Berlin - Eintracht Frankfurt will in einer magischen Nacht vor den eigenen Fans ins Finale stürmen, RB Leipzig dagegen im Hexenkessel Ibrox vor 50.000 fußballverrückten Schotten bestehen. Die Stimmung auf den Rängen könnte beim letzten Schritt zu einem deutschen Endspiel zwar unterschiedlicher kaum sein, doch beide Bundesligisten eint die Sehnsucht nach dem silbernen Pokal – und der Traum von Sevilla.

Bei der Eintracht wollen sie sich die Chance, erstmals seit 1980 wieder in ein Europacup-Endspiel einzuziehen, auf gar keinen Fall mehr nehmen lassen. Die Mannschaft brenne auf das Halbfinale-Rückspiel gegen West Ham United am Donnerstag (21 Uhr/RTL), versicherte Trainer Oliver Glasner. Doch so kurz vor dem möglichen Höhepunkt der spektakulären Reise der Europa-League-Experten vom Main sei es wichtig, „nicht zu überdrehen“.

Eintracht könnte sich erstmals für Champions League qualifizieren

Es lockt schließlich nicht nur der silberne Pott, als Titelträger würde sich die Eintracht zudem erstmals für die Champions League qualifizieren – und damit all die Ligasorgen vergessen machen. Zudem bietet sich Frankfurt und Leipzig die Chance, im „kleinen Europapokal“ erstmals seit 2009 wieder für eine deutsche Beteiligung im Endspiel zu sorgen.

Kaum ein Verein lebt diesen Wettbewerb so intensiv wie die Eintracht, das zeigt sich auch vor West Ham. SGE-Vorstand Axel Hellmann sprach von einem „Heimspiel, das in dieser Form, seit ich bei der Eintracht bin, einmalig ist“. Aus seiner Sicht wäre der Finaleinzug „ein absoluter Meilenstein“ in der Klubgeschichte.  Dementsprechend prominent werden die Ränge im WM-Stadion von 2006 am Donnerstag besetzt sein. Die Uefa kommt mit Präsident Aleksander Ceferin, Generalsekretär Theodore Theodoridis und dessen Stellvertreter Giorgio Marchetti. Er nehme dies als Anerkennung für die sportlichen Glanzlichter sowie die Haltung des Fußballvereins im Europapokal, sagte Hellmann. „Das empfinden wir als besondere Ehre und werden wir entsprechend handhaben.“

Ausruhen können sich die Hessen nach dem beeindruckend souveränen Erfolg (2:1) im Hinspiel aber keineswegs. Zumal Martin Hinteregger nach Erkältung zwar wieder zurück ist, Jesper Lindström womöglich aber verletzt ausfallen wird. Glasner forderte, „dass wir hier auf Sieg spielen von der ersten Sekunde an. Wir ruhen uns nicht auf dem Ergebnis aus.“

Steigern müssen sich die zuletzt strauchelnden Leipziger, im Ibrox werden die Sachsen leiden müssen. Der Gedanke daran schüchtert sie aber nicht ein. „Wir haben keine Angst, wir freuen uns darauf“, hatte RB-Trainer Domenico Tedesco nach dem 1:0-Sieg im Halbfinal-Hinspiel gegen die Glasgow Rangers angekündigt. Vor dem Rückspiel in Schottland am Donnerstag (21 Uhr/RTL+) mahnte Torwart Peter Gulacsi jedoch an, die Leipziger wüssten, „dass es dort sehr schwer und heiß wird“. Die Rangers haben ihren Traum vom ersten Finale seit 2008, als sie das Spiel um den Uefa Cup gegen Zenit St. Petersburg verloren, schließlich noch nicht aufgegeben.

Leipzig vor schwerer Aufgabe im Glasgower Ibrox-Stadion

Die Schotten, die in Leipzig hauptsächlich mauerten, müssen sich aber steigern und unbedingt treffen, um weiterzukommen. Das ausverkaufte Ibrox wird den 55-maligen Meister dabei nach vorne brüllen – das weiß auch Tedesco: „In einem Halbfinale gibt es keine Geschenke. Wir haben das erste Spiel für uns entscheiden können, das war ganz, ganz zäh“, sagte der Coach der ARD: „Ich glaube, das wird ein anderes Spiel.“

Nach den schwächeren Liga-Auftritten ergibt sich für die Sachsen in der Europa League dazu „noch ein anderer Weg, um in die Champions League zu kommen“, wie Gulacsi betonte. Daher müsse seine Mannschaft „einfach cool bleiben“ und „besser spielen“ als noch gegen Gladbach. Dann – und nur dann – hätten die Leipziger „gute Chancen, ins Finale zu kommen“.