Niklas Wollert ist der große Rückhalt im Tor des SV Lichtenberg 47.
Foto: Matthias Koch

BerlinAm Sonnabend war Torhüter Niklas Wollert (25) mit seinem Arbeitstag sehr zufrieden. Lichtenberg 47 hatte bei strömendem Regen im Friedensstadion bei Germania Halberstadt ein 0:0 erreicht. „Zu null zu spielen, ist immer gut für einen Keeper“, sagte Wollert, der mit einigen Paraden Anteil am Punktgewinn besaß. Damit hatten die 47er am Ende der englischen Woche vier Zähler aus zwei Partien geholt und sich in der unteren Tabellenhälfte etwas Luft verschafft.

Zuvor hatte am Mittwochabend ein dramatisches Spiel ein glückliches Ende für Lichtenberg gefunden. Zweimal geriet die Mannschaft im heimischen Hans-Zoschke-Stadion gegen den VfB Auerbach in Rückstand, drehte die Partie aber noch und siegte mit 3:2. Aufatmen. „Drei wichtige Punkte für den Klassenerhalt“, sagt Wollert. Lichtenberg hat in der wohl stärksten Staffel der zurückliegenden Jahre einen schweren Stand, in acht Duellen gelangen erst zwei Siege, obwohl man in Wollert einen exzellenten Rückhalt im Tor besitzt. Bereits zwölf Gegentore sind auch ihm zu viel.

Dennoch: Für Lichtenbergs langjährigen Trainer Uwe Lehmann ist klar: „Niklas Wollert ist der beste Keeper der Regionalliga Nordost!“ Auch Benjamin Plötz, Manager und Macher der 47er, ist voll des Lobes über seine Nummer eins: „Niklas ist ein fantastischer Typ. Er ist nun seit 2015 bei uns und hat eine tolle Entwicklung genommen. Er ist im Team hoch anerkannt und ein Führungsspieler, sportlich wie menschlich top. Niklas hat uns schon sehr viele Punkte gerettet.“

Der Vielgelobte freut sich über diese Anerkennung. Der Berliner, 1,86 Meter groß, cool in Eins-gegen-Eins-Situationen, mit guten Reflexen ausgestattet, auch fußballerisch stark, ist kein Typ, der vom Boden abhebt. Nicht, wenn er häufig in der „Elf des Spieltages“ auftaucht, nicht, wenn immer wieder Offerten anderer, höherklassiger Klubs vorliegen. Er hat sich bis 2022 an Lichtenberg 47 gebunden.

Wollert pendelt an fast jedem Tag zwischen seinem Arbeitsplatz bei Siemens, wo er als Projektmanager und im Moment meist im Home-Office beschäftigt ist, seiner Wohnung und dem Zoschke-Stadion in Lichtenberg. „Zwei Spiele in der Woche sind da schon eine Belastung, aber das macht mir nichts aus. Das kenne ich seit meiner Kindheit, als es immer Schule und Training gab.“

Wollert erlebte 2019 im Stadion an der Normannenstraße den umjubelten Aufstieg der Freizeitspieler von der Oberliga in die Regionalliga im Tor mit, später den Klassenerhalt in der wegen Corona abgebrochenen Saison und sagt: „Jetzt bekomme ich viel mehr Bälle auf mein Tor, muss stets total wachsam sein. In der Oberliga bekam ich meist nur zwei, drei gefährliche Torschüsse pro Spiel auf meinen Kasten. Ich bin viel mehr gefordert.“

Alle Spieler aus seinem Team gehen einer Arbeit nach oder studieren. Viermal in der Woche wird trainiert, immer am Abend. Das Gros der Liga aber bereitet sich beinahe unter Profibedingungen vor. „Das ist schon heftig. Wir spüren das schon. Die Konkurrenz ist enorm stark, die Physis hoch.“

Lichtenberg hat nach acht Spieltagen bereits gegen vier Aufstiegs-Kandidaten gespielt, aus diesen Duellen nur vier Punkte geholt – ein 2:1-Sieg gegen Energie Cottbus und ein 0:0 gegen Chemie Leipzig. „Wir müssen gegen vermeintlich gleichwertige Teams unsere Zähler sammeln“, sagt der Keeper, „aber auch gegen die Großen haben wir meist gut mitgehalten. Es haperte oft an Kleinigkeiten.“

Wollert hatte als Kind ein großes Vorbild: Iker Casillas von Real Madrid. „Der war ja auch kein Riese im Tor und ich war als Junge eher klein, bin erst sehr spät gewachsen.“ Heute gefällt ihm besonders Marc-Andre Ter Stegen vom FC Barcelona, „der von hinten schon viel für den Spielaufbau tut“.

Auch Wollert träumte vom Profidasein. Drei Jahre spielte er beim Traditionsklub FC Carl Zeiss Jena. Seine Trainer: Andreas Zimmermann, Lothar Kurbjuweit, Volkan Uluc. Geschafft hat er den Sprung zu den Profis aber nicht. „Damals habe ich mich entschieden, eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, und jetzt habe ich einen guten Arbeitgeber und einen tollen Verein. Das passt.“

Ihm gefällt das familiäre Umfeld, die große Kameradschaft im Verein. „Hier wird mit wenig Geld viel erreicht.“ Im Sommer, als er mit Manager Plötz verhandelte, hat er sich bewusst weiter für Lichtenberg entschieden. Ein Angebot von Cottbus lehnte er ab. Natürlich würde Wollert gern noch mal höherklassiger spielen, was ihm sein Trainer und sein Manager zutrauen, aber er sagt: „Man muss genau abwägen: Was hat man? Was kann woanders auf einen zukommen? Das ist ein schmaler Grat.“