Thomas Wellbrock macht sich Sorgen um seine Gesundheit und die Zukunft.
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BerlinFlorian Wellbrock ist sehr nachdenklich geworden. „Eine Ansteckung könnte mehr kosten als meinen Olympiatraum“, sagte der Doppel-Weltmeister nach der coronabedingten Absage der für Ende des Monats geplanten Schwimm-DM in Berlin: „Angesichts der aktuellen Unsicherheiten ist mir Vorsicht definitiv lieber als Nachsicht.“

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hatte die Meisterschaften als Bahn zum Comeback des Sports verkauft, als „Zeichen des Aufbruchs und Rückkehr zur Normalität“ in schwierigen Zeiten. Am Sonnabend wurde das Event ersatzlos gestrichen - die Coronazahlen steigen rasant, die Meldezahlen sanken Richtung Beckengrund.

Die Absage wirft nochmals ein grelles Scheinwerferlicht auf die Profi-Serie ISL, die für ein fünfwöchiges Event Schwimmstars aus der ganzen Welt in den Corona-Hotspot Budapest einfliegen ließ. Der DSV hatte seine Athleten wegen „nicht kalkulierbarer Risiken“ ausdrücklich vor einer Teilnahme gewarnt.

Wellbrock wollte bei der DM starten, in Budapest aber nicht. Die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 und möglichen Spätfolgen selbst bei jungen Topsportlern ist groß. „Niemand weiß bislang genau, welchen Einfluss das auf die künftige Leistungsfähigkeit hat“, mahnte der 23-Jährige: „Wenn die Lunge dadurch künftig nur ein Prozent weniger leistet, gefährdet das die Karriere.“

Ex-Weltmeister Marco Koch, 30, Brustschwimmer und einer der DSV-Stars, sieht das anders: Er ist in Budapest. „Das ist der Grund, dass wir zu Hause zwei Tests machen mussten und hier für weitere Tests gleich weggesperrt wurden“, sagte er am Sonntag. „Ich habe noch von keinem Vorfall hier innerhalb der Blase gehört.“

Allerdings hatten beispielsweise der italienische Freistil-Superstar Federica Pellegrini, Peking-Olympiasiegerin Femke Heemskerk (Niederlande) und Ungarns junger Schmetterling-Weltrekordler Kristof Milak ihre Teilnahme nach positiven Coronatests absagen müssen. Pellegrini berichtete von starken Schmerzen, Milak von Fieber, Schwäche und Gewichtsverlust.

In Berlin siegte die Vernunft. „Der Schutz der Gesundheit stand stets im absoluten Mittelpunkt unserer Überlegungen“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen. „Angesichts der Entwicklungen mit deutschlandweit rasant steigenden Infektionszahlen, den damit verbundenen Unsicherheiten und den eindringlichen Appellen der Bundesregierung sehen wir uns veranlasst, die DM abzusagen.“

Ursprünglich waren die Titelkämpfe schon für April vorgesehen gewesen. „Dann erst mal lieber nur Wettkämpfe im kleineren Rahmen an den Bundesstützpunkten“, sagte Wellbrock.

Für die Magdeburger Freistilschwimmerin Isabell Gose war die Absage alternativlos. „Ich bin wirklich traurig, aber wenn ich durch eine Wettkampfreise krank werden würde, wäre mir ja auch nicht geholfen“, betonte die 18-Jährige, es sei „mit Sicherheit die richtige Entscheidung“.

Auf das ISL-Event in der Duna-Arena von Budapest wird das wohl keinen Einfluss haben, acht deutsche Schwimmer gehen dort ins Wasser. Zu verlockend sind das üppige Startgeld und die Aussicht auf hochklassige Wettkämpfe: „Ich bleibe bei meiner Meinung“, sagte Marco Koch.