Berlin/Kairo - Wenn das Drumherum vom ersten Turniertag an aufregender ist als das sportliche Geschehen, dann kann irgendetwas nicht stimmen. Wenn sich tagsüber die Diskussionen um immer neue Corona-Fälle beziehungsweise um die offensichtlich eklatanten Schwächen im Hygienekonzept des Gastgebers drehen, bevor am Abend dann endlich Handball gespielt wird, drängt sich dann doch schnell die Frage auf: Macht diese Weltmeisterschaft überhaupt Sinn? Oder: Ist es nach drei Tagen Weltmeisterschaft nicht schon an der Zeit, dem ägyptischen Spuk ein schnelles Ende zu bereiten? 

Vor dem Auftaktspiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Uruguay, das am Freitagabend mit einem standesgemäßen 43:14 (16:4) zu Ende ging, waren nach den coronabedingten Absagen der Teams aus den USA und Tschechien weitere Mannschaften in den Fokus der kritischen Beobachter gerückt. Die Dänen beispielsweise, bei denen Linksaußen Emil Jakobsen positiv getestet wurde. Was zur Folge hatte, dass er selbst und sein Zimmerkollege Morten Olsen vom Team des amtierenden Weltmeisters isoliert wurden.

Bob Hanning: „Wir müssen jetzt die Luft anhalten“

Bei der kapverdischen Nationalmannschaft hatte die Testung indes gleich vier positive Fälle hervorgebracht. Was zur Folge hatte, dass auch die deutsche Delegation etwas nervös wurde. Gegen die Kap Verde soll die DHB-Auswahl nämlich am Sonntag um 18 Uhr ihr zweites Gruppenspiel bestreiten. Ein Ausschluss der Afrikaner, so kommunizierte das der Weltverband (IHF) nach einer mehrstündigen Beratung, komme aber nicht infrage, weitere Tests hätten nur negative Ergebnisse gebracht. Immerhin konnte der deutsche Verband erwirken, dass der „gefährliche“ Gegner nicht im selben Hotel, sondern in einem Quarantäne-Hotel untergebracht wurde.

Das Thema Corona sei tatsächlich „sehr präsent“, gestand Nationalspieler Kai Häfner schon am Freitagvormittag, wie seine Teamkollegen hatte auch er aus Gründen der Vorsicht sein Frühstück auf dem Hotelzimmer eingenommen. Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, DHB-Vizepräsident und Befürworter dieser WM, wiederum erklärte am Abend in der ARD: „Alles, was wir angesprochen haben, wird umgesetzt. Ich glaube, das Risiko ist nicht hier drin, sondern kommt dann eher von draußen hier rein. Gerade dann, wenn Mannschaften wie Kap Verde dann hier in das Hotel einziehen mit Fällen. Das ist eher das Risiko.“ Schließlich fügte der der 52-Jährige noch Folgendes an: „Wir müssen jetzt die Luft anhalten und hoffen, dass das alles gutgeht. Wir haben bei der IHF deutlich zu verstehen gegeben, dass wir unsere Spieler nicht gefährden werden. Ich bin aber guter Dinge, dass sich das alles jetzt einspielen wird. Der Weltverband will jetzt ja täglich die Spieler testen.“

Wir hoffen immer noch, dass das Spiel nicht stattfindet, weil wir uns bei der Sache nicht wohlfühlen.

Johannes Bitter zum Spiel gegen die kapverdische Auswahl

Ach ja, der Handball: Vor leeren Rängen hatte das Team von Alfred Gislason tatsächlich überhaupt keine Probleme mit den WM-Debütanten. Die uruguayischen Nationalspieler, die den Status semiprofessionell tragen und im Alltag nur dreimal die Woche trainieren, waren einfach nicht schnell genug auf den Beinen, technisch zu schwach, als dass sie ernsthafte Gegenwehr hätten leisten können. Der eine oder andere von den Männern in Himmelblau schleppte sogar ein Bäuchlein übers Parkett, aber nun gut: Wer in dieser Sportart eine WM auf 32 Teilnehmer aufbläht, muss sich eben auch nicht wundern, wenn der Qualitätsunterschied zwischen zwei Teams so eklatant ist wie an diesem Freitagabend.

Profi trifft Freizeitspieler, Rückraum-Goliath Julius Kühn aus Melsungen, der wiederholt mit knallharten Sprungwürfen abschloss, trifft auf Torhüter-David Felipe Gonzalez, der aber hin und wieder doch eine Hand oder einen Fuß an den Ball brachte, zu Beginn auch noch zu seinem ganz großen persönlichen Glück einen Siebenmeter von Uwe Gensheimer parieren konnte und sogar zum „Man of the Match“ gewählt wurde. Erfolgreichster Schütze der deutschen Auswahl war mit neun Toren schließlich Timo Kastening.

Johannes Bitter, der für Andreas Wolff, den Gislason zur Schonung gar nicht in den Spieltagskader berufen hatte, das deutsche Tor hütete, vertritt im Hinblick auf das Spiel gegen die Kap Verde übrigens eine ganz klare Meinung, er sagte: „Wir hoffen immer noch, dass das Spiel nicht stattfindet, weil wir uns bei der Sache nicht wohlfühlen.“