In den zurückliegenden Jahren hat Alba Berlin bezüglich der nationalen Spieler Entscheidungen zum Standard gemacht, die es sonst bei keinem deutschen Team in der Bundesliga zu sehen gibt. Da bekommen junge Spieler regelmäßig ihre Einsatzzeiten, da haben auch schon mal fünf Berliner in der Euroleague gemeinsam auf dem Feld gestanden, und da zählen deutsche Spieler zu den Leistungsträgern im Team. An dieser Stelle ließen sich noch viele Besonderheiten aufzählen. Dass aber bei einem Sieg, dem 100:76 gegen Ludwigsburg, in einem Play-off-Halbfinale, in Louis Olinde, Johannes Thiemann, Oscar da Silva und Maodo Lo die vier besten Punktesammler einen deutschen Pass besitzen, zählt auch für Alba-Verhältnisse zu einem Moment, den es so noch nicht häufig gegeben haben dürfte und für den man die Geschichtsbücher wälzen müsste.

Louis Olinde gelingt eine Karriere-Bestmarke

Am Sonntag, in Spiel zwei der Serie gegen Ludwigsburg, war es Olinde, der die Statistik seiner Mannschaft mit 24 Punkten anführte und „nebenbei“ in dieser Kategorie noch eine neue persönliche Bestmarke aufstellte. Da bei ihm endlich mal die freien Würfe gefallen waren, konnte er sich über einen Abend freuen, an dem ihm fast alles gelingen wollte: Fünf seiner sechs Dreierversuche waren Treffer, acht seiner neun Freiwürfe landeten im Korb, und aus der Zweidistanz blieb er bei drei Versuchen sogar fehlerfrei. „Das hat sich gut angefühlt. Und es tut gut für das Selbstvertrauen“, sagte der 24-Jährige nach dem Spiel.

Nach dem Weggang von Kapitän Niels Giffey wollte der athletische Flügelspieler eine solch tragende Rolle bei Alba Berlin schon viel früher einnehmen, fühlte sich bereit für den nächsten Schritt. Gute Leistungen hatte er bis Anfang Februar immer mal wieder gezeigt, es fehlte vielleicht noch etwas Konstanz. Dass ihn dann allerdings eine Verletzung an der Hand bis Anfang April nahezu zwei Monate außer Gefecht setzte, ließ die Entwicklung ins Stocken geraten. Aber: Die Breite des Kaders auf den internationalen und nationalen Positionen erlaubt es Alba Berlin, den Formaufbau der Spieler in der dafür notwendigen Zeit zu vollziehen und nichts überstürzen zu müssen.

Marcus Eriksson hat am 2. Januar sein letztes Bundesligaspiel bestritten, wird nach einer langwierigen Entzündung unter dem Fuß allerdings behutsam aufgebaut. Johannes Thiemann, am Sonntag mit 22 Punkten immerhin zweitbester Alba-Werfer, bekam im dritten Viertelfinalspiel gegen Bamberg wegen Knieproblemen eine Pause, und Luke Sikma fehlte gegen Bamberg gleich zwei Spiele, konnte seinen grippalen Infekt in Ruhe auskurieren. Bloß kein unnötiges Risiko eingehen, bis ein Spieler wieder aufs Feld darf. Die Leistungen bestätigen diese Herangehensweise: Sikma überzeugte bei seinem Comeback in Spiel eins gegen Ludwigsburg mit acht Punkten und 15 Rebounds, Thiemann mit 22 und Olinde mit 24 Punkten nun in Spiel zwei.

Alba Berlin verfügt über mehr Tiefe und Qualität als Ludwigsburg

Dass sich Alba Berlin aufgrund der Tiefe des gesamten Kaders und der höheren Qualität eine 2:0-Führung gegen Ludwigsburg aus der Hand nehmen lässt, ist nicht zu erwarten. Während bei den Ludwigsburgern in Jonah Radebaugh, James Woodard, Jordan Hulls und Tremmell Darden bislang lediglich vier Spieler offensive Akzente setzen konnten, Leistungsträger Justin Simon mit Atemproblemen infolge einer Allergie in Spiel eins nur wenige Minuten und am Sonntag gar nicht zum Einsatz kam, verringerte den offensiven Output und beraubte das Team einer zusätzlichen Option.

Von denen hat Alba Berlin hingegen jede Menge. Das zweite Spiel der Halbfinalserie war der beste Beweis. Nicht nur wegen der Karriere-Bestleistung von Louis Olinde.