Der Deutschland Cup stellt alle Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft vor das gleiche Problem: Knappe zwei Monate nach dem Saisonstart nehmen die Verletzungen und Wehwehchen zu. Zahlreiche Leistungsträger sollen die Pause deshalb nutzen, um sich auszukurieren, anstatt bei diesem Traditionsturnier aufzulaufen, das seit vergangenem Jahr in Krefeld ausgetragen wird.

Toni Söderholm, 41, der finnische Bundestrainer des deutschen Teams, versteht die einmal mehr angespannte Personallage nicht als Bürde bei seiner Turnierpremiere. „Es ist die erste Möglichkeit für die Spieler, sich für die nächste WM zu bewerben“, sagt er vor dem Auftakt gegen Russland am Donnerstag (19.45 Uhr, Sport 1). Für diese Partie, genauso wie für die Duelle mit der Schweiz (Sonnabend) und der Slowakei (Sonnabend) erwartet er entsprechend einsatzwillige Spieler, die die Abwesenheit der NHL-Cracks und zahlreicher WM-Teilnehmer nutzen wollen. „Im Hintergrund steht auch Olympia. Auch dafür sind es die ersten Schritte“, weiß Söderholm.

Söderholm sucht neue Führungskräfte

Eine derartige Planungssicherheit beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ist eine von vielen Nebenwirkungen des Aufschwungs dieser Sportart. Musste sich Vorgänger Marco Sturm mit seinem Team noch mühsam durch die Qualifikation für die Spiele 2018 in Pyeongchang quälen, hat sich Söderholms Mannschaft mit dem Viertelfinaleinzug im Vorjahr in der Slowakei den Zuschlag für Peking gesichert. Entsprechend kann der begnadete Eishockey-Tüftler schon jetzt mit der langfristigen Planung beginnen.

Bei allen anstehenden Großveranstaltungen hofft Söderholm natürlich darauf, auf möglichst viel NHL-Personal zurückgreifen zu können. Allerdings entscheidet sich von Jahr zu Jahr erst kurzfristig, auf wen das deutsche Team bei einer WM bauen kann; abhängig vom Abschneiden der jeweiligen Teams bei den Play-offs. Ob die Übersee-Profis bei Olympia 2022 dabei sein dürfen, steht noch nicht fest. 2018 hatte die nordamerikanische Liga ihren Profis ja untersagt, daran teilzunehmen.

Berliner Duo im Einsatz

Umso wichtiger ist es also, auf Führungsspieler setzen zu können, die hierzulande tätig sind. Marcel Noebels und Jonas Müller gehören dazu. Die Eisbären sind Teil des Sextetts beim Deutschland Cup, das auch bei der WM 2018 spielte − Leo Pföderl muss angeschlagen passen. Zusätzlich braucht es aber eben jene Spieler, die bislang eher unter dem Radar spielen, aber eines Tages Verantwortung tragen können. „Ich bin immer blauäugig bei den eigenen Spielern“, sagt Söderholm. Für ihn und die entsprechenden Spielern ist der Deutschland Cup die richtig Plattform zum Ausprobieren. Da sind auch die vielen fehlenden Leistungsträger verschmerzbar.