Deutsches Abwehr-Chaos: Mit Unions Knoche wäre das (womöglich) nicht passiert

Schadenfreude in Köpenick? Aber nein, doch ist anzunehmen, dass der eiserne Abwehrchef für die DFB-Elf bei der WM in Katar ein Gewinn gewesen wäre.

Robin Knoche bejubelt sein Elfmetertor beim 1:0 in der Europa League gegen Sporting Braga.
Robin Knoche bejubelt sein Elfmetertor beim 1:0 in der Europa League gegen Sporting Braga.imago/Taeger

Hinterher ist man immer schlauer, klar, und alles nur noch Hypothese. In Bezug auf die Abwehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und die Personalie Robin Knoche darf aber noch mal darauf hingewiesen werden, dass an dieser Stelle die Nichtnominierung des eisernen Abwehrchefs schon vor dem Turnier als grob fahrlässig bezeichnet wurde. Dass es nicht nachzuvollziehen ist, warum Bundestrainer Hansi Flick bei der Zusammenstellung seines WM-Kaders über die Erfolgsgeschichte des 1. FC Union Berlin hinweggesehen hat. 

Schadenfreude? Nein, nur ist anzunehmen, dass Knoche aufgrund seiner Fähigkeiten, seiner sehr guten Form und aufgrund der zahlreichen Erfolgserlebnisse, die er mit den Köpenickern in den vergangenen Monate erleben durfte, für die deutsche Defensive allemal ein Gewinn gewesen wäre.

Süle war total überfordert

Nicht nur als Alternative für den total überforderten Niklas Süle beziehungsweise für den überschätzten und sich offenbar selbst überschätzenden Antonio Rüdiger, sondern die erste Option, um mit klarem Kopf die deutsche Defensive zu ordnen und bei der Zweikampfführung die notwendige Entschlossenheit einzubringen. Und das im Zusammenspiel mit Freiburgs Matthias Ginter, der zwar in Katar mit dabei sein durfte, aber aus unerfindlichen Gründen in den drei Vorrundenspielen nur für drei Minuten zum Einsatz gekommen ist. Und das als Einwechselspieler in der Nachspielzeit der Partie gegen Costa Rica.

Knoche wäre für den Moment jedenfalls genau der Richtige gewesen, um es einem Spieler wie Norbert Eder gleichzutun. Eder war vom damaligen Teamchef Franz Beckenbauer zur Überraschung aller für die WM 1986 nominiert worden, war während des Turniers Stammspieler und maßgeblich daran beteiligt, dass es die deutsche Elf bis ins Finale gegen Argentinien schaffte. 

Nehmt Euch an Beispiel an Marquinhos

Für die nahe Zukunft, also im Hinblick auf die Heim-Europameisterschaft in zwei Jahren, muss der Bundestrainer, wer auch immer demnächst in dieser Position in der Verantwortung stehen mag, schnellstmöglich eine konkurrenzfähige Defensive formieren. Mit jungen Profis, die sich bei ihrer Fortentwicklung ein Beispiel an den besten Abwehrspielern der Welt nehmen sollten. An Cracks wie dem Brasilianer Marquinhos, dem Senegalesen Kalidou Koulibaly (beide Innenverteidiger) oder dem Portugiesen João Pedro Cavaco Cancelo (Außenverteidiger). Kernaufgabe nennt man so etwas.

Flick sprach nach dem 4:2 gegen Costa Rica, das infolge des 2:1-Erfolgs der Japaner gegen Spanien das blamable Vorrunden-Aus zur Konsequenz hatte, übrigens von den „Basics“, die seine Mannschaft in der Defensive nicht eingebracht hätte. Basics ist bekanntermaßen das Lieblingswort von Unions Erfolgscoach Urs Fischer, der im Gegensatz zu Flick die Qualitäten des Basics-Beherrschers Knoche zu schätzen weiß.