Berlin - Eishockey im August? Am Ende der Sommerpause? Und zuvor fünf Tage in Einzel-Quarantäne? Julia Zorn musste trotzdem nicht lange überredet werden, um an der am Freitag beginnenden Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary (bis 31. August) teilzunehmen. „Eine WM ist etwas ganz Besonderes, mich ehrt es brutal, hier sein zu dürfen“, sagte die Nationalmannschafts-Kapitänin: „Da muss man nicht nach der Motivation suchen.“

Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen?

Das war vor ein paar Monaten noch anders, als die ursprünglich für das Frühjahr angesetzte WM in Halifax und Truro kurz vor dem Abflug des deutschen Teams coronabedingt abgesagt worden war. Es hagelte Kritik an den Verantwortlichen – auch von Zorn. „Unsere Saison ist mit einem Wimpernschlag auf die schockierendste und unerwartetste Weise vorbei“, hatte die 31 Jahre alte Angreiferin damals geschimpft und auch eine Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen durchblicken lassen.

„Es gab viele Spielerinnen – mich eingeschlossen – die nach der Absage im Frühjahr in ein Motivationsloch gefallen sind“, gab die 211-malige Nationalspielerin zu: „Aber letztlich haben sich die Spielerinnen zusammengetan und die Stimme erhoben und für eine WM-Verschiebung gekämpft.“

Mit Erfolg – auch wenn die Sommer-WM mit Umständen verbunden ist. Um beim Turnier starten zu dürfen, mussten die Spielerinnen nach der Ankunft in Kanada für fünf Tage in Einzel-Quarantäne. Große Langeweile oder gar schlechte Stimmung kam aber nicht auf, tägliche Workouts, Taktik-Besprechungen und Meditationseinheiten sorgten für Abwechslung. „Wir haben uns abends als Team auch online getroffen und Spiele gespielt“, verriet Zorn. Passenderweise stand das Spiel „Escape Room“ ganz oben auf der Beliebtheitsliste.

Starker Zusammenhalt und gute Stimmung

Der Zusammenhalt im stark verjüngten Team ist dadurch gewachsen, die Stimmung trotz der Umstände erstaunlich gut. Aufgrund des höchst ungewöhnlichen Zeitpunkts sind nicht alle Top-Spielerinnen aus Deutschland am Start. Stürmerin Anne Bartsch musste zudem nach einem Handbruch im Training frühzeitig die Heimreise antreten. „Wir haben viele WM-Rookies dabei“, sagte Zorn, „aber das heißt nicht, dass der Kader deswegen schlechter ist.“ Das Ziel ist weiterhin das Viertelfinale.

Zum Auftakt der Fünfer-Gruppe B trifft das Team des neuen Trainers Thomas Schädler, der erst seit Ende Mai in der Verantwortung steht, am Freitag (20 Uhr MESZ) auf Ungarn. Die weiteren Vorrundengegner heißen Dänemark, Tschechien und Japan. Die WM ist für die DEB-Auswahl auch wegen der bevorstehenden Olympia-Qualifikation im November in Füssen wichtig.