Ein Anfang: Fans der Füchse Berlin beim Testspiel gegen den THW Kiel in der Max-Schmeling-Halle.
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BerlinSie sind bei keinem Füchse-Spiel zu übersehen, nicht zu überhören. In grellem Grün nimmt der Fanclub „Füchsepower“ den Block C in der Max-Schmeling-Halle ein, sitzt dort, wo die Spieler einlaufen, gegenüber der Bank. Hier wird getrommelt, geklatscht und die Mannschaft angefeuert.

Ungefähr 160 Fans sind es, angeführt von André Konopinksi, seit 2009 Mitglied des 2006 gegründeten Vereins. Handball ist für den 40-Jährigen mehr als ein Hobby. „Ich habe 2007 die Weltmeisterschaft gesehen, und dann war es um mich geschehen. Seit dem Eröffnungsspiel in Berlin bin ich beim Handball und etwas später bei den Füchsen hängen geblieben.“ 

Mittlerweile ist André Konopinksi Vorsitzender des Fanclubs. An ihm lässt sich gut erkennen, wie groß der Bruch gewesen ist durch die Zwangspause während Corona. Und was für die Fans der Füchse der Start in die Saison bedeutet, welchen Wert für sie das Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle in der European League gegen Gyöngyösi FKK hat.

„Im März gab es von jetzt auf gleich einen richtigen Cut“, sagt Konopinski. „Zuerst war das ganz angenehm, etwas mehr Zeit zu haben und durchatmen zu können, doch nach einem halben Jahr hat dann wirklich etwas gefehlt. Dann wuchs die Vorfreude auf das erste Live-Spiel.“ Der Test vor gut zwei Wochen gegen den THW Kiel mit rund 450 Zuschauern in der Arena war alles andere als eine Rückkehr zur Normalität. „Es war ungewohnt, teilweise war man sogar etwas eingerostet“, sagt Konopinski mit einem Lachen. „Man war die ganze Zeit zu Stille verurteilt, und dann mussten sich die Trommeln erst einmal wieder finden, besonders durch die neue Sitzverteilung.“ Es dauerte allerdings nicht lange, bis der erste Torjubel die lange, zähe Auszeit vergessen machte, bis ihn die Emotionen erneut packten.

So komisch es erst einmal klingen mag, Fans und Verein sind durch die Krise stärker zusammengewachsen. Die Nachricht einer drohenden Insolvenz, dieser Schrecken, ließ den Willen zur Unterstützung nur umso größer werden. „Wir wollten weiter als Ansprechpartner der Füchse fungieren“, sagt der Fanvorsitzende. „Es ist momentan für keine Seite einfach, da planen aktuell kaum möglich ist. Aber wir als Fanclub haben dem Verein immer wieder signalisiert, dass wir da sind, wenn Unterstützung gebraucht wird. In welcher Form auch immer.“

Zum Beispiel bei den Dauerkarten. Verein und Fanvertretung empfahlen, „auf eine Rückzahlung zu verzichten, um für den Verein ein Zeichen zu setzen“, sagt Konopinski. Nicht einmal eine Handvoll forderte den Kaufpreis zurück. Auch den Ticketerlös für ein Ende Mai geplantes Turnier im EHF-Cup im Fuchsbau konnte der Klub behalten. Es war ein Akt der Treue, der Geschäftsführer Bob Hanning große Dankbarkeit abverlangte und die er dem Fanclub zuletzt zurückzahlte. „Die Geschäftsstelle hat uns zugesichert, dass wir nach den Sponsoren die Ersten sind, die ein Recht auf eine Karte haben“, berichtet Konopinski. Er hofft, dass bald wieder mehr Zuschauer zu den Spielen dürfen. Nicht nur deshalb ist es ihm wichtig, dass der Fanclub mit gutem Beispiel voran geht und die geltenden Hygieneregeln vorlebt.

„Mit den steigenden Corona-Zahlen ist das ein zwiegespaltenes Verhältnis. In manchen Städten wird eine Maskenpflicht in Fußgängerzonen ausgesprochen, während sich die Fußballstadien füllen. Doch das könnte uns noch ein paar Jahre begleiten, und wenn man nicht will, dass die Vereine zugrunde gehen, muss man das gesellschaftliche Leben wieder hochfahren“, sagt Konopinski. Er weiß, dass sein geliebter Sport durch einen weiteren Lockdown einer existenziellen Gefahr ausgesetzt würde.

Umso mehr bemühen sich die Mitglieder von „Füchsepower“ um einen Austausch, der weit über die Treffen mit der Vereinsführung hinausgeht. Zunächst beratschlagte man sich mit den Kollegen vom „8. Mann“ der BR Volleys, um die Abläufe in der Schmeling-Halle zu verbessern. Darüber hinaus wurde mit der deutschlandweiten Organisation „IG Handball“ kommuniziert, wo der kürzlich verabschiedete Geschäftsstellen-Führer der Füchse, Stefan Güter, die Vorstandsposition einnimmt. Das Netzwerk bietet Kontakte zu Vereinen der gesamten Liga. „Besonders verbunden sind wir mit den Zebrasprotten aus Kiel. Da wurden verschiedenste Fragen ausgetauscht. Wie wurde die Sommerpause genutzt? Was gab es für spezielle Aktionen? Wie steht es um die Kartenvergabe? Wie können Auswärtsfahrten organisiert werden?“, sagt Konopinksi. Er will für die Zukunft optimal gewappnet sein.