Profiteur des Münchner Turniers um die deutsche Basketball-Meisterschaft: Albas Lorenz Brenneke im Duell mit dem Frankfurter Richard Freudenberg.
Foto: Imago Images

München/BerlinAriel Hukporti muss zur Schule. Das ist für einen 18 Jahre alten Jungen ja erst einmal keine besondere Nachricht. Die besondere Nachricht liegt bei Ariel Hukpoki darin, dass er wegen der Schule nicht mehr an der Endrunde um die deutsche Basketball-Meisterschaft teilnehmen kann. Der 2,13 Meter große Center wird seiner Mannschaft aus Ludwigsburg im Gruppenspiel gegen Alba Berlin fehlen. 9:24 Minuten hat er im Durchschnitt bisher mitgewirkt, deutlich länger als vor der Corona-Pause.

Vor dem Turnier in der Arena des FC Bayern München haben sich viele Beobachter gefragt, was sie dem deutschen Basketball bringen sollen: Auftritte in Quarantäne und ohne Publikum. Von zusätzlicher Medienpräsenz ist dann die Rede gewesen, von größerer Aufmerksamkeit durch den Umstand, dass die Basketballer hierzulande neben den Fußballern und deren Erster, Zweiter und Dritter Liga die einzigen sind, die ihre Saison zu einem Ende bringen. Nun aber, da in München die Play-offs immer näher rücken, zeigt sich noch ein anderer positiver Effekt.

Talente, die bisher in der Bundesliga (BBL) eine untergeordnete Rolle spielten, rücken stärker in den Fokus. Zum Beispiel der 20 Jahre alte Lorenz Brenneke. Am Sonnabend bei Albas 102:72-Sieg gegen Rasta Vechta wirkte der Power Forward 12:12 Minuten mit, fast dreimal so lang wie sonst im Durchschnitt während seiner sechs Einsätze vor der Zwangspause in der BBL. Der 19 Jahre alte Guard Malte Delow verdoppelte seine Zeit auf dem Parkett, am Ende wies die Statistik gegen Vechta rund 14 Minuten für ihn aus.

„Das Turnier ist eine gute Gelegenheit für die jungen Kerle wie Malte, Lorenz und Jonas, mehr Spielminuten zu bekommen“, hat Regisseur Peyton Siva in der Pressekonferenz am Sonnabend gesagt über die Talente Delow, Brenneke und Mattisseck: „Coach Aito mag es, wenn alle spielen. Das ist gut für uns, um den Rhythmus zu halten.“

Der klare Ausgang der Partie bewog Aito Garcia Reneses sicher zu der großzügigen Vergabe von Spielpraxis. Alle zwölf Akteure seines Kaders schickte der Spanier im Verlauf der Begegnung aufs Parkett. Er steht damit aber für einen Trend bei dem Münchner Turnier. Dort setzen die Trainer im Schnitt elf ihrer gemeldeten Akteure auch tatsächlich ein.

Die große Rotation ist vor allem dem harten Programm während der insgesamt drei Wochen geschuldet. Es gilt, Kräfte zu sparen. Peyton Siva oder Luke Sikma, sonst Dauerläufer im Alba-Team, werden ein wenig sparsamer eingesetzt. Für Mannschaften wie die aus Berlin und Ludwigsburg ist die Dosis wichtig. Sie rechnen sich Chancen auf einen langen Verbleib im Turnier aus. Alba und Ludwigsburg spielen an diesem Montagabend um den Gruppensieg.

Begüngstigt wird das muntere Wechselspiel auch durch die geringe Vorbereitungszeit. „Wir müssen diese Gruppenspiele nutzen, um mit jedem Mal besser zu werden und dann so gut es geht in den Play-offs zu spielen“, hat Reneses dem übertragenden Streamingdienst Magentasport gesagt.

Die Bilanz gibt dem 73-Jährigen recht, Albas Leistungen bestätigen ihn, im Kollektiv wie auch individuell. Kenneth Ogbe etwa ist mit 25 Jahren vielleicht nicht mehr ganz so jung, aber ein typischer Vertreter des Berliner Kaders. Er ist entwicklungsfähig, was er in München beweisen konnte. Der Guard schraubte seine durchschnittliche Einsatzzeit von rund acht auf 15 Minuten hoch. Waren es 2,9 Punkte im Mittel vor der Pause, sind es nun 8,3, die im Korb und damit auf seinem Konto landeten.

„Die Struktur des Turniers ist gut“, hat Coach Reneses gesagt. Der flotte Wechsel zwischen freien Tagen und Spielen erlaube es, gewonnene Erkenntnisse sofort zu verwerten. Gut ist die Struktur auch für die Konkurrenz. Für Jacob Patrick zum Beispiel. Er ist der Sohn des Ludwigsburger Trainers John Patrick, in dessen Team, 16 Jahre, sechs Monaten und 19 Tage alt und der jüngste Korbschütze der Liga seit Erfassung der digitalen Spieldaten im Jahr 1998.