OberhofArnd Peiffer rümpfte einmal kurz die Nase, schnallte die Ski ab und stapfte im Eiltempo sichtlich angefressen aus dem Zielraum. „Irgendwie war es komplett Murks“, sagte der Schlussläufer der deutschen Mixed Staffel nach seiner Strafrunde im Stehendschießen: „Heute war ein Tag, wo man sich fragt, wofür trainiere ich eigentlich, wenn ich dann so einen Mist mache.“ Doch sein Fauxpas passte nach der guten Vorlage von Vanessa Hinz, Denise Herrmann und Benedikt Doll ins Bild.

Platz fünf in der Mixed Staffel und Rang vier von Janina Hettich und Erik Lesser in der anschließenden Single Mixed Staffel waren nicht die ersten Enttäuschungen beim Heimweltcup von Oberhof vor leeren Rängen. Die deutschen Biathleten hinken den eigenen Ansprüchen weit hinterher, Platz zehn von Peiffer im Verfolger war das beste Einzelergebnis. Vorzeigeläuferin Denise Herrmann stürzte in der Verfolgung nach sieben (!) Schießfehlern gar auf Rang 32 ab. Rund viereinhalb Wochen vor der WM in Pokljuka schrillen die Alarmglocken.

„Wenn man mannschaftlich einen Vergleich zieht, sind die Norweger weggezogen, die Franzosen haben uns überholt, und die Schweden haben uns eingeholt – zumindest Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson“, stellte Lokalmatador Erik Lesser nach seinem elften Platz in der Verfolgung ernüchtert fest. Das Credo, „einer muss immer durchkommen“ – in Oberhof wurde es nicht erfüllt.

Immenser Rückstand auf die Norweger

Peiffer monierte vor allem den immensen Rückstand auf die Norweger, die in Oberhof bislang alle Einzelsiege, bei den Herren sogar zwei Dreifacherfolge, einfuhren. „Sie sind im Schnitt besser als wir. Sie sind jedes Wochenende auf dem Podium, meistens zu zweit oder zu dritt. Da müssen wir uns schon fragen, was die besser machen“, sagte der 33-Jährige. Aber, fügte der Olympiasieger tapfer an, „wir können sie punktuell schlagen“.

Nicht nur bei seinem Sieg vor Weihnachten in Hochfilzen war das gelungen, auch am Sonnabend in der Verfolgung deuteten die DSV-Athleten ihr Potenzial an. Lesser schaffte in der Tageswertung trotz zweier Schießfehler die dritte Laufzeit, der fehlerfreie Peiffer setzte mit 45 Sekunden Vorsprung sogar die Bestmarke.

Problem nur: Lesser lief von Rang 25 los, Peiffer gar von 47. Absolute Spitzenergebnisse waren nach einem derart schwachen Sprint nicht mehr möglich. Bundestrainer Mark Kirchner wertete es dennoch als Zeichen, „dass wir uns nicht zu verstecken brauchen. Nur, so sein eindringlicher Appell, das gelte es nun auch „zu stabilisieren“.

Doch Tatsache ist: Läuferisch fehlt auf die absolute Spitze einiges. Die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) sind für Podiumsplätze meist auf Fehler anderer angewiesen – doch hauptsächlich machen sie die eben selber.

Herrmanns Problem ist offenkundig

Am gravierendsten erwischte es am Samstag mal wieder die eigentliche deutsche Top-Athletin Herrmann. Sie verkaufe sich wie ihre Teamkolleginnen „unter Wert“, klagte die 32-Jährige nach indiskutabler Leistung im Verfolger: „Es gelingt mir grad halt irgendwie nichts. Ich werde alles versuchen, um das Ruder wieder rumzureißen.“

Ihr Problem ist offenkundig: Trotz der Installation des neuen Schießtrainers Engelbert Sklorz läuft es am Schießstand noch nicht wie erhofft – und da ist sie nicht die Einzige. Die 32-Jährige schoss in ihren elf Rennen 32 Fehler und kam damit in diesem Winter noch in keinem Einzelrennen fehlerfrei durch.

Zudem hat die frühere Langläuferin in der Loipe keinen Vorteil mehr und noch keine Laufbestzeit markiert. So sprang nach Rang zwei im Einzel beim Saisonauftakt in Kontiolahti Ende November kein einziger Podestplatz mehr heraus, sondern nur drei Top-Ten-Ergebnisse. Von ihrer Kampfansage zu Beginn der Saison ist nichts mehr übrig. Eigentlich wollte sie in diesem Winter um das Gelbe Trikot und den Gesamtweltcup mitlaufen.

Auch Franziska Preuß war nach Rang 18 in der Verfolgung ratlos. „Es nervt mich. Wieso kriegen es die anderen immer hin, und bei uns hängt es irgendwie?“, fragte die derzeit beste deutsche Biathletin sichtlich verzweifelt. Bis zur WM steht noch einiges an Arbeit bevor. Aber, gab Peiffer kämpferisch die Marschroute aus, mit der aktuellen Situation werde sich das Team „sicher nicht zufriedengeben“.