentesten Protagonisten ab.

Als Reaktion auf die Invasion in die Ukraine wurde der Kreml-Chef, immerhin langjähriger aktiver Kämpfer und Träger des Schwarzen Gürtels, als Ehrenpräsident des Judo-Weltverbandes (IJF) ebenso suspendiert wie als offizieller Botschafter des Sports. Offenbar musste sich der rumänische IJF-Präsident Marius Vizer, als Freund Putins bekannt, verbandsinternem Druck beugen.

Dennoch eine mehr symbolische Aktion, Putins Sportler hingegen trifft der internationale Bannstrahl weit härter. Die am weitesten gehende Forderung nach dem kompletten Ausschluss wird bislang nur diskutiert, doch eine zeitnahe Umsetzung steht im Raum.

Athleten Deutschland fordert Ausschluss

„Präsident Putin hat zum dritten Mal den Olympischen Frieden gebrochen und damit die Werte des Sports wiederholt mit Füßen getreten“, hieß es in einer Erklärung von Athleten Deutschland. Zumindest „für die Dauer des Angriffskrieges“ sollten russische und belarussische Sportler von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen werden.

Indirekt geschah dies bereits am Wochenende. So kündigten Estlands Behörden an, Athleten aus Russland und Belarus die Einreise zum Biathlon-Weltcup nach Otepää zu verweigern. Auch Norwegen machte klar, dass russische Wintersportler nicht willkommen seien. Mehrere Fachverbände sagten internationale Wettkämpfe in Russland ab und befürworteten darüber hinaus, vorerst keine Events mehr nach Russland zu vergeben.

Der europäische Fußball zeigt in großer Einmütigkeit Russland und dem Aggressor Wladimir Putin die Rote Karte: Voran ging mit seiner klaren Haltung Weltfußballer Robert Lewandowski. „Russlands Fußballer und Fans“ seien „nicht verantwortlich“ für die Kriegstreiberei Putins, teilte der Torjäger von Bayern München via Twitter mit: „Aber wir können nicht so tun, als ob nichts passiert ist.“

Robert Lewandowski positioniert sich klar

Deshalb ist es für den Kapitän der polnischen Nationalmannschaft selbstverständlich, dass sein Team in den WM-Play-offs am 24. März nicht gegen Russland antreten wird. „Genug der Worte, es ist Zeit zu handeln“, teilte Polens Verbandspräsident Cezary Kulesza mit: „Aufgrund der Aggression Russlands in der Ukraine plant Polen nicht, gegen die russische Mannschaft anzutreten. Das ist die einzig richtige Entscheidung.“ Auch Schweden und Tschechien kündigten am Wochenende einen Boykott der möglichen Partie gegen die Russen an. Noch weiter ging der französische Verband und sprach sich am Sonntag für einen WM-Ausschluss Russlands aus. Die Fifa teilte mit, man verurteile „den Einsatz von Gewalt durch Russland“, wolle aber mit Blick auf die WM-Qualifikation „die Situation weiter beobachten“.

In fast allen Stadien in Europa demonstrierten Spieler und Fans gegen Putins Angriffskrieg und bekundeten Solidarität mit der Ukraine – auch in Deutschland. In Fürth versammelten sich Spieler der Gastgeber und des 1. FC Köln hinter einem blau-gelben Plakat mit der Aufschrift „Stop War – wir gegen Krieg“. Ähnliche Szenen waren in vielen Arenen zu sehen.

Im Hintergrund scheint die Uefa bereits an einer großen Entscheidung zu arbeiten, während sich der Weltverband Fifa auffallend zurückhält. Die Europäische Fußball-Union ist offenbar gewillt, die Trennung vom russischen Großsponsor Gazprom durchzuziehen. Nach Informationen der englischen Times wird an einer Auflösung des millionenschweren Vertrags gearbeitet.

Das Internationale Olympische Komitee konnte sich nur zu dem Appell durchringen, Sportevents aus Russland in andere Länder zu verlegen. Der Turn-Weltverband (FIG) wandte die neue Bestimmung, Siegerehrungen ohne Hymnen und Flaggen abzuhalten sofort an. Jahor Scharamkou aus Belarus, der die Boden-Konkurrenz beim Weltcup-Turnier in Cottbus gewann, erhielt seine Medaille ohne das übliche Beiprogramm.