Eine Schlappe, die nachhängt: Lionel Messi nach der Niederlage des FC Barcelona gegen den FC Bayern München.
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BarcelonaDie Bosse saßen zusammen,  Josep Maria Bartomeu und die übrigen Führungskräfte des FC Barcelona. Sie berieten am Montag stundenlang über die Trennung von Quique Setien. Dabei galt das Schicksal des Trainers längst als besiegelt. Einem spanischen Rundfunksender gegenüber hatte Bartomeu bereits am Morgen entsprechende Andeutungen gemacht.

Für viele Beobachter aus dem Umfeld des Klubs war ohnehin eine andere Personalie viel entscheidender und mit ihr die Frage: Was wird aus Lionel Messi? Angeblich soll der argentinische Star schon um seine Freigabe gebeten haben. Die 2:8-Niederlage im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Bayern München jedenfalls muss ihn schwer getroffen haben.

Verließe der 33-Jährige den FC Barcelona, würde das so etwas wie die Stunde Null für die stolzen Katalanen bedeuten. Zeit seines Fußballerlebens spielt Messi für Barca und stieg in seinen 16 Profijahren zum besten Kicker des Planeten auf. Er absolvierte 485 Ligaspiele, erzielte dabei 444 Tore. Der Einsatz gegen die Bayern war sein 143. in der Champions League insgesamt, 115 Treffer hat er in dem Wettbewerb erzielt. Messi gewann Titel zuhauf und prägte eine Ära.

Die könnte nach der ersten titellosen Spielzeit seit sechs Jahren tatsächlich vorbei sein. Zwar mühte sich die Klubführung um den heftig in der Kritik stehenden Präsidenten Bartomeu nach Kräften, die Berichte zu dementieren. Doch laut dem gewöhnlich gut informierten brasilianischen Sender Esporte Interativo habe Messi, dessen Vertrag bei den Spaniern im kommenden Jahr ausläuft, die Verantwortlichen bereits über seinen Wechselwunsch informiert.

Als mögliche Ziele Messis gelten Manchester City mit seinem alten Lehrmeister Pep Guardiola und Inter Mailand. Vor allem die Italiener sollen dank der Millionen ihres chinesischen Eigentümers, der Suning Holdings Group, laut Medienberichten zu einer großangelegten Offensive bereit sein, um den sechsmaligen Weltfußballer nach Italien zu lotsen.

„Verrückte Idee: Messi will Barca verlassen, und Inter hofft“, schrieb die Gazzetta dello Sport. Manchester City habe zwar mehr Geld als Inter, hieß es in dem Bericht, „doch in Großbritannien gibt es nicht die Steueranreize, die das Leben Messis erleichtern würden“.

Beflügelt werden die Spekulationen von Berichten, nach denen sich Messi ein Penthouse im exklusiven Mailänder Hochhaus Torre Solaria, unweit von Inters Hauptquartier, gekauft haben soll. Auch sein Vater Jorge soll eine Wohnung in der lombardischen Hauptstadt erworben haben, um von Steueranreizen zu profitieren, die Italien für Ausländer eingeführt hat.

Ob mit Messi oder ohne - für Barcelona ist ein sportlicher Neuanfang mit neuem Trainer alternativlos. Schon vor der Bayern-Schmach mussten Barca-Anhänger im Saison-Endspurt von La Liga konstatieren: Das Team wirkt satt und hat mit alternden Profis wie Jordi Alba, 31, Sergio Busquets, 32, Gerard Pique, 33, Luis Suárez, 33, und Arturo Vidal, 33, seinen Zenit überschritten.

„Wir sind am Tiefpunkt angelangt“, hatte Innenverteidiger Pique nach dem Bayern-Spiel konstatiert: „Der Klub braucht Veränderungen. Keiner ist unantastbar, am allerwenigsten ich. Um das zu ändern, ist frisches Blut nötig.“

Ob Messi mit seinen 33 Jahren das Gesicht für einen Neustart sein kann, sein will und sein darf, muss ernsthaft bezweifelt werden. Denn das unter Schulden ächzende Barcelona könnte die zig Millionen für einen sofortigen Messi-Transfer ziemlich gut gebrauchen. Zumal die totale Fokussierung auf den kleinen Argentinier das Barca-Spiel zuletzt immer wieder auch zu lähmen statt zu beflügeln schien. Kritiker sehen Barcelona gar schon seit dem Gewinn des Triple 2015 im sportlichen Sinkflug.

Zumindest mit entscheiden in der Messi-Frage dürfte am Ende auch der neue Mann auf der sportlichen Kommandobrücke. Als Favorit auf die Nachfolge Setiens gilt der niederländische Nationaltrainer Ronald Koeman. Koeman hatte von 1989 bis 1995 für Barca gespielt und gewann in dieser Zeit den Europapokal der Landesmeister (1992) sowie viermal die spanische Meisterschaft. Auch der Argentinier Mauricio Pochettino, der bis 2019 Tottenham Hotspur betreut hatte, und Klublegende Xavi, aktuell als Trainer in Katar beschäftigt, zählen zu den Kandidaten.