Hamburg - Volles Feld, üppiges Preisgeld, aber kein Favorit: Das mit 650.000 Euro dotierte 152. Deutsche Derby ist ein Rätsel mit vielen Unbekannten. Dazu zählt auch der bei den Buchmachern favorisierte Alter Adler. Der Hengst des Bankiers Jürgen Imm ist von seinem Trainer Waldemar Hickst bisher ausschließlich in Frankreich eingesetzt worden. Doch was seine zwei Siege im Nachbarland wert sind, ist vor dem wichtigsten Rennen der deutschen Turfsaison am Sonntag (ca. 16.05 Uhr) auf der Galopprennbahn in Hamburg nur schwer einzuschätzen.

Keine Pferde aus England dabei

Alter Adler und sein französischer Jockey Theo Bachelot könnten von dem Ausfall gleich mehrerer Sieger in wichtigen Vorbereitungsrennen profitieren. So fehlt Best of Lips, der vor drei Wochen in Köln mit dem Union-Rennen den wichtigsten Derbytest in beeindruckender Manier für sich entscheiden konnte. Eine Stauchung verhindert einen Start.

Nicht dabei sind auch aufgrund der Corona-Einreisebestimmungen vierbeinige Gäste aus England. „Wir wären gerne gekommen, aber man will uns nicht“, sagte etwa Trainer William Haggas, der seinen Crack Alenquer jetzt in Paris laufen lässt. Wobei es nicht um die Anreise der Pferde geht, sondern um die der Betreuer und Jockeys. Eine längere Quarantäne will niemand in Kauf nehmen.

So führt Alter Adler die einheimische Favoritenliste an, die aus zum Großteil noch unbekannten Namen besteht. Einzig Sea of Sands, einer von drei Kandidaten des in Mülheim/Ruhr trainierenden Jean-Pierre Carvalho, hat bereits ein zur internationalen Kategorie zählendes Gruppe-Rennen gewonnen. Der Dreijährige hat folgerichtig das höchste Ranking und trägt die Startnummer eins.

Nicht mehr als 1000 Zuschauer pro Tag

Mit Sky Out, der dem im Vorjahr erfolgreichen Bergheimer Gestüt Schlenderhan gehört, läuft sogar ein Pferd, das überhaupt noch nie gewonnen hat. Zur Vorsicht lässt man in dem Franzosen Ronan Thomas den Jockey einfliegen, der im Juli 2020 an gleicher Stelle den siegreichen Zuchtgefährten In Swoop geritten hat.

Teuer wird das Rennen in jedem Fall für die Familie Norman, Eigner von Lord Charming. Der Hengst aus dem Stall von Trainer Peter Schiergen war zum ursprünglichen Nennungsschluss im September nicht gemeldet worden. Er wurde erst am Montag für 65.000 Euro ins Feld genommen. Normalerweise beträgt das Startgeld 7500 Euro. „Die Familie hat sich einstimmig dafür entschieden“, sagte Co-Eigner Reginald Graf von Norman: „Wir glauben schon, dass wir vorne mit dabei sind.“ Mindestens Dritter muss er werden, wenn sich das Investment tragen soll.

Den Veranstalter freut die verspätete Nachmeldung, fließt das Geld doch in die Vereinskasse. Und die hat es nötig, denn bei dem viertägigen Derby-Meeting sind pro Tag nicht mehr als 1000 Zuschauer erlaubt.