Charkow - Die deutschen und niederländischen „Saunafreunde“ erwartet der zweite „Aufguss“, der Rest der hitzegeplagten EM-Kicker kann sich erst einmal abkühlen. Nachdem Philipp Lahm und Lukas Podolski im Anschluss an das erste EM-Spiel gegen Portugal (1:0) über ein Klima „wie in der Dampfsauna“ geklagt hatten, werden die Deutschen auch am Mittwoch gegen die Niederlande trotz der späten Anstoßzeit (20.45 Uhr/ZDF) mit Temperaturen um die 30 Grad zu kämpfen haben.

Hitze folgt Deutschland

Dabei scheint es fast so, als würde die Hitze der deutschen Auswahl folgen. Denn in Lwiw, wo am Mittwoch die Dänen auf die Portugiesen treffen, sind die Temperaturen mittlerweile auf angenehme 18 bis 20 Grad gesunken. Auch in Posen und Danzig werden bei den nächsten EM-Partien am Donnerstag lediglich um die 15 Grad erwartet.

Richtig heiß mit mehr als 30 Grad beibt es nur in Donezk, wo aber erst wieder am Freitag (Ukraine gegen Frankreich) dem Ball hintergerannt werden muss. Am meisten werden die Deutschen vor allem deshalb leiden müssen, weil sie erneut aus dem wohltemperierten Danzig in die ukrainische Hitze reisen.

Kritik an Reiseplanung

„Ein Klimawechsel kann natürlich mit einer Befindlichkeitsveränderung einhergehen. Dadurch kann es zu einer Leistungseinschränkung kommen. Der Flüssigkeitshaushalt verändert sich dann auch“, sagte Oberarzt Joachim Latsch vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln dem SID.

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Nicht zuletzt deshalb sieht es Latsch kritisch, dass der deutsche Tross erst einen Tag vor dem Spiel nach Charkow gereist sind. „Bei normalen Sportlern ist das häufig noch abfangbar. Aber bei Leistungssportlern macht es durchaus Sinn, sich schon vorher zu akklimatisieren“, erklärte der Mediziner.

Wesentlich drastischer drückte sich der der niederländischen Leistungsdiagnostiker Adrie van Diemen aus. „Es ist absolut unverständlich, sein Lager 1300 Kilometer vom Spielort entfernt in Krakau aufzuschlagen“, sagte er dem „Algemeen Dagblad“.

Für Löw ist es kein Thema

Nicht nur die Reisestrapazen, sondern auch die klimatischen Unterschiede könnten sich als Problem für die Elftal erweisen. „Im Hochleistungssport geht man stets an die Leistungsgrenze, die Vorbereitung muss ideal sein. Ich begreife überhaupt nicht, wie es ihnen in den Kopf gekommen ist, so etwas zu tun.“

Laut Latsch kann es sein, „dass es aufgrund der höher empfundenen Belastung zu Konzentrationsschwächen kommt.“

Keine große Sache macht Joachim Löw um die Hitzedebatte. „Das Klima ist für uns kein Thema. Alle haben die gleichen Bedingungen“, sagte der Bundestrainer, dem der englische Coach Roy Hodgson nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen Frankreich in Donezk fast wortgleich zustimmte.

Tropische Bedingungen

Allerdings müssen Löw und Hodgson auch nicht spielen. Löws Schützlinge sehen der erneuten Hitzeschlacht skeptischer entgegen. „Es ist noch anstrengender, die 90 Minuten voll da zu sein“, sagte Mats Hummels. Lahm gab nach dem Portugal-Spiel von Deutschland zu verstehen, dass ihm „die Schwüle schon zu schaffen gemacht“ habe. (sid)