Die deutschen Handball-Nationalspielern bejubeln ein versöhnliches EM-Ende.
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StockholmAm Ende einer langen EM-Reise freuten sich die deutschen Handballer eher leise und verhalten über ihren fünften Platz. Nach dem 29:27 (14:13) gegen die Überraschungsmannschaft aus Portugal und drei intensiven Wochen mit zehn Spielen dachte Philipp Weber allerdings noch nicht an die bevorstehende Heimreise am Sonntag, sondern „an ein schönes, kaltes Bier in der Kabine“.

Bundestrainer Christian Prokop war zufrieden mit dem, was er im letzten Turnierspiel gesehen hatte, auch wenn es die eine oder andere Schwachstelle gab. „Es ist immer besser, mit einem Sieg rauszugehen als mit einer Niederlage“, sagte der Bundestrainer am ARD-Mikrofon. Seine Mannschaft habe bei der EM „einen hervorragenden Weg genommen, aber es gab natürlich auch Defizite.“

Er habe viele wichtige Erkenntnisse gewonnen, „wo wir in den nächsten zweieinhalb Monaten bis zur Olympia-Qualifikation ansetzen müssen“, sagte Prokop: „Alle wollen natürlich zu Olympia, das ist unser ganz großes Ziel.“ Im April in Berlin gibt es gegen EM-Halbfinalist Slowenien, Schweden und einen Afrika-Vertreter (Algerien oder Angola) drei K.o.-Spiele um einen der beiden ersten Plätze, die das Ticket nach Tokio sichern.

Die deutsche Mannschaft ließ gegen die körperlich robusten Portugiesen keinen Zweifel daran, dass sie unbedingt gewinnen wollte. Der in vielen Abwehrschlachten bewährte Kieler Innenblock mit Patrick Wiencek (Knie) und Hendrik Pekeler (Achillessehne) aber fehlte an allen Ecken und Enden, die Deckung organisierten stattdessen Paul Drux und Johannes Golla. Allerdings hatte die deutsche Abwehr insgesamt einige Abstimmungsprobleme und bekam vor allem das Spiel der Portugiesen mit dem immer gefährlichen Alexis Borgas nicht so recht in den Griff.

Alle im Dienst der Mannschaft

Im Tor begann Andreas Wolff, der zuletzt seinen Platz zwischen den Pfosten für Team-Oldie Johannes Bitter geräumt hatte und eine EM mit Licht und Schatten spielte. Gegen Portugal steigerte sich Wolff in seinem 100. Länderspiel noch einmal in eine gute Form, musste aber in der Schlussphase erneut für Bitter weichen, der mit einigen guten Paraden die für ihn überaus gelungene EM zu einem guten Abschluss brachte.

Im Angriffsspiel konnte die deutsche Mannschaft mit vielen Varianten überzeugen, und trotz der Schwächen in der Abwehr entwickelte sich gegen schnelle und torgefährliche Portugiesen ein spannendes und unterhaltsames Spiel, in dem Deutschland in der ersten Halbzeit nicht einmal in Rückstand geriet. „Wir waren gut drin, haben immer geführt, nur die letzten Minuten haben wir die Portugiesen wieder rankommen lassen“, sagte Wiencek zur Pause am ARD-Mikrofon: „Wir müssen in der Abwehr noch ein bisschen mehr zupacken.“

„Generell haben sich im gesamten Turnierverlauf alle in den Dienst der Mannschaft gestellt“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer in der Pause am ARD-Mikrofon. Man habe lediglich gegen die beiden Finalisten Spanien und Kroatien verloren, die „im Moment tatsächlich die internationale Spitze darstellen“.

Die Olympia-Qualifikation macht Kromer keine Angst: „Wir wissen, dass wir mit diesen Mannschaften mithalten können.“ Außerdem könne man in Berlin „von einer Riesenkulisse ausgehen“. Wiencek ist ebenfalls zuversichtlich: „Ich glaube, man hat hier gesehen, dass wir ja doch ganz gut Handball spielen können.“