Grozer lässt grüßen: Das deutsche Volleyball-Nationalteam jubelt.
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BerlinNoch vor dem Olympiaqualifikationsturnier, als die Coaches aller acht Volleyball-Nationalteams vorgestellt wurden, hatte Deutschlands Bundestrainer Andrea Giani dieser großen, rotbemalten, japanischen Puppenfigur über den Kopf gestreichelt, die dick und rund auf einem Stehtisch präsentiert wurde. Um die Puppe aus Pappmaché geht es bei diesem Turnier, bei dem es keine Trophäe zu gewinnen gibt, sondern einen Platz, den letzten Platz für eine europäische Volleyballmannschaft bei den Olympischen Spielen im August in Tokio. Die dicke Puppe heißt Daruma. Sie ist in Japan einer der beliebtesten Glücksbringer. Daruma gilt als Helfer bei der Erfüllung von Wünschen.

Und wenn es überhaupt so einen Zauber gibt, dann hat er die deutschen Volleyballer bislang durch das Turnier getragen. Denn nach einem wirklich fulminanten Auftritt im Halbfinale am Donnerstagabend fegte die deutsche Mannschaft Bulgarien mit 3:1 (25:20, 25:23, 20:25, 25:23) aus der Halle.

An diesem Freitag entscheidet sich im Finalduell mit Frankreich (20.10 Uhr, Sport 1), ob die Deutschen Volleyballer mit ihrem italienischen Trainer Giani im Sommer nach Tokio reisen. Die Franzosen hatten sich im zweiten Semifinale nach 0:2-Satzrückstand noch mit 3:2 gegen Slowenien durchgesetzt. Den Matchball für das französische Team hatte ein Spieler erzielt, der sonst im Trikot der BR Volleys in Berlin zu sehen ist: Mittelblocker Nicolas Le Goff.

Als dann die Partie der Deutschen gegen Bulgarien angepfiffen wurde, hatte sich schon mal der Wunsch von Mannschaftskapitän Lukas Kampa erfüllt. In der Max-Schmeling-Halle war alles so, wie es sich Deutschlands Zuspieler schon vor dem Turnier vorgestellt hatte. „Du siehst die vollen Oberränge. Leute, die uns anfeuern. Überall, wo man hinguckt unsere Farben.“ Knapp 4 300 Zuschauer waren gekommen, wieder deutlich mehr als in den Vortagen während der Gruppenspiele, als die Kulisse doch eher enttäuschend war.

Qualifikation der Frauen in Apeldoorn

Ohne Druck: Die deutschen Volleyballerinnen können ohne großen Druck in ihr letztes Vorrundenspiel in der Olympia-Qualifikation in den Niederlanden gehen. Schon vor der abschließenden Partie in Gruppe B am Freitag (13.30 Uhr) gegen das sieglose Kroatien ist die Mannschaft von Bundestrainer Felix Koslowski für das Halbfinale qualifiziert.

Mit Pausen: Damit sind die Deutschen nur noch zwei Schritte von der ersten Olympia-Teilnahme seit 16 Jahren entfernt. Nur der Turniergewinner von Apeldoorn qualifiziert sich für Tokio im Sommer. Koslowski könnte es sich gegen Kroatien erlauben, seiner Stammformation um Angreiferin Louisa Lippmann Pausen zu gönnen.

Und sie sahen: Georg Grozer, der zuletzt wegen Wadenproblemen pausieren musste, stand auf dem Feld. Sie sahen auch: Die Partie ohne ihn hatte der Mannschaft gutgetan. Denn die Deutschen spielten von Anfang an wesentlich variabler als in den ersten Partien. Auch die anderen schmissen sich mit Verve in die Partie, stellen sich ihrer Verantwortung. Und so bekam Denis Kaliberda an diesem Abend den ersten Kuss von Deutschlands Hauptangreifer Grozer. Ein Schmatz auf die Wange, mitten auf dem Feld. Den hatte sich der Außenangreifer für seinen Angriffsschlag zum 23:20 im ersten Satz verdient. Hochmotiviert blockte Kaliberda gleich den nächsten Angriff der Bulgaren zurück in deren Feld. Den Satzball verwandelte Kapitän Kampa mit einem Stupser.

Mit ähnlicher Konsequenz und großem Selbstbewusstsein zog die deutsche Mannschaft ihr Spiel im zweiten Satz durch. Perfekt dirigiert von Kapitän Kampa, der sich immer wieder mit Giani an der Seitenlinie austauschte, trugen alle ihren Teil zur Teamleistung bei: Tobias Krick und Marcus Böhme mit ihrem Blockspiel, Christian Fromm mit gewaltigen Aufschlägen und Angriffsbällen. Und als Libero Markus Steuerwald von einem Ball im Gesicht getroffen wurde und benommen wirkte, sprang einfach der Berliner Libero Julian Zenger ein.

Nachdem  sich die Bulgaren Satz drei erkämpft hatten, spitzte sich der vierte zu. Das Publikum riss es schon beim 21:18 von den Sitzen. Und wem blieb der letzte Ball des Abends vorbehalten? Dem Mann, der die wichtigen, die entscheidenden Bälle bekommt: den Matchball verwandelte – natürlich – Georg Grozer.  „Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir heute das Finale hier holen“, sagte er. Vielleicht hat die dicke Puppe in diesem Moment ein bisschen gewackelt.