Harter Kampf: Evgenija Minevskaja (r.), gefangen in Norwegens Abwehr.
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KumamotoEs flossen wieder Tränen, deutlich mehr sogar als noch zwei Tage zuvor. Dabei hätten die deutschen Handballerinnen nach der Niederlage gegen Serbien (28:29) mehr Grund zum Heulen gehabt als am Mittwoch nach einem 29:32 (16:17) gegen Norwegen. Gegen das Team vom Balkan hatten sie die Teilnahme am Halbfinale bei der Weltmeisterschaft in Japan verschenkt, letztlich hätte ihnen sogar ein Remis gegen die Serbinnen gereicht. Im Duell gegen Rekordeuropameister Norwegen wäre ein Unentschieden ebenfalls ausreichend gewesen, aber erstmals im Turnierverlauf wirkte der Gegner schlicht besser.

Die deutschen Spielerinnen kämpften aufopferungsvoll, waren aber nicht gut genug. „Die Mädels waren richtig müde“, sagte Bundestrainer Henk Groener. Der Niederländer hatte mit vielen Wechseln versucht, seiner Mannschaft das tränenreiche Ende zu ersparen. Groeners Eingreifen half nicht.

Um Platz sieben gegen Schweden

Der Traum von der Medaillenrunde ist ausgeträumt, aber die Hoffnung auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen im kommenden Sommer besteht weiter fort. Allerdings müssen die Deutschen dazu eine Art Finale für Tokio gewinnen. Am Freitag (6.30 Uhr MEZ) wird im Spiel um Platz sieben bei dieser Weltmeisterschaft gegen Schweden der letzte Platz für ein Qualifikationsturnier im kommenden März vergeben. „Wir werden alles geben, diese Chance wollen wir nutzen“, kündigte Kim Naidzinavicius an. Die Kapitänin hatte blutunterlaufene Augen, nach der Enttäuschung gegen Norwegen ließ sie ihren Emotionen freien Lauf und verließ das Spielfeld mit Tränen in den Augen.

Die Deutschen verspielten die Chance auf das Halbfinale gegen Norwegen, diese Erkenntnis wird sich nach dem Turnier auch bei den Spielerinnen durchsetzen. Gegen das Team aus Skandinavien war die Leistung der Auswahl von Coach Groener nämlich insgesamt nicht ausreichend. Der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) war es nicht gelungen, mit der eigenen Abwehrleistung Dominanz auszuüben. In den Spielen zuvor waren die Deutschen immer besser als ihre Gegnerinnen, wenn die eigene Defensive funktionierte. Gegen Norwegen jedoch war das nicht der Fall, weshalb die Niederlage trotz des kämpferischen Einsatzes folgerichtig war.

Die deutschen Frauen haben bei dieser Weltmeisterschaft zum ersten Mal mehr als 30 Tore kassiert, weil sie durch die Belastungen der Vortage nicht mehr durchgängig in der Lage waren, ihre große Stärke zum Tragen zu bringen: die gute Beinarbeit. Die Norwegerinnen kamen zu einfach zu guten Torchancen, gegen ihr Tempospiel fanden die Deutschen kein Mittel. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zog Norwegen auf 25:20 davon – die Hypothek dieses Rückstands war zu groß, um ihn mit einem Kraftakt aufzuholen. Bis auf zwei Treffer (28:30) kam die DHB-Auswahl noch heran, eine Wende blieb aus.

Rückstand nimmt ab

Es half den deutschen Spielerinnen nicht, dass sie im zweiten Turnier unter der Regie von Groener weitergekommen sind. Der körperliche Rückstand auf die Top-Nationen ist geringer geworden, der eigene Spielplan hat klarere Konturen erhalten. Auf dem Weg, die deutschen Handballerinnen in der Weltspitze zu etablieren, ist der Niederländer vorangekommen. Dennoch wird das Turnier in schlechter Erinnerung bleiben, wenn das Spiel um Platz sieben am Freitag verloren geht.

Immerhin müssen die Schwedinnen ein ganz ähnliches emotionales Durcheinander entwirren. Parallel zur Begegnung der Deutschen gegen Norwegen konnten sie mit einem Sieg gegen Montenegro ins Halbfinale einziehen und galten nach den Eindrücken im bisherigen Turnierverlauf als favorisiert. Doch die Skandinavierinnen scheiterten an der eigenen Erwartungshaltung, verloren 23:26 und rutschen in ihrer Gruppe noch auf den vierten Rang hinter Montenegro ab.

Es wird am Freitag im Finale für Tokio also darum gehen, wer den Frust des geplatzten Halbfinaltraums besser verarbeitet hat. „Unser Ziel war der siebte Platz, und den können wir noch schaffen“, sagte Naidzinavicius. Sie versuchte, unmittelbar nach der Pleite gegen Norwegen entschlossen zu wirken. Das gelang nicht, aber bis zum letzten Spiel der Deutschen bei der Weltmeisterschaft in Japan waren zu diesem Zeitpunkt noch einige Stunden Zeit.