Berlin - Anfang der Woche hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) die Ausschreibung für einen Einladungswettkampf in Berlin veröffentlicht. Bei der „DSV Olympiaqualifikation Beckenschwimmen“ vom 16. bis 18. April geht es um die die letztmögliche Chance im Kampf um die Startplätze bei den Olympischen Spielen in Tokio – vornehmlich für Kaderathleten. Danach ist das Zeitfenster für die Qualifikation geschlossen. Und wie es aussieht, werden nicht nur Zuschauer bei dieser Veranstaltung fehlen, sondern auch Thomas Kurschilgen. Denn wie der Berliner Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen bestätigt wurde, ist der bisherige Leistungssportdirektor des DSV am Dienstag von seinem Amt freigestellt worden.

Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen Stefan Lurz

Ein Sprecher des Deutschen Schwimm-Verbandes teilte am Mittwoch mit, „der DSV äußert sich dazu nicht, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelt“. Allein aus dieser Formulierung lässt sich jedoch ableiten, dass etwas in Gang gebracht wurde. Und ganz offenbar steht die Freistellung von Kurschilgen, 60, in Zusammenhang mit den Vorgängen um den ehemaligen Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

Laut der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel werfen mehrere Schwimmerinnen dem Würzburger Lurz sexuelle Übergriffe und psychische Manipulation vor. Lurz, der alle Vorwürfe bestreitet, war am Freitag von seinem Amt als Freiwasser-Bundestrainer zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt.

Im Zusammenhang mit Kurschilgen geht es nun um die Nachricht einer Schwimmerin, die im März 2019 von sexuellen Übergriffen durch Lurz berichtet haben soll. Laut Spiegel soll sie in einer Mail an Sportdirektor Kurschilgen davon erzählt haben, dass Stefan Lurz ihr unter das T-Shirt gegriffen und sie geküsst habe. Außerdem soll die Schwimmerin gegenüber Kurschilgen noch vier weitere Verdachtsfälle angesprochen haben.

Der DSV-Vorstand reagiert auf Vorwürfe

Laut Spiegel ging der Leistungssportdirektor diesen Hinweisen nicht mit Entschiedenheit nach. Es reiche eben nicht, so einen relevanten Vorgang an die entsprechende Stelle im Ehrenamt weiterzugeben und zu glauben, damit sei alles vom Tisch, war aus gut informierten Kreisen im DSV zu hören.

Der im November 2020 komplett neu gewählte DSV-Vorstand, dem neben Präsident Marco Troll aus Freiburg die Vizepräsidenten Claudia Boßmann aus Bedburg-Hau, Harald Walter aus Erlangen sowie Wolfgang Rupieper aus Cottbus angehören, hat umgehend nach Kenntnisnahme der Vorwürfe reagiert. In einer Pressemitteilung hatte der DSV angekündigt, mögliche Fälle im Bereich sexualisierter Gewalt vollumfänglich aufzuklären: „Das Thema Aufarbeitung ist in diesem Bereich von großer Bedeutung, denn Schweigen schützt die Falschen. Der DSV hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Kultur des Hinsehens zu schaffen, die Betroffene dazu ermutigt, über ihre Situation zu sprechen, potenzielle Täter*innen abschreckt und somit alle Akteure im Sport vor sexualisierter Gewalt schützt.“