Moskau - Der Titelverteidiger .....

Ausgangslage

Deutschland will die 0:1-Niederlage zum WM-Auftakt gegen Mexiko vergessen machen. Mit einem Sieg, und der soll durch Energie und Körpersprache zustande kommen.   

Deutschland will als drittes Land (nach Italien 1938 und Brasilien 1962) den WM-Titel verteidigen. Doch die deutsche Elf sah zum Auftakt der Mission „fünfter Stern“ anders aus, als von Bundestrainer Joachim Löw geplant: Denn Jonas Hector musste erkrankt im Teamhotel bleiben, dafür startete der Herthaner Marvin Plattenhardt auf der linken Abwehrseite in sein erst siebtes Länderspiel. Ob das den Weltmeister gegen Mexiko irritieren würde?

Ergebnis

0:1 (0:0). Im zwölften Aufeinandertreffen verliert die deutsche Nationalmannschaft zum zweiten Mal gegen Mexiko, zum ersten Mal seit 1982 gegen Algerien beginnt eine WM mit einer Niederlage. Damals schafften sie es noch ins Finale, die Auftaktleistung 36 Jahre später gibt aber wenig Hoffnung. Woran Bundestrainer Joachim Löw arbeiten muss? 

Erste Hälfte

Es waren die erfahrenen Kräfte, die in der deutschen Mannschaft schwächelten. So verträumte etwa Innenverteidiger Mats Hummels den ein oder anderen Sprint seines Gegenspielers. Gleich nach einer Minute musste Jérôme Boateng grätschend gegen Hirving Lozano retten. Auch in der Folge löcherten die Mexikaner mit ihrem schnellen Konterspiel und Pässen in die Tiefe Deutschlands behäbige Defensive. In der 35. Minute war dann nach einem Ballverlust von Sami Khedira kein Boateng mehr in der Nähe, sondern nur Mesut Özil, sodass Lozano einschießen konnte. Kurz darauf klatschte zwar ein von Toni Kroos getretener Freistoß von den Fingern von Mexiko-Keeper Guillermo Ochoa an die Latte, doch war die Führung Mexikos zur Pause verdient.

Zweite Hälfte

Wie schon nach dem Rückstand staffelte sich Deutschlands Offensive nach dem Seitenwechsel zum Powerplay. Anstatt es aber zwischendurch mit Tempo zu versuchen, verloren sich die Angriffe in der Horizontale. Daher waren es erst die Mexikaner, die zwar selten, aber doch gefährlicher vorstießen. Im deutschen Strafraum scheiterten sie weniger an den deutschen Verteidigern als an ihrer Unzulänglichkeit beim genauen Passspiel. In den letzten 25 Minuten schwanden allerdings die mexikanischen Konterkräfte, und Löws Spieler versuchten sich aus allen Lagen. Mal gefährlicher (Kroos, Timo Werner und Joshua Kimmich), mal ungefährlicher (Draxler und Marco Reus). 

 Analyse

Mit einer perfekten Kopie der deutschen 7:1-Strategie bedrängte Mexiko den Weltmeister. Wie Deutschland vor vier Jahren beim überragenden Sieg gegen Brasilien setzen die Mexikaner auf Ballgewinne und eine schnelle Überbrückung des Mittelfelds: nur 36 Prozent Ballbesitz in der ersten Hälfte, aber ein knappes Torschussübergewicht (10:8) und ein deutliches Chancenplus. Khedira und Kroos wussten im Zentrum oft nicht, wohin. Was auch an den Außen Thomas Müller und Julian Draxler lag, die ihren Gegnern zu viel Raum ließen. Auch nach der Pause fehlte es den deutschen an Ideen, um die kompakte Defensive Mexikos in Bedrängnis zu bringen. Mit dem Ballbesitz konnte der Titelverteidiger wenig anfangen, weder Özil noch Kroos gelang es, Räume zu öffnen, wie sie das normalerweise in ihren Klubs vorführen.

Der Berliner Anteil

Herthas fünfter WM-Fahrer in der fast 126-jährigen Vereinsgeschichte zeigte keinerlei Nervosität. 22 der 23 Pässe, die Marvin Plattenhardt spielte, gelangten zum anvisierten Mitspieler. Auch die Zweikampfquote war mit 75 Prozent weit überdurchschnittlich. Am Berliner Linksverteidiger lag es nicht, dass die Abwehr löchrig war wie ein Schweizer Käse. 

Die Erkenntnis

Mit so wenig Körpereinsatz wird das nichts mit dem fünften Weltmeisterstern auf dem Trikot. Die Besten rasten nie, so lautet - aus dem Englischen übersetzt - das Motto der deutschen WM-Fahrer. Aber im Moskauer Luschniki-Stadion gönnten sie sich eindeutig zu viele Denkpausen. Im Angriff und nach Ballverlusten agierten die Spieler von Joachim Löw oft ohne Tempo. In den Duellen eins gegen eins fehlte die Energie. Mit Ilkay Gündogan hätte der Bundestrainer noch einen zentralen Antreiber, der den schwachen Khedira ersetzen könnte. Doch braucht die ganze Mannschaft vor allem mehr mexikanischen Eifer.