Tiflis - Spätestens in der 41. Minute war das große Zittern um die angestrebte Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich vorläufig abgewendet. Thomas Müller hatte gerade das 2:0 erzielt, mit einer seiner typisch unorthodoxen Müllerbewegungen. Klar war damit, dass die deutsche Nationalmannschaft ihren kleinen Abenteuerausflug nach Georgien mit einem Sieg beschließen würde. Denn der Gegner, auch das war da ja schon abzusehen, würde den Weltmeister nicht mehr ernsthaft in Verlegenheit bringen können.

Durch das am Ende nicht durchweg überzeugende und schmucklose, aber seriös erwirtschaftete 2:0 (2:0) am Sonntagabend in Tiflis ist die Tabellenlage in der Gruppe D zwar noch immer nicht komfortabel. Aber die Tore von Marco Reus (36.) und Müller (41.) haben immerhin zu einer leichten Entspannung geführt. Auch das von Bundestrainer Joachim Löw vor der Partie betonte Ziel, die Qualifikation als Gruppenerster abzuschließen, ist immerhin ein klein wenig näher gerückt. „Wir haben das Spiel klar dominiert und hatten es klar im Griff“, sagte Löw und lobte die Leistung seiner Spieler als „aufmerksam und konzentriert“. Da konnte er auch darüber hinwegsehen, dass das Ergebnis in der zweiten Halbzeit nur noch verwaltet worden war, wie Löw anmerkte.

Nötig gewesen für den Erfolg im ersten Pflichtspiel des Jahres war eine Steigerung gegenüber dem holprigen 2:2 im Test gegen Australien. Anders als am vergangenen Mittwoch in Kaiserslautern bot Löw nun wieder eine Viererkette in der Abwehr auf, nachdem der Dreierverbund beim bewussten Experimentieren gegen den Asienmeister vor fünf Tagen ein paar Mal havariert war. Der Kölner Jonas Hector besetzte dabei die linke, Hoffenheims Sebastian Rudy die rechte Seite. Und im Mittelfeld kam der neue Kapitän Bastian Schweinsteiger zu seinem ersten Einsatz seit dem WM-Finale, erstmals geschmückt mit der Binde am Arm.

Defensiv war es vor den anfangs lärmenden 55 000 Zuschauern im Nationalstadion von Tiflis für die deutsche Elf nicht die große Herausforderung gewesen. Dafür aber schien die Partie zunächst zu einer Veranstaltung zu werden, bei der sich Löws Spieler im Auslassen von Torchancen überbieten wollen.

Gegner ohne Torschuss

Bis zur Führung von Reus durch einen bedachten Abschluss und nach einem Solo von Mario Götze war der Ball schon ein halbes Dutzend Mal auf das Tor der Gastgeber geflogen. Manchmal fehlte dabei, wie beim Lattenschuss von Reus, ein wenig Glück. Einige Male aber war es vor allem ein Mangel an Kühlheit, weshalb das 0:0 zunächst recht lang Bestand hatte.

Nach der Führung allerdings schlug sich der Leistungsunterschied beider Mannschaften rasch in einem standesgemäßen Ergebnis nieder. Der sehr umtriebige Müller belohnte sich dabei mit seinem Tor zum 2:0, als er noch vor dem Seitenwechsel von der Strafraumgrenze flach abschloss. Allerdings ebenfalls symptomatisch für das Spiel, bekam Müller nach einem gescheiterten Passversuch den Ball eher zufällig vom Gegner wieder zum Schuss vorgelegt.

Die personell nicht in Bestbesetzung angetretenen Georgier versuchten zu Beginn der zweiten Hälfte zwar, den Anschluss zu erzielen. Doch die abgesehen von ein paar wenigen Wacklern zu Beginn konzentrierte Defensive der deutschen Elf ließ die Mannschaft des ehemaligen Frankfurter Profis Kakhaber Tskhadadze kaum zum Abschluss kommen. Wirklich eingreifen musste Manuel Neuer gar nicht. „Wir haben nicht einen Torschuss zugelassen“, sagte der Torwart zufrieden. Jedenfalls keinen, der auf das Tor kam.

Eine stabile Defensive und einige hübsche Aktionen im Spiel nach vorne hatten genügt, um den Pflichterfolg herzustellen. Der hätte zwar deutlicher ausfallen können, auch Götze traf ja noch die Latte. Zu erkennen war aber ebenso, dass der gefeierte Weltmeister trotz der Steigerung weiterhin ein gutes Stück von der WM-Form entfernt ist. Löw bekümmert das nicht sehr, er hält die Leistungsdelle für völlig normal. Bis zur EM in Frankreich sind es ja auch noch 15 Monate. Ein wichtiges Stück näher gekommen ist seine Mannschaft dem Turnier in Tiflis aber durchaus. „Es ist ein guter Schritt, aber das ist erst der Anfang und nicht mehr“, sagte Jérôme Boateng.

Angesichts der fix um sich greifenden Zufriedenheit über das Ergebnis blieben auch die ärgerlichen Zwischenfälle nur eine Marginalie: Den Georgiern gelang es während der gesamten Spieldauer nicht, die Fans auf den Rängen rigoros von den Spielern auf dem Rasen zu trennen. Bereits vor dem Anpfiff, während der Partie und nach dem Abpfiff joggte ein gutes halbes Dutzend Flitzer auf den Platz. „Das ist einfach störend. Das passiert vielleicht mal. Aber zuletzt waren es zu viele“, nörgelte Löw, „das stört auch die Spieler. Und ist manchmal auch nicht ganz ungefährlich. Das wünscht man sich nicht.“