KoldingHeimreise statt Halbfinale: Der Medaillentraum der deutschen Handballerinnen bei der EM in Dänemark ist vorzeitig geplatzt. Dem Team von Bundestrainer Henk Groener versagten beim 20:23 (12:12) im Hauptrunden-Showdown gegen Kroatien die Nerven. Statt erstmals seit zwölf Jahren in die Medaillenspiele einer Europameisterschaft einzuziehen, endete ein großes Turnier erneut mit einer Enttäuschung.

Auch Spiel um Platz fünf verpasst

„Ich habe keine Worte, Gratulation an Kroatien,“ sagte die niedergeschlagene Kapitänin Kim Naidzinavicius: „Sie waren in allen Punkten besser als wir. Sie haben das Halbfinale mehr verdient als wir. Es war in allen Bereichen zu wenig von uns.“

Auch neun Treffer der besten deutschen Werferin Julia Maidhof verhalfen am Dienstagabend im dänischen Kolding nicht zum anvisierten Halbfinaleinzug. Das mögliche Spiel um Platz fünf verpasste die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die unmittelbar nach der Pause mental und körperlich einbrach, ebenfalls.

Neben Kroatien qualifizierte sich der noch ungeschlagene EM-Rekordchampion Norwegen als Sieger der Hauptrunden-Gruppe II für die Runde der letzten Vier. Ein deutsches Frauen-Team hat zuletzt bei der EM 2008 in Mazedonien das Halbfinale erreicht, damals holte es den vierten Platz.

Die DHB-Auswahl war nur 24 Stunden vor dem Kroatien-Spiel bereits Weltmeister Niederlande unterlegen (27:28), hatte auch dank des 32:25 gegen Ungarn zum Auftakt in die heiße Turnierphase aber das Weiterkommen in der eigenen Hand.

Deutschland zunächst in Führung

Die endgültigen Voraussetzungen für das Weiterkommen waren unmittelbar vor dem Spiel geklärt. Durch das 35:24 der Niederlande gegen Rumänien benötigten die DHB-Frauen einen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied. Nicht nur das machte die Aufgabe gegen das Überraschungsteam schwerer.

Während der DHB-Auswahl nur eine Nacht zum Verschnaufen zwischen ihrer zweiten und entscheidenden Hauptrunden-Partie blieb, konnten die Kroatinnen sich seit Sonntag voll und ganz auf das Duell mit Deutschland vorbereiten.

Weil das Groener-Team defensiv stabil stand und vorne anfangs recht sicher traf, erarbeitete es sich zunächst eine Führung. Über das 4:2 (9.) kämpften sich die DHB-Frauen auf 7:5 (14.) und 8:6 (17.) weg, während einer doppelten deutschen Unterzahl glich Kroatien aber aus (8:8/19.).

"Wir müssen sie weg vom Kreis ziehen", forderte Groener der ersten Auszeit von seinem Team - und meinte damit eine flexiblere Spielweise im Angriff. Dort kam sein Team immer wieder durch die sichere Siebenmeterschützin Maidhof zum Erfolg, zu selten aber durch ein geduldiges Spiel im Positionsangriff. Maidhof erzielte die Hälfte aller deutschen Tore im ersten Abschnitt vom Strich.

Doch wieder einmal nutzte das deutsche Team klarste Chancen nicht. Der Start in die zweite Hälfte missglückte dann völlig. Deutschland lag nach knapp zehn Minuten ohne eigenen Treffer 12:17 (39.) zurück - es fehlten also schon sieben Tore zum Weiterkommen. Als dann auch Maidhof bei ihrem siebten Siebenmeter erstmals scheiterte, richteten sich die Blicke endgültig nach unten.