David Schmidt wirft den Ball gegen Kroatien aufs Tor.
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WienVoller Inbrunst sang die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihre Hymne vor dem Spiel. Ebenso wie DHB-Vizepräsident und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, der das Geschehen von der Seite verfolgte, anschließend mit Sportvorstand Axel Kromer und Ersatzspieler Marian Michalczik energisch abklatschte. Man hatte sich viel vorgenommen vor der Spiel Partie gegen die Kroaten am Samstagabend. Nach dem ersten Hauptrunden-Sieg gegen Weißrussland (31:23) strotzte die Truppe von Bundestrainer Christian Prokop nur so vor Selbstvertrauen. Umso schmerzhafter war die anschließende 24:25(14:11) Niederlage. Der Traum vom Halbfinale war geplatzt, auch weil die Schützenhilfe von Österreich zuvor ausblieb. Der Gastgeber unterlag nach einer grandiosen ersten Halbzeit Spanien am Ende mit 26:30(16:18).

„Wenn der Teamgeist funktioniert und wir uns richtig pushen, wird es für jeden Gegner schwer uns zu schlagen“, hatte Prokop zuvor behauptet. Und seine Worte sollten sich als wahr erweisen. Von der ersten Minute an zeigten seine Schützlinge Leidenschaft und Herzblut. Kai Häfner erzielte nach fünf Minuten die erste Führung, Timo Kastening legte mit einem Tempogegenstoß nach (7., 4:2). Von da an sollte die DHB-Auswahl die Nase vorn behalten.

Die Abwehr war schnell auf den Beinen und stand so kompakt, dass die Kroaten mehrfach zu Abspielfehlern gezwungen werden konnten. Falls doch einmal ein Ball den Weg zum Tor schaffte, verhinderte Andreas Wolff meist Schlimmeres. In der ersten Halbzeit musste der Torhüter bei keinem der drei Siebenmeter hinter sich greifen, bot acht Paraden. Immer wieder war die Siegesfaust des 28-Jährigen zu sehen, der zwischen den Pfosten über sich hinaus wuchs.

Höhepunkt des Dramas

Dadurch war es möglich die vielen Zeitstrafen unbeschadet zu überstehen. Sechsmal in den ersten 30 Minuten wurde ein Spieler mit dem Adler auf der Brust des Feldes verwiesen, zweimal musste man sogar eine doppelte Unterzahl verkraften. Doch davon ließ sich die Mannschaft nicht beirren. Selbst der sonst eher ruhige Christian Prokop stimmte in die Euphorie ein und war wiederholt jubelnd und johlend an der Seitenlinie zu beobachten. Musste sogar eine gelbe Karte wegen Lamentierens hinnehmen

Die Wiener Stadthalle schien den Deutschen gut zu tun. Vor gut 10.000 Zuschauern ließ sich das Team vom Publikum beflügeln, sog jede Unterstützung von den Rängen auf. Und davon gab es genug. Zahlreiche deutsche Zuschauer hatten sich hoffnungsvoll auf den Weg in das Nachbarland gemacht, gut 47.000 leben ohnehin in der österreichischen Hauptstadt. Weniger als die Hälfte – 22.500 – der ihn Wien lebenden Bevölkerung ist hingegen kroatisch. In der Halle glichen sich die Zahlen aus und dementsprechend heiß war die Atmosphäre.

Da ging sogar unter, dass die deutsche Auswahl nur mit 15 Spieler gegen die Kroaten antrat. Kreisläufer Johannes Golla hatte auf dem Weg zum Spiel über starke Übelkeit geklagt und musste ins Hotel zurückkehren. Aus der verminderten Mannstärke konnten sich die Kroaten allerdings zunächst keinen Vorteil erarbeiten. Die Truppe um die Weltstars Domagoj Duvnjak, Luka Cindric und Luka Stepancic begehrte indes kurz nach Wiederanpfiff noch einmal auf. Nach einem Fünf-Tore-Vorsprung (37., 17:12) benötigte es nur drei Minuten, um das Puffer auf zwei Tore schwinden zu lassen. Beim 21:20 zog Prokop dann die Reißleine und stellte seine Spieler während der Auszeit noch einmal ein. Es half nichts. 99 Sekunden später fiel der Ausgleich und das Drama erlebte einen neuen Höhepunkt.

Letztlich war es Igor Karacic der in der 59. Minute die Führung für Kroatien erzieklte und das deutsche Schicksal besiegelte. Durch die Niederlage befindet sich Deutschland nun vier Punkte hinter Spanien und Kroatien. Der Einzug in das Halbfinale ist nur noch theoretisch möglich.